UEFA Women's Champions League

Olympique Lyon schreibt Fussballgeschichte

Wendie Renard, captain of Olympique Lyon lifts the UEFA Women's Champions League Trophy
© Getty Images
  • Olympique Lyon feiert siebten Titel in der UEFA Champions League der Frauen
  • VfL Wolfsburg unterliegt dem französischen Starensemble zum dritten Mal
  • Drei Spielerinnen in den Reihen Lyons waren bei allen Erfolgen dabei

Wie so viele Wettbewerbe musste sich auch die UEFA Champions League der Frauen infolge der COVID-19-Krise neu erfinden. Nach zehn Monaten Pause (die letzten Spiele hatten am 30. und 31. Oktober 2019 stattgefunden) kamen die acht besten Frauenteams des Kontinents in den beiden nordspanischen Städten Bilbao und San Sebastián zusammen, um im Rahmen einer Finalrunde den neuen Titelträger zu ermitteln.

Im Viertelfinale setzten sich der VfL Wolfsburg, der FC Barcelona, Paris Saint-Germain und Olympique Lyon gegen Glasgow City, Atlético Madrid, den FC Arsenal und Bayern München durch und zogen ins Halbfinale ein. Dort erlebten die Fans zwei enge Partien, die jeweils mit dem knappsten aller Ergebnisse zugunsten des VfL Wolfsburg (gegen Barcelona) und Lyon (gegen PSG) entschieden wurden. Damit trafen im Endspiel erneut die beiden Top-Teams des europäischen Frauenfussballs aufeinander.

FIFA.com blickt zurück auf den Wettbewerb und das krönende Finale.

Das Finale

Olympique Lyon und der VfL Wolfsburg trafen bereits zum vierten Mal in einem Endspiel der UEFA Champions League der Frauen aufeinander. Damit entwickelt sich die Paarung langsam aber sicher zu einem wahren Klassiker. Während die Wölfinnen im ersten Finalaufeinandertreffen 2013 als Sieger vom Platz gingen, entschied der französische Serienmeister die beiden Endspiele 2016 und 2018 für sich.

Zum Anstoß der Partie hofften die Wolfsburgerinnen darauf, Revanche für die beiden letzten Finalniederlagen gegen den amtierenden Titelverteidiger zu nehmen. Da aufseiten von OL mit Ada Hegerberg, Amandine Henry, Griedge Mbock Bathy und Nikita Parris wichtige Spielerinnen fehlten, wurden die Erfolgshoffnungen der Wolfsburgerinnen weiter genährt. Doch Lyon hat scheinbar unerschöpfliche Ressourcen und konnte den Titel am Ende erneut verteidigen.

In der ersten Halbzeit trumpfte das Team von OL stark auf: Nach Treffern der erfahrenen Eugénie Le Sommer (25. Minute) und Saki Kumagai (44.) ging der französische Meister mit einem Zwei-Tore-Vorsprung in die Kabine. Im zweiten Durchgang verkürzte Wolfsburgs legendäre Kapitänin Alexandra Popp in der 58. Minute auf 1:2, wodurch beim deutschen Meister noch einmal neue Hoffnung aufkeimte. In den Schlussminuten war es dann ausgerechnet Sara Björk Gunnarsdottir, die erst vor wenigen Wochen von Wolfsburg nach Lyon wechselte, die mit dem Tor zum 3:1 den Erfolg von OL gegen ihre ehemaligen Mitspielerinnen besiegelte (88.).

Olympique Lyon feiert damit den siebten Titelgewinn in der Champions League der Frauen und schreibt einmal mehr Fussballgeschichte.

Reaktionen

"Das ist ein sehr, sehr emotionaler Moment. Fünf Champions-League-Titel in Folge – einfach unglaublich. Ich bin wirklich stolz auf das Team. Wir waren von Anfang an voll fokussiert und unglaublich präsent auf dem Platz. Dadurch haben wir das Spiel für uns entschieden."
Delphine Cascarino (Angreiferin, Olympique Lyon)

"Ich empfinde pures Glück. Wir wollen immer gewinnen und sind des Siegens nicht müde. Auch wenn es sich vielleicht etwas anders als beim ersten Erfolg anfühlt, ist der siebte Titel absolut überragend. Wenn man die Champions League gewinnt, ist das immer etwas ganz Besonderes. Es ist der Lohn für ein ganzes Jahr harte Arbeit, die wir jeden Tag auf dem Platz leisten, und für all die Entbehrungen. Wir haben ein Jahr lang auf diesen Erfolg hingearbeitet. Alle wollten uns fallen sehen, doch OL ist immer noch da und wir werden noch lange Zeit auf diesem Top-Niveau bleiben."
Eugénie Le Sommer (Angreiferin, Olympique Lyon)

