Frauenfussball

Pizarro: Hoffnungsträgerin Uruguays mit Vorbildfunktion

Azumah Bugre of Ghana defends Esperanza Pizarro of Uruguay
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  • Esperanza Pizarro ging gestärkt aus einer Tragödie hervor
  • Starspielerin Uruguays in der Quali für die U-20-WM in Costa Rica/Panama
  • 2018 erzielte sie das schönste Tor der U-17-Frauen-WM

"Als das mit Mama passiert war, wollte ich nicht mehr Fussball spielen und noch nicht einmal nach Montevideo fahren. Aber meine Schwestern haben mich überredet und meine Teamkameradinnen haben mir sehr geholfen."

Esperanza Pizarros Worte am Mikrofon von FIFA.com sind bewegend. Im Februar, wenige Tage vor dem Start des Trainingslagers der uruguayischen Auswahl für die U-20-Südamerikameisterschaft der Frauen schlug das Schicksal erbarmungslos zu. Ihre Mutter verstarb bei einem Verkehrsunfall.

"Ich wollte alles hinschmeißen. Ich hatte einfach keine Lust mehr. Eine Woche war vergangen, und ich musste entscheiden, ob ich nun zur Nationalmannschaft stoßen würde oder nicht", so die 18-jährige Stürmerin weiter.

"Da haben meine Schwestern mich daran erinnert, was Mama alles getan hat, damit ich Fussballspielerin werden konnte. Es hat sie glücklich gemacht, wenn sie mich spielen sah und wenn ich Tore schoss, die ich ihr widmete. Das hat mir die Kraft gegeben, weiter in der Nationalmannschaft zu spielen."

Dort warteten ihre Teamkameradinnen mit offenen Armen auf sie. "Sie haben auf mich aufgepasst und mich aufgeheitert, wenn ich traurig war. Sie schreiben mir noch immer, um zu fragen, wie es mir geht. Auch sie alle haben eine wichtige Rolle gespielt."

Pizarro bedankte sich bei ihren Teamkameradinnen mit sieben Treffern und leistete damit einen großen Beitrag dazu, dass Uruguay in Gruppe B hinter Brasilien den zweiten Platz belegte. Damit zieht das Team zum ersten Mal überhaupt in die Finalrunde der Südamerikameisterschaft dieser Altersklasse ein.

Das Turnier, bei dem sie die Torjägerinnenliste anführt, wurde aufgrund der Pandemie zunächst einmal ausgesetzt. Zwei Tickets für die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 2020 in Costa Rica und Panama sind hier zu vergeben.

Esperanza Pizarro #11 of Uruguay celebrates a goal with Karol Bermudez #15 against Finland
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Durchhaltevermögen

Pizarro war noch nie jemand, der sich schnell geschlagen gegeben hat. "Mit vier betrat ich eine Metzgerei und wollte anschließend Metzgerin werden. Ich ging zu einem Gemüsehändler und wollte anschließend Gemüsehändlerin werden. Eines Tages schauten wir uns ein Fussballspiel an, und ich sagte zu meinen Eltern, dass ich Fussballspielerin werden wollte. Sie antworteten: 'Wenn du fünf bist'."

"Ein Jahr später habe ich meine Mutter daran erinnert: 'Ich bin jetzt alt genug. Bring mich hin.'" Und ihre Mutter Claudia hielt ihr Versprechen und machte sich auf die Suche nach Klubs in Palmira, obwohl ihr Mann nicht viel davon hielt.

"Es gab damals noch keinen Frauenfussball, und ich wurde abgelehnt, weil ich ein Mädchen war. Aber dann hat mich ein Klub in der Jungenabteilung aufgenommen. Es war nicht leicht. Entweder ließen sie mich außen vor oder sie griffen mich umso härter an, weil ich ein Mädchen war. Aber ich wurde besser, sie haben sich an mich gewöhnt und schließlich war ich eine von ihnen."

Kurze Zeit später wurde in Carmelo ein Frauenteam ins Leben gerufen. Bis dahin war es eine halbe Stunde Busfahrt, und ihre Mutter brachte sie hin. In Carmelo spielte sie zunächst im Tor und im zentralen Mittelfeld und wechselte später dank ihrer guten Technik, Schnelligkeit und ihrem Torriecher in den Angriff.

The shirt of Uruguay's Esperanza Pizarro hangs in the dressing room
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Hoffnungsträgerin der Celeste

Pizarro baute ihre Fähigkeiten in den Nachwuchsabteilungen des uruguayischen Nationalteams aus. Mit 14 bestritt sie die erste von bislang vier Südamerikameisterschaften und stand 2018 bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft im eigenen Land im uruguayischen Kader.

Das Team kam zwar nicht über die Gruppenphase hinaus, doch ihre Mutter war vor Ort dabei, als sie gegen Finnland das schönste Tor des Turniers erzielte.

Die damalige Auswahl bildet jetzt den Grundstock des aktuellen U-20-Teams, das um einen Startplatz bei der nächsten WM kämpft. In der ersten Runde brachten die Uruguayerinnen es auf drei Siege und eine Niederlage.

"Wir haben Ariel Longo viel zu verdanken. Seit er das Traineramt übernommen hat, haben sich alle Frauenteams ohne großes Aufhebens weiterentwickelt. Die [U-17]-WM hat uns geholfen, Erfahrungen für die U-20 und das A-Nationalteam zu sammeln", betont Pizarro, die bereits ihr Debüt im A-Nationalteam gegeben hat.

Es überrascht sie nicht, das Uruguay ohne große Probleme die vier Teams umfassende Finalrunde erreicht hat. "Wir wussten, dass wir hinter den überlegenen Brasilianerinnen den zweiten Platz belegen könnten."

Obwohl sie sich nach ihrer Rückkehr aus Argentinien in der Wohnung ihrer Teamkameradin Valentina Morales in Montevideo in Quarantäne befindet, sieht sie auch positive Aspekte an der Aussetzung des Turniers. "Wir können unsere Gegner besser analysieren, Selbstkritik üben und Fehler korrigieren."

Wir wollten wissen, ob es sie überrascht, dass sie bislang beste Torschützin des Turniers ist. "Ich habe mir das als Torjägerin natürlich gewünscht, aber ich hätte es mir nie träumen lassen. Ich habe schon einige Tore bei Südamerikameisterschaften erzielt, aber das ist mir noch nie passiert." 

Pizarro bringt es mittlerweile auf zwei Hattricks. Sollte ihr noch ein weiterer gelingen, würde sie den Rekord von Marta einstellen, die als einzige Spielerin bei einer Südamerikameisterschaft drei Hattricks erzielen konnte. "Das wäre eine Ehre, weil sie mein großes Vorbild ist. Wissen Sie, wie schwierig das in Südamerika ist?"

Gleichzeitig erklärt sie jedoch, das große Ziel sei natürlich die Qualifikation für die WM. "Der Rest kann warten."

Das gilt auch für einen Wechsel ins Ausland. "Ich war schon zur Probe bei Inter in Brasilien und bin zurückgekehrt. Außerdem habe ich einen Vertrag bei Nacional unterzeichnet und werde ein Physiotherapiestudium beginnen", erklärt Pizarro, die erste Spielerin, die in Uruguay mit einem Profivertrag ausgestattet wurde.

Daher ist die gerade einmal 18-Jährige bereits ein Aushängeschild des Frauenfussballs in ihrem Land. "Vielleicht wird mir das eines Tages bewusst. Im Augenblick glaube ich nicht, dass ich anders bin als andere. Ich mache einfach nur mein Ding."

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