Frauenfussball

Staab: Der arabische Frauenfussball wird von Katar 2022 profitieren

Monika Staab with Qatar youngsters
© FIFA.com

Monika Staab gilt in ihrem Geburtsland Deutschland als "Pionierin und treibende Kraft" des Frauenfussballs. Die langjährige FIFA-Instruktorin und ehemalige Trainerin von Bahrain übernahm im Februar 2013 das Traineramt bei der Frauen-Nationalmannschaft Katars.

In einem Interview mit FIFA.com berichtet die aus Frankfurt stammende Staab über ihre neue Herausforderung, die Fortschritte des Frauenfussballs in der Arabischen Welt, Rauls wichtige Vorbildfunktion und eine bahnbrechende UEFA Frauen-EM in Schweden.

*Was war Ihr erster Eindruck vom Frauenfussball in Katar? *Bevor ich das Amt übernahm, war ich schon einige Male in Katar gewesen, einschließlich einer Reise im Rahmen einer FIFA-Mission im Oktober 2012. Um ehrlich zu sein, bin ich beeindruckt von den Fortschritten, die der Frauenfussball im Land gemacht hat. Die Arbeit, die Pioniere wie Ahlam Salem Mubarak Al Mana, der Präsident des Komitees für Frauensport in Katar geleistet haben, um Frauen im Sport weiter zu fördern, ist deutlich erkennbar.

Katar hat in sozialer Hinsicht Fortschritte gemacht, und die richtigen Botschaften wurden an die Frauen ausgesandt. Mir schwebt jetzt vor, den nächsten Schritt zu tun, dabei aber die katarische Kultur zu respektieren und einzubinden. Ich habe hier hervorragende Arbeitsbedingungen vorgefunden und bin überzeugt davon, dass wir im Rahmen des fünfjährigen Entwicklungsprojekts einen wertvollen Beitrag leisten können.

*Was möchten Sie in den kommenden fünf Jahren erreichen? *Im Laufe meiner Karriere hatte ich die Chance, den Frauenfussball in 63 Ländern zu beobachten. Wenn ich die Strukturen in Katar mit der Situation im Großteil der von mir besuchten Länder vergleiche, kann ich sagen, dass Katar die Nase vorn hat und dass wir in den nächsten fünf Jahren Veränderungen einleiten können. Wir haben beispielsweise eine sehr gut organisierte Frauenliga, die für die Nationalmannschaft sehr hilfreich ist. Allerdings müssen wir noch dafür sorgen, dass jedem bewusst ist, welchen Nutzen der Frauenfussball für die Gesellschaft als Ganzes bringt. Die Spielerinnen unserer neu geschaffenen U-14-Frauen-Nationalmannschaft trainieren jeden Tag nach der Schule. Die Mädchen werden in Katar zu wichtigen Vorbildern, weil sie zeigen, dass der Frauenfussball ein integraler Bestandteil des Alltags sein kann. Was die Wettbewerbsfähigkeit angeht, haben wir ebenfalls wichtige Schritte nach vorn gemacht: Kürzlich hat unsere Frauen-Nationalmannschaft auf den Malediven die allerersten Länderspiele außerhalb Katars bestritten. Zwar haben wir beide Spiele verloren, aber die Erfahrung war unbezahlbar. Jetzt wissen unsere Spielerinnen, was es heißt, auswärts gute Leistungen zu bringen. Wir freuen uns schon auf unser bevorstehendes Trainingslager in Deutschland.

*Glauben Sie, dass der Frauenfussball in Katar von der bevorstehenden FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022™ profitieren wird? *Wir hatten positive Gespräche mit dem Obersten Komitee und dort ist man bereit, die Einrichtung eines Nachwuchsleistungszentrums für den Frauenfussball zu fördern. Das ist ein gutes Zeichen, wenn man berücksichtigt, dass der Frauenfussball in Katar eine relativ neue Sportart ist, die erst 2009 offiziell eingeführt wurde. Es gibt noch viel zu tun, insbesondere im Hinblick auf die Aufklärung. Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022™ bietet eine hervorragende Möglichkeit, der ganzen Welt zu zeigen, welche Fortschritte Katar gemacht hat. Der Frauenfussball in der Arabischen Welt könnte von der WM 2022 profitieren.

*Welche Bedeutung hat die WM 2022 für Katar? *Die WM 2022 ist ein Riesenprojekt für Katar. Die Menschen in Katar waren schon immer sehr fussballbegeistert und wir sehen bereits jetzt, dass der Fussball einen greifbaren Einfluss auf die katarische Gesellschaft hat. Raul leistet beispielsweise hervorragende Arbeit als Fussballbotschafter in Katar. Er hat nicht nur europäisches Flair ins Land gebracht, sondern auch Sportgeist und Fairplay. Alles in allem ist Katars Vision 2030 vielleicht das beste Beispiel für die immens hohen Erwartungen, die die Weltmeisterschaft ausgelöst hat. Ich glaube, die Weltmeisterschaft kann einen Beitrag zur gesamten Gesellschaft leisten, einschließlich der Frauen. Ich bin auch überzeugt davon, dass Frauen eine wichtige Rolle bei der Lösung des Konflikts spielen könnten, der sich unter Umständen in der Arabischen Welt zusammenbraut.

*Wäre es hilfreich, wenn mehr weltbekannte Spieler und Spielerinnen für den Frauenfussball in der Arabischen Welt werben würden? *Raul ist ein großes Vorbild – für Männer und Frauen gleichermaßen. Es ist beeindruckend zu sehen, dass ein so großer Star so hart arbeitet und dabei eine so große Bescheidenheit an den Tag legt. Natürlich wäre es auch großartig, wenn weibliche Vorbilder wie Marta oder Lotta Schelin die Chance bekämen, ihre Erfahrungen mit unseren Spielerinnen zu teilen.

*Können wir kurzfristig erwarten, dass sich ein arabisches Land für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ qualifiziert? *Es ist beeindruckend, wie sich der Frauenfussball seit 2006 in der Arabischen Welt entwickelt hat. Jordanien zählt zu den besten acht Teams in Asien und hat noch eine Chance, sich für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™ zu qualifizieren. Das Team ist ein gutes Beispiel dafür, wie groß die Fortschritte sind, die in den letzten 10 bis 15 Jahren erzielt wurden. Palästina hat eine reguläre Frauen-Nationalmannschaft, die schon vor vielen Zuschauern gespielt hat. Insgesamt wird der Frauenfussball stärker und Vorurteile werden abgebaut. Wenn weiterhin solche Fortschritte gemacht werden, könnten einige arabische Länder innerhalb der nächsten 30 Jahre dasselbe Niveau erreichen wie die europäische Spitze.

*Sie sind jetzt als Beobachterin bei der Europameisterschaft dabei. Gibt es eine zentrale Lehre, die sich aus der UEFA Frauen-EM ziehen lässt? *Das ist wirklich ein bahnbrechendes Turnier für den Frauenfussball. Teams wie die Niederlande, Italien und Spanien haben sehr beeindruckende Leistungen gezeigt, die man von ihnen vor zehn Jahren niemals hätte erwarten können. Einige andere Länder wie Deutschland, bei denen die Erwartungen immer sehr hoch waren, haben angefangen zu realisieren, dass die Spanne zwischen den Teams immer geringer wird. Für mich als langjährige Unterstützerin des Frauenfussballs war es bislang ein bemerkenswertes Turnier mit einem tollen Gastgeber und einer fantastischen Atmosphäre.

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