Frauenfussball

Norwegens Hegerberg-Schwestern teilen telepathisches Verständnis

Ada Hegerberg and Andrine Hegerberg celebrate a goal
© Getty Images

Ein Weihnachtsfest bei der Familie Hegerberg ist eine intensive Erfahrung.

Selbstverständlich werden die Traditionen gepflegt und Geschenke ausgetauscht, doch die Feiertage vergehen nicht ohne eine oder mehrere Trainingseinheit der Hegerberg-Schwestern Andrine und Ada mit ihrem Vater.

"Ja, das ist schon harte Arbeit", lacht Andrine Hegerberg im Gespräch mit FIFA.com. "'Einmal haben wir uns an Weihnachten so intensiv beim Training verausgabt, dass wir fast krank geworden wären!"

Derzeit trainieren Andrine und ihre gut zwei Jahre jüngere Schwester Ada allerdings in einem ganz anderen Klima als dem winterlichen Norwegen zur Weihnachtszeit. Sie sind nämlich mit der norwegischen Nationalmannschaft in Portugal und treten beim Algarve Cup an.

Im Januar zeigten die Geschwister mit einer perfekten Kombination zum Siegtor in einem Freundschaftsspiel gegen England in La Manga, wie gut sie harmonieren. Mittelfeldspielerin Andrine schlug einen Freistoß aus knapp 40 Metern in den Strafraum und Stürmerin Ada entwischte genau im richtigen Moment ihrer Bewacherin und versenkte den Ball per Kopf im Tor. Ganz ähnliche Tore haben die beiden schon oft erzielt, meist allerdings außerhalb des Rampenlichtes.

"Zwischen uns gibt es eine ziemlich starke Bindung, und das schon ziemlich lange. Und eine durch und durch ehrliche", so Andrine. "Ich denke, dass wir wohl deswegen so gut harmonieren, weil immer alles zu 100 Prozent ehrlich gemeint ist. Das gilt natürlich auch auf dem Spielfeld. Man muss einfach zu 100 Prozent ehrlich sein, wenn es funktionieren soll. Wenn man etwas erreichen will, muss man dahinter stehen. Uns fällt das leicht, weil wir so gute Freundinnen sind und eine so enge Bindung haben."

Entwicklungssprung in Potsdam
Die Geschwister Hegerberg wuchsen in Norwegen auf, doch den größten Entwicklungssprung machten sie in Potsdam, wo ein wichtiger Grundstein für ihre heutige enge Verbundenheit gelegt wurde. "Wir fanden uns in einer völlig ungewohnten Umgebung wieder", so Ada. Sie spielten gemeinsam für Turbine Potsdam in der deutschen Frauen-Bundesliga, bis Andrine sechs Monate später nach Schweden wechselte. "Wir waren noch ziemlich jung und wohnten natürlich zusammen. Außerdem hatten wir nicht viele andere Leute um uns, mit denen wir reden konnten", so Ada weiter.

"Als Sportler muss man manchmal auch etwas eigennützig sein und sein Ego herauskehren", stimmt Andrine ein. "Für uns war das eine ziemlich intensive Erfahrung. Wir wohnten zusammen und hatten drei Mal täglich zusammen Training. Und die Konkurrenzsituation war ganz schön heftig."

"War der anstrengende Tag dann zu Ende, wollten wir einfach nur noch Schwestern sein", fällt Ada ihr ins Wort. "In dieser Zeit haben wir uns wirklich ziemlich genau kennen gelernt. Als wir dann auseinander zogen, sind wir menschlich sehr daran gereift. Es hat unsere Bindung nur noch enger gemacht. Deswegen finden wir es ziemlich cool, dass wir uns bei den Trainingslagern der norwegischen Nationalmannschaft immer wieder sehen können."

Die Schwestern zeigen auf dem Platz ein einzigartiges Verständnis. Ada weiß beispielsweise ganz genau, mit welchem Teil ihres stärkeren linken Fußes Andrine einen Ball schießen wird und stellt sich bei ihren eigenen Vorstößen darauf ein.

"Daran haben wir allerdings sehr lange gearbeitet", gibt Andrine zu. "Es begann schon bei unserem ersten Klub Kolbotn in Norwegen. Wir sind uns bei allem was wir machen ziemlich ähnlich. Und dieser Kontakt, diese Bindung, ist für uns auf dem Feld sehr wichtig. Natürlich funktioniert das nicht immer. Wir arbeiten jetzt schon seit vielen, vielen Jahren daran, uns Schritt für Schritt immer weiter zu verbessern. Daher ist es besonders schön, wenn es dann tatsächlich perfekt klappt, wie im Spiel gegen England."

"Auch gegen Schweden hätte es zwei Mal fast funktioniert" stimmt nun wieder Ada ein.

Der neue Cheftrainer Martin Sjogren scheint die Erfolgsformel gefunden zu haben, bei der sich die Hegerberg-Geschwister in der Nationalmannschaft perfekt entfalten können. Bislang kam Ada in den Reihen der Gresshoppene regelmäßiger zum Einsatz als Andrine, doch Ada ist überzeugt, dass sich dies angesichts der Spielweise der Mannschaft und dem Fokus auf Technik unter Sjogren bald ändern wird.

"Wir sind schon immer voller Leidenschaft dabei", so Ada. "Diese Leidenschaft ist der wichtigste Aspekt. In unserer Familie leben wir eigentlich schon immer für den Fussball."

Und wenn Andrine und Ada über Fussball sprechen, klingen sie wie erfahrene Veteraninnen und man kann nur allzu leicht vergessen, dass sie erst 23 und 21 Jahre alt sind.

Die Hegerbergs können sich jedenfalls auf viele weitere gemeinsame Trainingslager freuen, bei denen sie sich auf Europameisterschaften und Weltmeisterschaften vorbereiten. Für sie wird es die natürlichste Sache der Welt sein, ganz ähnlich wie die weihnachtlichen Trainingseinheiten mit ihrem Vater in der eisigen Kälte Norwegens.

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