Frauenfussball

Marta-Fan Khatun als Vorreiterin in Bangladesch

Bangladesh women team captain Sabina Khatun
© Others
  • Khatun (26) spielt seit zehn Jahren für Bangladesch und ist Spielführerin
  • Die Stürmerin erzielte in 37 Länderspielen 19 Tore
  • Nach ihrer Karriere will sie als Trainerin arbeiten

Sabina Khatun hat die gesamte Entwicklung der Frauen-Nationalmannschaft von Bangladesch in den vergangenen zehn Jahren als zentrale Figur miterlebt und mitgestaltet.

Sie gehörte zu den Spielerinnen, die nominiert wurden, als der Fussballverband von Bangladesch vor einem Jahrzehnt erstmals eine Frauen-Nationalmannschaft zusammenstellte. Zehn Jahre später ist die mittlerweile 26-jährige Khatun die Spielführerin des Teams. Mit 19 Toren in 37 Länderspielen gehört sie zu den erfolgreichsten Spielerinnen des Landes und ist eine echte Symbolfigur für den Frauenfussball.

Die Geschichte begann 2009, als die damals 15-jährige Khatun für den Satkhira-District an der nationalen Frauen-Meisterschaft teilnahm. Die Teenagerin, damals ein eingefleischter Fan von Marta, begeisterte die Zuschauer mit ihren Toren und Vorlagen und verdiente sich damit die Möglichkeit, in der letzten Runde des Wettbewerbs in der Hauptstadt Dhaka für Bangladesh VDP zu spielen.

Der Fussballverband suchte damals talentierte Spielerinnen für das erste Frauen-Nationalteam, das das Land bei den Südasien-Spielen 2009 in Dhaka vertreten sollte – und die vielversprechende Khatun bekam einen Platz im Team. Der regionale Wettbewerb erwies sich als Sprungbrett für das neu gegründete Frauen-Nationalteam von Bangladesch. Obgleich es das allererste Turnier für die völlig unerfahrenen Spielerinnen war, gelangen Khatun und ihren Mitspielerinnen zwei Siege in vier Spielen, was zum Gewinn der Bronzemedaille reichte.

"Das war der Startschuss für meine Fussballkarriere", so die Stürmerin der Bashundhara Kings im Gespräch mit FIFA.com. "Für uns war es ein absolut denkwürdiges Turnier: Zum ersten Mal überhaupt gab es bei den Südasien-Spielen 2009 ein Frauenfussballturnier, und das Frauen-Nationalteam von Bangladesch feierte sein internationales Debüt. Das war ein wichtiger Meilenstein für mich und für das Team."

Im Dezember 2010 nahm Khatun mit dem Team erneut an einem wichtigen Regionalturnier teil, nämlich der SAFF-Frauen-Meisterschaft. In einem Freundschaftsspiel kurz vor dem Turnier hatte sie bereits ihr erstes Länderspieltor erzielt. Nun traf sie gleich drei Mal und stieß mit Bangladesch bis die Runde der letzten Vier vor. Sie besiegelte den 2:0-Sieg gegen Sri Lanka noch als 16-Jährige.

"Ich bin nicht sicher, ob ich tatsächlich die jüngste Torschützin in der Geschichte unseres Teams bin", sagt sie. "Schließlich waren alle Spielerinnen sehr jung. Doch ich war sehr glücklich, dass ich bei einem so wichtigen Turnier wie der SAFF-Meisterschaft getroffen habe."

Bangladesh women national team striker Sabina Khatun (L2) chases the ball
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Regionaler Aufstieg

Von Beginn an waren bei Bangladesch die Weichen auf Entwicklung gestellt. Und Khatun war stets an vorderster Front dabei. Den ersten echten Durchbruch gab es 2016, als Bangladesch bei der SAFF-Frauen-Meisterschaft den zweiten Platz belegte. Die mittlerweile als Starspielerin etablierte Khatun trug acht Tore zum guten Abschneiden bei, davon allein fünf beim 6:0-Kantersieg gegen Afghanistan.

"Das war der bis heute größte Erfolg unseres Nationalteams", so die Stürmerin. "Damals haben wir den zweiten Platz geholt. Jetzt wünsche ich mir unseren ersten Titelgewinn, entweder bei der SAFF-Frauen-Meisterschaft oder bei den Südasien-Spielen. Das wäre dann der Höhepunkt meiner Karriere."

Nach der Gründung der Frauen-Fussballliga in Bangladesch zeigte Khatun auch auf der einheimischen Bühne ihr Können. In der ersten Saison erzielte sie nicht weniger als 25 Treffer, wurde Torschützenkönigin und feierte mit dem Team Sheikh Jamal Dhanmondi den ersten Titelgewinn. 2013 spielte sie dann für Dhaka Mohammedan und gewann auch mit diesem Team gleich im ersten Versuch die Meisterschaft.

Die aktuelle Saison wurde nach dem fünften Spieltag aufgrund der COVID-19-Pandemie unterbrochen. Doch schon jetzt thront Khatun mit bereits 15 Toren wieder an der Spitze der Torjägerinnenliste und belegt mit ihrem aktuellen Team Bashundhara Kings den ersten Platz.

Sie war auch eine der ersten Spielerinnen des Landes, die im Ausland aktiv waren. 2015 zog es sie auf die Malediven, wo sie drei Jahre für die Maldives National Defense Force spielte. Von dort aus ging es 2018 weiter zu nach Indien zu Sethu.

"Indien hat das stärkste Team in der südasiatischen Region. Entsprechend hoch ist auch das Niveau in der Liga. Ich habe in meiner ersten Saison sechs Tore geschossen und meinem Team zu einem Platz unter den ersten Vier verholfen. Das war ziemlich stark."

Wunschkarriere als Trainerin

Khatun ist Inspiration und Vorbild für viele junge Spielerinnen in Bangladesch, wo sich der Frauenfussball einer enormen Entwicklung erfreut. Sie sieht ihre persönlichen Erfolge eng verknüpft mit der schnellen Entwicklung des Frauenfussballs in ihrem Land während des vergangenen Jahrzehnts.

"Früher gab es unzählige Hürden für den Frauenfussball. Die Leute wollten es einfach nicht akzeptieren, dass Mädchen Sport treiben, dem Ball hinterher rennen und dabei auch noch Shorts tragen. Aber mittlerweile ist es für uns viel leichter geworden. Wir haben gelernt, mit solchen Problemen umzugehen, und unsere Erfolge waren natürlich auch sehr hilfreich", so Khatun.

Angesichts ihres eigenen Werdegangs scheint ihr Wunsch nach einer Karriere als Trainerin sehr verständlich, um junge Mädchen zu unterstützen, die Fussball spielen wollen.

"Nach dem Ende meiner Karriere als Spielerin will ich Trainerin werden. Ich habe schon meine AFC-B-Trainerlizenz. Ich hoffe, dass es möglichst viele Wettbewerbe gibt, bei denen Mädchen spielen können. Dann können wir unsere Erfolge fortsetzen."

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