Frauenfussball

Matildas freuen sich über Sinnesraum

Australia forward Kyah Simon with nephew Trey
© Others
  • Sinnesraum bei Olympia-Qualifikationsspiel Australiens in Betrieb
  • Der spezielle Raum bietet Kindern mit sensorischen und kognitiven Einschränkungen ein geeignetes Umfeld
  • Ein Neffe der Starspielerin Kyah Simon genoss das Spiel im Sinnesraum

Australien kam am Freitag der Qualifikation für das Olympische Fussballturnier der Frauen Tokio 2020 mit einem 5:0-Kantersieg im Hinspiel gegen Vietnam ein gutes Stück näher.

Das Männerteam hatte sich bereits im Januar für das Turnier in Tokio qualifiziert. Wenn die Matildas am Mittwoch in Vietnam das Rückspiel erfolgreich bestreiten, wäre Australien erstmals seit dem Beitritt zur Asiatischen Fussballkonföderation AFC im Jahr 2006 mit dem Frauen- und dem Männerteam bei den Olympischen Fussballturnieren vertreten.

Hoch oben auf der Tribüne wurde am Freitag in Newcastle ebenfalls Geschichte geschrieben, allerdings auf ganz andere Art. Denn erstmals konnte eine größere Gruppe Anhänger mit kognitiven Einschränkungen das Spiel in einer sicheren und geeigneten Umgebung genießen.

Derartige Sinnesräume wurden in den vergangenen Jahren in mehreren Stadien eingerichtet. Auch das Khalifa Stadium, einer der Spielorte für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ ist mit einem solchen Raum ausgestattet. Im internationalen Frauenfussball ist ein Sinnesraum in jedem Fall ein wichtiger Meilenstein.

Ein solcher Sinnesraum ist ein ruhiger und geschützter Bereich, der mit weich gepolstertem Mobiliar, viel Spielzeug und anderen Gegenständen ausgestattet ist. Das gesamte Umfeld ist geeignet, Beklemmungen und Angstgefühle zu vermeiden und insbesondere Kindern mit Autismus sowie deren Angehörigen und Freunden zu ermöglichen, Spiele in einer beruhigenden Atmosphäre mitzuerleben.

Der Sinnesraum ist bei den Heimspielen der Newcastle Jets seit Saisonbeginn in Betrieb. Darüber freut sich insbesondere die Starspielerin und mehrfache WM-Torschützin Kyah Simon. Denn Trey, ein Neffe der australischen Stürmerin, leidet an Autismus, konnte das Olympia-Qualifikationsspiel aber dennoch aus dem Sinnesraum verfolgen.

Der achtjährige Trey ist so oft wie irgend möglich bei den Spielen dabei, um seine Tante zu sehen, doch meist muss er das Stadion verfrüht verlassen, weil er von der Atmosphäre und dem Lärm im Stadion förmlich übermannt wird.

"Meine Familienmitglieder sind natürlich meine größten Fans. Meine Schwester Sarah und ihr Sohn Trey kommen so oft wie möglich zu den Spielen", erzählt Simon.

"Ich weiß sehr genau, was für einen Unterschied es für ihn macht, wenn ein Sinnesraum zur Verfügung steht, in dem er sich wohlfühlt und dann die vollen 90 Minuten bleiben kann, ohne die Reizüberflutung von allen Seiten. Und für mich ist es ein besonders schönes Gefühl, wenn ich weiß, dass Trey dabei ist und das Spiel in einer für ihn geeigneten Umgebung verfolgen kann."

Zu der Innovation bei dem Spiel kam es durch die Initiative der Newcastle-Jets-Stürmerin Kaine Sheppard, deren älterer Bruder Autist ist. Ihre KS-Stiftung konnte die verfügbaren Plätze im Sinnesraum innerhalb weniger Stunden mit Kindern mit kognitiven Einschränkungen füllen.

"Dass jemand wie Kyah uns (der KS-Stiftung) hilft und ihre Unterstützung bekundet, ist eine große Sache. Ich finde es toll, dass ihr das so viel bedeutet", so Sheppard. "Sie ist eine großartige Spielerin und erreicht viele Menschen. Gemeinsam können wir hoffentlich bei noch viel mehr Menschen das Bewusstsein für Autismus schärfen."

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