"Die Freude ist groß. Es ist schwierig, zu gewinnen. Du musst sehr hart dafür arbeiten. Du kämpfst jedes Jahr für diesen Titel. Wir haben ihn wieder geholt. Jetzt wollen wir den sechsten Titel in Serie, um den Rekord von Real Madrid zu brechen. Wir sind noch lange nicht fertig."
Wendie Renard (Spielführerin, Olympique Lyon)

Zahlen und Fakten

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Champions-League-Titel in zehn Jahren – so lautet die unglaubliche Erfolgsbilanz von Olympique Lyon. Dabei hat OL in dieser Zeit nur ein Mal das Finale verpasst (2014). Darüber hinaus konnte das Team die begehrte Trophäe beeindruckende fünf Mal in Folge gewinnen. Nun fehlt Lyon nur noch ein Titel, um den Rekord von Real Madrid zu übertreffen: die Königlichen gewannen zwischen 1956 und 1960 ebenfalls fünf Mal in Serie den Europapokal der Landesmeister.

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Final-Niederlagen musste der VfL Wolfsburg bis dato hinnehmen – alle drei gegen Olympique Lyon. Die Wölfinnen standen fünf Mal im Endspiel um Europas Fussballkrone. In den Jahren 2013 (gegen Lyon) und 2014 (gegen Tyresö) gingen die Deutschen jeweils als Siegerinnen vom Platz. Seitdem behielt Lyon im Endspiel stets die Oberhand (2016, 2018 und 2020).

Die Enttäuschung

Obwohl Manchester Citys Team mit den englischen Nationalspielerinnen Karen Bardsley, Steph Houghton, Demi Stokes, Jill Scott, Keira Walsh, Georgia Stanway und Ellen White, der schottischen Internationalen Caroline Weir sowie Kanadas Janine Beckie über reichlich Klasse und Erfahrung verfügt, musste man bereits im Achtelfinale gegen Atlético Madrid die Segel streichen. Nachdem die Citizens 2017 und 2018 jeweils bis ins Halbfinale vordrangen, war nun bereits zum zweiten Mal in Folge im Achtelfinale Endstation.

Die Überraschung

Glasgow City hätten wohl nur die wenigsten Beobachter einen Platz im Viertelfinale der UEFA Champions League der Frauen zugetraut. Doch das schottische Team ohne herausragende Stars übersprang im Achtelfinale die Hürde Bröndby IF und qualifizierte sich damit für die Finalrunde in Nordspanien, wo es sich mit den Schwergewichten des europäischen Frauenfussballs messen durfte. In der Runde der letzten Acht musste Glasgow dann jedoch eine deftige 1:9-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg einstecken und die Heimreise antreten.

Die herausragende Spielerin

Olympique Lyon hat in dieser Auflage der UEFA Champions League der Frauen lediglich zwei Gegentore hinnehmen müssen, woran Abwehrchefin Wendie Renard großen Anteil hat. Beeindruckend sind auch ihre Offensivqualitäten: Die Spielführerin hat in dieser Champions-League-Saison fünf Tore für OL erzielt. Damit rangiert sie in der Torschützenliste auf dem vierten Rang – und das als Innenverteidigerin. Wendie Renard erzielte im Halbfinale gegen Paris Saint-Germain den goldenen Treffer. Darüber hinaus ist Lyons Kapitänin die Spielerin mit den meisten Partien in der Geschichte des Wettbewerbs (87) und durfte die begehrte Trophäe zusammen mit ihren Teamkolleginnen Eugénie Le Sommer und Sarah Bouhaddi so oft wie niemand sonst in die Höhe stemmen (7 Mal).

Ein Blick voraus

In einer Woche kommt der Film "Les joueuses #paslàpourdanser" in die französischen Kinos. Die Macher dieser Dokumentation begleiteten das Frauenteam von Olympique Lyon eine ganze Saison lang und liefern in ihrem Werk einen eindrucksvollen Blick hinter die Kulissen, darunter emotionale Bilder von den Erfolgen in der UEFA Champions League der Frauen.

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