Frauenfussball

Simmons: "Der Frauenfussball ist kaum wiederzuerkennen"

The opposing teams line up for the national anthems
© Getty Images

Im neuen Wembley-Stadion vor ausverkauftem Haus zu spielen, ist in jeder Sportart so etwas wie die absolute Krönung. Schließlich gibt es kaum einen besseren Beweis für die Beliebtheit eines Sports.

Erstmals gelang es der englischen Fussball-Nationalmannschaft 2007. Auch bei anderen Sportarten, darunter Boxen und Football (NFL), gab es schon ausverkaufte Tribünen. Beim gestrigen Spiel in London gegen Deutschland hat nun auch die englische Frauen-Nationalmannschaft das Wembley-Stadion bis auf den letzten verfügbaren Platz gefüllt.

Der Tag war schon allein deswegen historisch, weil es der erste Auftritt der Engländerinnen im Nationalstadion war. Zwar verlor das Team von Nationaltrainer Mark Sampson gegen Deutschland mit 0:3, doch auf den Tribünen herrschten dennoch Leidenschaft und Begeisterung.

Für das Spiel wurden mehr Karten verkauft als für das letzte Freundschaftsspiel der Männer im Wembley-Stadion. Dies sagt viel darüber aus, wie weit es der Frauenfussball in England mittlerweile gebracht hat.

"Es gibt jetzt einen regelrechten Hunger nach Frauenfussball", so Kelly Simmons, die FA-Direktorin für Frauenfussball, gegenüber *FIFA.com. *"Der vergangene Abend war ein ganz besonderer Anlass. Schließlich hat er gezeigt, dass die Leute tatsächlich kommen, wenn man ein großartiges Produkt in einem tollen Stadion anbietet. Die Fangemeinde und das Interesse am Frauenfussball lassen sich weiter steigern. Wir haben nie dagewesene Ticket-Verkaufszahlen erreicht und auch das Medieninteresse war enorm - also alles rekordverdächtig."

Das Spiel war die Krönung einer fantastischen Saison. Kurz zuvor hatten wir die unglaublich spannende Schlussphase der Women's Super League, die erst am letzten Tag entschieden wurde. Diese Meisterschaft hat die Menschen in ihren Bann gezogen und dem Frauenfussball viele neue Fans beschert. Daher bin ich sehr zufrieden."

Simmons ist überzeugt, dass es bei dem Spiel sogar noch mehr Zuschauer gegeben hätte als bei den Olympischen Spielen von London 2012, doch am Spieltag mussten lange im Voraus geplante Arbeiten im Stadion durchgeführt werden. "Es ist schon ein bisschen enttäuschend, denn wir mussten den Ticketverkauf 20 Tage vor dem Spiel bereits einstellen", erläuterte sie.

"Normalerweise verkaufen wir aber die meisten Eintrittskarten für Frauen-Länderspiele erst in den letzten zwei Wochen. Die Marke von 70.000 Zuschauern wäre sicher nicht unrealistisch gewesen, wenn man sich anschaut, wie der Ticketverkauf abgelaufen ist."

Noch vor vier Jahren waren Bilder von derart gut gefüllten Rängen wie beim gestrigen Spiel kaum vorstellbar. Damals hatte man das Potenzial des englischen Frauenfussballs noch nicht voll und ganz erkannt. Doch seitdem hat sich der Sport enorm gewandelt. Die Auswirkungen der 2011 gegründeten WSL und die entsprechende Fünfjahresplanung der FA zur Förderung des Frauenfussballs aus dem Jahr 2012 haben zu einem enormen Popularitätszuwachs geführt.

"Der Frauenfussball ist gegenüber 2010 kaum wiederzuerkennen", so Simmons, die ihre aktuelle Funktion seit 2013 innehat. "Wir haben zwei TV-Partner und vier kommerzielle Partner. In den meisten Klubs wird mittlerweile täglich trainiert und viele machen Schritte hin zum Profifussball. Dafür stehen hervorragende Einrichtungen und Anlagen zur Verfügung. Entsprechend zufrieden sind wir mit der Entwicklung, die ja letztlich zu einer weiteren Stärkung der WSL und auch der englischen Nationalmannschaft führen wird."

"Wir sind mittlerweile die beliebteste Frauen-Sportart in England und die drittbeliebteste insgesamt. Die Anzahl der Aktiven ist also enorm hoch, und auch das ist natürlich sehr hilfreich."

Simmons betonte, die Fortschritte des Frauenfussballs in England seien auf "sehr harte Arbeit sehr vieler Menschen" zurückzuführen. Insbesondere verwies sie auf den unglaublichen Anteil, den die Spielerinnen selbst auf die Entwicklung haben. "Sie arbeiten auf und abseits des Platzes unermüdlich", so Simmons.

"Sie alle sind fantastische Botschafterinnen für den Frauenfussball. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir eine solch tolle Gruppe haben. Sie sind großartige Vorbilder für den Frauenfussball."

Auf die Frage nach Ratschlägen für andere Länder, die ihre Frauenligen ebenfalls fördern wollen, meinte Simmons, die Mitglied der FIFA-Kommission für den Frauenfussball ist: "Die brauchen keine Ratschläge von mir."

"Ein großartiger Aspekt beim Frauenfussball besteht darin, dass die Länder zusammenarbeiten und ihr Wissen und ihre Erfahrungen miteinander teilen. Alle in diesem Sport sind sehr enthusiastisch und wünschen sich weltweiten Erfolg. Das Ganze ist also eine echte gemeinsame Teamleistung."

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