Frauenfussball

Seedorf: "Ich will, dass sich der Frauenfussball eigenständig entwickelt"

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Clarence Seedorf hat vier Mal die UEFA Champions League gewonnen. Als bislang einzigem Spieler gelang ihm dieses Kunststück mit drei verschiedenen Vereinen: Ajax Amsterdam, Real Madrid und AC Mailand. Mit FIFA.com sprach FIFA-Legende Seedorf nun über seine Teilnahme an der FIFA-Konferenz für Gleichberechtigung und Inklusion. Der extravagante Mittelfeldspieler war zwei Jahrzehnte als Profi aktiv und bestritt dabei über 1.000 Spiele in Liga, Pokal, europäischen Wettbewerben und Nationalmannschaft. Zusammen mit Kanadas ehemaliger Nationalspielerin Karina LeBlanc nahm er an einem Grundsatzgespräch teil.

FIFA.com: Wo sehen Sie den Frauenfussball im Augenblick und wohin entwickelt er sich Ihrer Meinung nach?
Clarence Seedorf: Ich will nicht, dass der Frauenfussball den Männerfussball kopiert. Ich will, dass sich der Frauenfussball eigenständig entwickelt. Ich habe mir viele WM-Spiele angesehen und es wird besser. Wachstum und Entwicklungen brauchen allerdings ihre Zeit. Ich habe mir die Spiele nicht in der Erwartung angesehen, ein Spiel wie bei den Männern zu sehen. Wahrnehmung und Erwartungshaltung sollten sich diesbezüglich meiner Meinung nach ändern. Man sollte sich an der Qualität erfreuen, die die Frauen beim Fussball auf den Platz bringen. So habe ich mir die WM angesehen und sie genossen. Auch die Zuschauer in den Stadien haben sie genossen, ganz klar.

Kann man also behaupten, Sie sind ein Fan des Frauenfussballs?
Ich halte Frauenfussball nicht nur für unterhaltsam, ich schätze darüber hinaus die Art, wie die Frauen die Werte des Sports hochhalten: diese ehrliche und authentische Art, Tore zu feiern, ihr Umgang mit den Unparteiischen, ihr Engagement und vieles mehr. Ich hoffe, das bleibt so.

Was bedeutet Ihnen die Beteiligung an solch einem Ereignis wie dieser Konferenz?
Ich mag, dass diese Bewegung an der Basis aktiv ist. Diese Konferenz ist eine Inspiration für alle, die für eine Welt mit mehr Inklusion kämpfen. Es geht ja nicht nur um den Fussball, es geht um eine Gesellschaft mit mehr Inklusion. Da sind Tage wie diese eine Inspiration für die Menschen. Aber was kommt danach? Was passiert dann? Wie sorgen wir für tatsächliche Veränderungen? Deshalb halte ich es für wichtig, sich Ziele zu setzen. Ziele, über die wir uns einig sind und die uns voran bringen.

Was für Ziele zum Beispiel?
Vorurteile müssen wir ganz konkret bekämpfen. Die FIFA hat da schon einige sehr klare Zeichen gesetzt, indem sie wichtige Positionen mit unterschiedlichsten Menschen besetzt hat. Taten sagen mehr als Worte. Aber wenn wir auf eine Welt mit mehr Inklusion hinarbeiten wollen – nicht nur für Frauen sondern auch für Minderheiten –, dann bedarf es auch der Worte.

Fussball kann der Gesellschaft viel zurückgeben. Wir haben eine Verpflichtung, das zu tun und wir müssen es auf die bestmögliche Weise tun. Aus unserer Arbeit heute entstehen Vorbilder, die positiv sind für Jungen und Mädchen. Wenn wir mal so weit sind, dass Fussballerinnen auch Vorbild für männliche Fans sein können, wird es erst richtig interessant. Diese Bewegung ist für den Frauenfussball. Diese Bewegung verändert etwas. Man hat jetzt Vorbilder, die präsent sind und einen Wettbewerb, der eine Wertigkeit besitzt.

Glauben Sie, Männer haben eine besondere Verantwortung bei der Weiterentwicklung des Frauenfussballs?
Wie ich bereits sagte: Worte sind schön und gut, Taten sind besser. Worte und Taten zusammen sind noch besser. Wir sollten uns alle einem größeren Ziel verschreiben. Wir alle sollten uns fragen, was wir dem Fussball zurückgeben können. Wir müssen alle Bereiche weiterentwickeln, die für die verschiedenen Menschen von Belang sind. Insbesondere kommt es auf Chancengleichheit an. Wichtig ist, im Fussball eine diversifizierte Umgebung mit Inklusion aller Minderheiten zu schaffen. Ich denke, der FIFA-Präsident gibt da sehr positiv den Ton an.

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