Frauenfussball

Mutterfreuden und Fussball – Die ideale Mischung für Islands Spielführerin

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Da Fussballkarrieren auf höchstem Niveau bekanntermaßen kurz sind, ist die Zeit ein kostbares Gut. Daher wäre es für die meisten Spielerinnen ein absoluter Albtraum, ein ganzes Jahr nicht spielen zu können.

Margret Lara Vidarsdottir musste im Alter von 27 Jahren pausieren, nachdem sie mit der Nationalmannschaft ihres Landes gerade bei der UEFA Women's EURO Geschichte geschrieben hatte. Sie war zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit, Spielführererin der isländischen Nationalmannschaft und Rekordtorschützin in der ewigen Liste. Zwar hatte die Stürmerin sich in den Vorjahren durch eine Reihe von Rückschlägen und Blessuren kämpfen müssen, doch es war keine weitere Verletzung, die Vidarsdottir vom Spielen abhielt. Tatsächlich war die Pause ganz und gar freiwillig, und der Grund gab Anlass zu großer Freude.

"Ich wollte unbedingt ein Kind bekommen, und zwar, bevor ich zu alt wurde und es zu schwer würde, nach der Geburt wieder zum Fussball zurückzukehren", erklärt sie im Gespräch mit FIFA.com. "Ich befand mich zwar in einem wichtigen Karrierestadium, doch das Timing, direkt nach der EURO 2013, war genau richtig für mich. Und letztendlich bin ich unglaublich gern Mutter. Ich bin ein Familienmensch und habe es ganz und gar nicht bereut, mir diese Auszeit genommen zu haben."

"Allerdings war für mich auch immer klar, dass ich danach wieder auf dem Platz stehen und hoffentlich auch wieder für mein Land auflaufen würde. Glücklicherweise hat es geklappt, und ich finde es toll, dass ich nun beides miteinander verbinden kann. Ich genieße es, zu Hause ein schönes, ruhiges Familienleben zu haben und dann aufs Spielfeld zu gehen und etwas wild und verrückt zu sein."

Mittlerweile ist sie wieder zu Hochform aufgelaufen und hat sich ihren Platz in der isländischen Nationalmannschaft und die Kapitänsbinde zurückgeholt. Vidarsdottir sieht den Fussball nach der Babypause laut eigenen Angaben mit ganz anderen Augen. "Seit meiner Rückkehr läuft es für mich tatsächlich sogar besser", sagt sie. "Ich glaube, ich bin im Spiel ruhiger geworden. Die Mutterrolle hat mich auf jeden Fall zu einem besseren Menschen gemacht, aber meiner Meinung nach auch zu einer besseren Spielerin."

"Ich würde auf jeden Fall sagen, dass ich jetzt sogar noch mehr Spaß am Fussball habe als vorher, und das ist viel wert. Ich habe jetzt ein Kind zu Hause, daher ist Zeit sehr kostbar für mich. Wenn ich etwas von der Zeit mit meinem Sohn opfere, dann für etwas, das ich liebe. Glücklicherweise habe ich Fussball schon als kleines Kind geliebt, und diese Liebe ist heute noch genauso stark wie damals."

*Familiensache *Vidarsdottirs Sohn wird die Vorzüge dieser Leidenschaft im Juli hautnah miterleben, wenn er seine Mutter bei ihrer dritten Women's EURO spielen sieht. Das Turnier wird ein großes Familienereignis werden, denn seine Tante Elisa – Margrets jüngere Schwester – spielt ebenfalls in der isländischen Nationalmannschaft und seine Großeltern und Onkel werden sich allesamt auf den Weg in die Niederlande machen, um die Schwestern anzufeuern.

Außerdem darf er durchaus darauf hoffen, dass das Team auf dieser Eliteebene mithalten und erfolgreich sein kann. Tatsächlich wäre nach dem überraschenden Viertelfinaleinzug der isländischen Männer-Nationalmannschaft bei der EURO im letzten Jahr wohl kaum jemand überrascht, wenn die Frauen an diesen Erfolg anknüpfen oder gar noch besser abschneiden würden.

Schließlich haben sie den Sprung unter die letzten acht schon einmal geschafft, belegen in der Weltrangliste den 18. Platz und sind seit neun Jahren unter den 20 besten Teams der Welt zu finden. Laut Vidarsdottir, die bereits seit 14 Jahren für die Nationalmannschaft aufläuft und das Tor erzielt hat, das dem Team den ersten Punkt bei einer EURO einbrachte, ist Island derzeit besser als je zuvor.

"Für mich ist das die stärkste Mannschaft, die wir je hatten", meint sie begeistert. "Wir sind gut vorbereitet, verfügen über einen sehr guten Trainerstab und werden meiner Meinung nach in allen Mannschaftsteilen besser und besser."

"Wir haben als Team viele positive Eigenschaften. Einerseits sind wir erfahren, denn viele Spielerinnen sind um die 30 und haben bereits große Turniere und viele Länderspiele bestritten. Andererseits verfügt diese Mannschaft über einen ganz besonderen Teamgeist – das ist fantastisch. Dieser Faktor hat bei unseren Erfolgen eine große Rolle gespielt und kann auch bei der EURO sehr hilfreich sein, genau wie bei den Männern im letzten Sommer.

"Für mich persönlich ist mein Weg mit der Nationalmannschaft ein großes Abenteuer. In meinem ersten Spiel im Jahr 2003 habe ich gleich einen Treffer erzielt [nach vier Minuten, mit gerade einmal 16 Jahren] und jetzt, so viele Jahre später, bin ich Spielführerin und kann auf einige wundervolle Erinnerungen zurückblicken. Es war bislang wirklich perfekt, und wenn wir im Sommer bei der EURO Geschichte schreiben könnten, wäre das noch einmal eine Steigerung. Wir stecken uns auf jeden Fall keine Grenze nach oben."

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