Frauenfussball

Nielsen und der Beginn einer neuen Ära

Nils Nielsen
© Getty Images
  • Seit 1. Dezember 2018 betreut Nils Nielsen die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft
  • 2017 führte er Dänemark ins Finale der UEFA Frauen-EM
  • Im gleichen Jahr gehörte er zu den Finalisten für die Auszeichnung The Best - FIFA-Welttrainer/in - Frauen

Es scheint fast so, als hätte Nils Nielsen bereits im September 2017 geahnt, dass rund ein Jahr später eine neue Herausforderung auf ihn wartet. "Ich weiß noch nicht, was für mich als Nächstes kommt", sagte er damals in einem Interview mit FIFA.com, nachdem er seinen Posten als Nationaltrainer Dänemarks aufgegeben hatte. "Wenn ich ein Projekt finde, das sich so anfühlt wie dieses, dann werde ich ganz und gar dabei sein. Ich würde definitiv alles geben, so wie ich es für dieses Team getan habe. Es war Zeit für mich, zu neuen Ufern aufzubrechen und es war Zeit für die Spielerinnen, einen neuen Trainer zu bekommen, der ihnen eine neue Inspiration geben kann."

Seit über einem Jahr ist es nun der in Grönland geborene Nielsen, der für eine neue Inspiration sorgt. Im Dezember 2018 übernahm er das Zepter bei der Schweizer Nationalmannschaft und löste Martina Voss-Tecklenburg ab. "In der Fussballwelt geht es manchmal sehr schnell. Dies war auch hier der Fall. Ich kenne Martina seit vielen Jahren. Ich wusste, dass sie nach Deutschland gehen würde, habe aber nicht so viel darüber nachgedacht. Irgendwie bin ich mit der Schweiz in Kontakt gekommen und wir haben uns unterhalten. Zwei Wochen später wurde ich eingestellt", erklärt der sympathische Däne.

Seine Vorgängerin hinterließ große Fußspuren, die es zu füllen gilt. Unter der Leitung von Voss-Tecklenburg qualifizierten sich die Schweizerinnen erstmals in ihrer Geschichte für eine Frauen-WM und -EM. Dass sich die Übergangszeit durchaus schwierig gestalten könnte, dessen war sich Nielsen bewusst.

"Ich denke, wir haben ein paar Schritte unternommen und am Anfang war es für die Spieler ein bisschen schwierig, weil ich definitiv kein Deutscher bin", so Nielsen lachend. "In diesem Fall ist es eigentlich eine gute Sache. Wenn man sieben Jahre lang dieselbe Sicht auf Dinge hat, braucht man manchmal eine andere. Die Spieler beginnen zu verstehen, dass ich sehen möchte, wer sie sind. Ich möchte nicht, dass sie auf eine bestimmte Weise geändert werden. Ich möchte, dass sie herausfinden, wie sie ihre Persönlichkeit und ihre Fähigkeiten einsetzen können, um das Team so gut wie möglich zu machen. Meiner Meinung und meiner Erfahrung nach können sie nur dann das Beste geben, wenn sie Einfluss darauf haben, was sie tun. Und auch, wenn sie all ihre Fähigkeiten nutzten dürfen - auf und neben dem Spielfeld. Das versuche ich mit dem Team umzusetzen. Ich bin mir nicht sicher, ob dies eine dänische Mentalität ist, aber es ist definitiv meine."

In den letzten 13 Monaten haben die Schweizerinnen viel über ihren Trainer gelernt. Unter anderem auch, dass Empathie ein zentraler Punkt in seiner Teamführung ist. Wenn man seine Spielerinnen verstehen und ihnen helfen möchte, dann muss man sie kennenlernen und begreifen, warum sie auf diese bestimmte Art und Weise reagieren. Nur so kann Nielsen das Beste aus ihnen herausholen.

Aber welche Erkenntnisse hat der 48-Jährige aus seiner Zeit mit dem Team bisher gezogen?

"Ich würde sagen, ich habe gelernt, dass die Spielerinnen noch mehr Potenzial haben, als ich dachte. Wir haben viele talentierte junge Spielerinnen und erfahrene Spielerinnen in der Mannschaft. Sie sind an den 'Martina-Stil' gewöhnt. Das ist sehr, sehr gut - wenn Du Martina bist. Ich kann diesen Stil nicht kopieren, weil ich ich bin. Ich würde ihnen niemals sagen, was sie nicht können und was sie machen müssen. Das müssen sie selbst herausfinden. Es hat ein bisschen Zeit gebraucht, sich daran zu gewöhnen, dass ich anders arbeite. Nach ein paar Monaten haben sie es verstanden und wir werden jedes Mal, wenn wir zusammenkommen, besser und besser."

Dies spiegelt sich auch in den jüngsten Ergebnissen der Eidgenossinnen wider. Das Fussballjahr 2019 beendeten sie mit einem 6:0-Erfolg gegen Rumänien in der Qualifikation für die EM 2021 in England. Damit feierten sie den vierten Sieg im vierten Spiel und rangieren in der Tabelle der Gruppe H punktgleich mit Belgien ganz oben. Nun gilt es dieser Erfolgsspur weiter zu folgen, wenn im April das erste von zwei entscheidenden Quali-Spielen gegen die Red Flames auf dem Programm steht.

"Ich wünsche mir für 2020, dass wir, was die Entwicklung des Teams betrifft, den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Wir wollen das Team so stark machen, dass selbst kleine Rückschläge, mit denen wir konfrontiert werden, uns nicht zu sehr erschüttern. Aber auch, dass wir verstehen, worauf es ankommt und was unsere Stärken als Team sind, damit wir uns immer sagen können: 'Hör zu, wenn wir das tun, haben wir eine gute Chance, zu gewinnen, egal gegen wen wir spielen.' Noch sind wir nicht ganz dort angelangt, aber ich wünsche mir für 2020, dass wir dort ankommen. Denn das würde auch bedeuten, dass wir wirklich gute Chancen haben, Belgien zu schlagen."

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