Frauenfussball

NUR: Mehr als nur ein Frauenfussballverein 

NUR Women’s Football Club 
© Others
  • Iqra Ismail gründete NUR, einen Frauenfussballverein für ethnische Minderheiten
  • Mit NUR 'Never Underestimate Resilience' hat sie einen Nerv getroffen
  • "Die Nachfrage war viel größer, als ich dachte"

Es scheint so einfach zu sein. Man zieht ein Trikot über den Kopf, streift die kurze Hose über, schlüpft in die Turnschuhe und spielt Fussball...

Oder etwa doch nicht? Ganz anders scheint es auszusehen, wenn man eine Frau muslimischen Glaubens ist und eine dunkle Hautfarbe hat. Iqra Ismail kann ein Lied davon singen. "Ich habe irgendwie in Bezug auf Islamophobie, Rassismus und Sexismus den Kürzeren gezogen. Ich stehe bei allem auf der falschen Seite", beschreibt die in England geborene Somalierin.

"Als muslimische Frau ist es ein besonders schwerer Kampf. Der Frauenfussball wächst. Aber seien wir mal ehrlich: Er wächst hauptsächlich für die weiße Gemeinschaft und für Menschen, die mehr Privilegien haben und mehr dürfen. Als muslimische Frau hat man mehr Einschränkungen, sieht sich mit mehr Stereotypen konfrontiert. Nicht nur in der eigenen Gemeinde, sondern auch im Rest der Welt. Es ist schwierig, weil meine Ausrüstung etwas anders sein muss - ich kann aufgrund meiner religiösen Überzeugungen keine Shorts und ähnliches tragen. Das muss ich erklären, weil ich Fussball spiele, aber ich bin auch ein bisschen anders als die anderen Leute, die spielen. Es ist kein großer Unterschied. Es ist nur eine kleine Fehlkommunikation, die manchmal vorkommt und mich daran erinnert, dass ich nicht bin, wie alle anderen."

Sich immer wieder erklären zu müssen, missverstanden oder auch diskriminiert zu werden, ließen in Ismail die Idee entstehen, einen Ort zu schaffen, an dem sich eine Muslima mit dunkler Hautfarbe wohl und verstanden fühlt. "Als ich jünger war, hatte ich ein paar Probetrainings und habe viel mit ein paar Freundinnen darüber gesprochen: ‘Hier werden hier nicht akzeptiert, aber eines Tages werden wir einen Ort haben, an dem wir akzeptiert werden und an dem diese Mädchen spielen und sich wohl fühlen können.’ Ich erinnere mich, dass ich gesagt habe: 'Wenn wir Karriere machen, viel Geld gespart haben, dann können wir etwas tun'. Und dann wurde es mir im letzten Jahr klar, als ich ein Turnier abgehalten habe. Die Nachfrage war viel größer, als ich dachte und viele dieser Mädchen haben echtes Talent. Sie brauchten nur einen Ort, wo sie dieses zeigen können", beschreibt sie die Anfangsgeschichte von NUR ('Never Underestimate Resilience'), einem Fussballverein für schwarze Frauen und ethnische Minderheiten (BAME - Black, Asian and minority ethnic).

Ismails Idee wurde mit der Unterstützung ihrer Freundinnen Amirah Jama und Badra Osman schnell in die Tat umgesetzt. Dass sie mit NUR einen Nerv getroffen hatte und dies nicht nur ein Hirngespinst war, wurde bereits nach der ersten Trainingseinheit deutlich. "Als wir diese erste Einheit am 21. Juni abgehalten hatten, wurde wirklich klar, wie groß das Interesse ist – und es wuchs weiter. Es begann mit 15 Mädchen, dann 18, 23 und 40. Es wuchs wirklich exponentiell und auf eine Weise, die ich nie erwartet hätte", führt Ismail, die über das FA Level 1 Trainingsabzeichen verfügt, weiter aus. Ihre Liebe zum Fussball entdeckte sie bereits im Grundschulter. "Schuld" daran ist unter anderem auch ihr Bruder, der ein großer Chelsea-Fan ist und mit dem sie gemeinsam Spiele anschaute. Und wenn ihr dann noch jemand sagte, dass sie nicht spielen kann, dachte sie sich: Jetzt erst recht!

"Es ist verrückt, dass es so etwas, das so dringend benötigt wurde, vorher nicht gab. Aber vielleicht war es nur für mich offensichtlich, wie nötig es war, weil ich selbst betroffen bin. Ich bin froh, die Person zu sein, die es getan hat. Aber wenn ich es nicht gewesen wäre, hätte ich gewollt, dass es jemand anderes macht. Ich möchte nur, dass die Mädchen spielen können und diese Umgebung haben."

Doch in den Zeiten der Sozialen Medien wie Instagram, Facebook, Twitter und Co. sind Ismail und ihre Spielerinnen auch in ihrem sicheren Umfeld nicht vor Anfeindungen sicher. Ein Phänomen, mit dem sich leider viele Spieler und Spielerinnen rund um den Globus konfrontiert sehen.

"Social Media kann ein sehr positiver Ort sein, aber auch ein sehr giftiger. Ich benutze den Block-Button, und ich bin ganz ehrlich, der Block-Button ist eine schöne Sache", plaudert die dynamische 20-Jährige aus dem Nähkästchen. "Wir haben darüber gesprochen und ich habe gesagt: Es wird Zeiten geben, in denen Leute bestimmte Dinge sagen, aber wir müssen uns daran erinnern, dass dies eine Person ist und wir eine Einheit, ein Team sind. Wir vertreten und schützen uns gegenseitig. Denkt immer daran: Dies sind nur Menschen hinter einem Bildschirm, sie bedeuten nicht viel und sie sind nicht die Menschen, die etwas zu sagen haben, das zählt. Wir alle hatten unseren Anteil an Rassismus und mussten uns Dinge anhören wie: ‘Du kannst nicht spielen... du gehörst in die Küche’. Und wenn man das erlebt hat, lacht man einfach darüber."

Jetzt ist es Ismail, die gerade ihren Bachelor in Soziologie und Psychologie macht, besonders wichtig, dass auch die jüngere Generation von NUR profitiert. Viele Mädchen hören im Alter von 15, 16 Jahren auf zu spielen, da ihre Eltern wollen, dass sie sich auf ihre Ausbildung konzentrieren. Vier bis fünf Jahre später steigen sie dann wieder ein. Eine Lücke, die Ismail nicht möchte.

"Es ist wirklich wichtig für die jüngeren Altersgruppen, vielleicht U-10, U-13, U-16, U-6 und sogar U-8. Sie müssen diese Idee und die Leidenschaft für das Spiel bereits in jungen Jahren vermitteln. Ich möchte ihnen frühzeitig sagen: 'Weißt du was? Wenn Fussball deine Leidenschaft ist, musst du damit weitermachen. Wir müssen also jung beginnen, damit sie wachsen und die Idee im Kopf behalten können. Wenn sie etwas tun möchten, ist das vollkommen in Ordnung. Zumindest hatten sie die Gelegenheit und die Zeit, herauszufinden, was sie wollen. Viele dieser Mädchen konnten es nicht. Für mich ist es ein großes Ziel, den Club in Bezug auf die Altersgruppen zu erweitern und einfach einen Unterschied zu machen."

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