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Mit 75 noch längst nicht "ausgepfiffen"

The Acme Whistle A British Classic And The Referees Favourite
© Getty Images
  • Mit 75 Jahren ist Heidi Wegner die älteste aktive Schiedsrichterin Deutschlands
  • 2014 erhielt sie für Ihr ehrenamtliches Engagement die Verdienstnadel vom DFB
  • Spitzname: Fussball-Omi von der Peene

Mit 46 Jahren und 261 Tagen ist der Niederländer Roel Liefden der bisher älteste Spieler, der je an einem FIFA-Turnier teilgenommen hat. Diese magische Zahl erreichte er 2013 bei der Beach-Soccer-Weltmeisterschaft in Tahiti. Nicht schlecht, oder?

Auf stolze 65 Lenze und 156 Tage konnte hingegen der Engländer John Lewis zurückblicken, als er beim Olympischen Fussballturnier der Männer 1920 das Finale zwischen Belgien und der Tschechoslowakei als Unparteiischer leitete.

Definitiv beeindruckende Zahlen, die jedoch von Heidi Wegner übertroffen werden. Die 75-Jährige ist die älteste noch aktive Schiedsrichterin Deutschlands und lässt nach wie vor nach ihrer Pfeife tanzen. Mehrere tausend Spiele - von den Junioren bis zu den alten Herren - leitete sie bisher in ihrer langen Laufbahn.

"Ich habe 1968 die Bezirksmeisterschaften auf der Peene-Werft gepfiffen. Da war ich gut aufgehoben. Ich habe erst zwei Jahre ohne Schiedsrichter-Ausweis gepfiffen. Als ich meine Prüfung gemacht habe, hatte ich schon über 100 Spiele weg", erzählte Wegner vor ein paar Monaten in einem Interview auf fussball.de, der Heimat des Amateurfussballs. Die Pfeife an den Nagel zu hängen kommt für die rüstige Rentnerin, die sich mit Radfahren und wandern fit hält, nicht in Frage.

"Ich habe Werte, die hat manch ein Junger nicht. Ich laufe mehr als andere auf dem Platz. Manche Schiedsrichter bewegen sich ja nur um den Mittelkreis herum. Und wir pfeifen 90 Prozent unserer Spiele ganz allein. Da muss man schon fit sein, sich bewegen und mitlaufen." Eine Aussage, die nicht von der Hand zu weisen ist. Mehrere Kilometer legt Wegner bei einem Spiel auf dem Platz zurück.

Ihre Leidenschaft für den Fussball entdeckte die Fussball-Omi von der Peene, wie sie liebevoll genannt wird, schon relativ früh. "Mit meinem Vater bin ich schon ganz früh auf den Sportplatz gegangen. Ich habe auch Straßenfussball gespielt und in der Schule Handball. Mich musste man abends von der Straße runterholen."

Eine Leidenschaft die ungebrochen ist. Seit mehr als 50 Jahren pfeift sie Spiele in Mecklenburg-Vorpommern und kennt die Regeln aus dem berühmten Effeff. Dreimal im Jahr müssen die Schiedsrichter Prüfungen ablegen, durchgefallen ist Wegner noch nie.

2014 würde die sportliche 75-Jährige, die sich das Geburtsjahr mit Fussballern wie Sepp Maier, Jürgen Grabowski oder Günther Netzer teilt, für ihr ehrenamtliches Engagement mit der Verdienstnadel vom Deutschen Fussball-Bund ausgezeichnet. Fast 30 Jahre lang war Wegner als Jugendtrainerin beim FC Rot-Weiß Wolgast tätig, organisierte Turniere und behielt als Kassenwärtin den Überblick.

"Ich mache das aus Freude an der Sache und, um mich sportlich fit zu halten. Überall, wo ich gebraucht werde, bin ich da und helfe."

Heidi Wegner - eine beeindruckende Frau, die sicher auch den Grundstein für die heutige Generation von Schiedsrichterinnen wie Bibiana Steinhaus, die als erste Frau in der Bundesliga der Männer Spiele leitet, oder Riem Hussein, die nach Steinhaus die zweite deutsche Schiedsrichterin ist, die im professionellen Männerfussball eingesetzt wird, legte.

Siehe auch

Schiedsrichter

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