Frauenfussball

Lewandowski: Gina macht sich ihren eigenen Namen

Gina Lewandowski of Muenchen controles the ball
© Getty Images

Der FC Bayern München erzielt ein Tor und auf der Anzeigetafel leuchtet der Name Lewandowski auf. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch Moment! Lewandowski spielt in der Defensive und hat die Nummer zwei, anstatt wie sonst im Sturmzentrum mit der Neun aufzulaufen? Dazu handelt es sich beim Torschützen um eine Frau, die nicht einmal aus Polen kommt?

Die Torschützin war Gina Lewandowski. Sie ist derzeit die Frau der Stunde beim FC Bayern. Die U.S.-amerikanische Außenverteidigerin hat in den letzten drei Bundesliga-Spielen jeweils ein Tor erzielt, darunter das entscheidende 1:0 gegen ihren Ex-Klub 1. FFC Frankfurt. Zudem durfte die aus Pennsylvania stammende Lewandowski kürzlich ihr Debüt in der U.S.-Nationalmannschaft feiern - im Alter von 30 Jahren.

"Das war eine super Sache und eine super Erfahrung. Ich war zum ersten Mal dabei und es war toll, zu erleben, wie das alles abläuft. Ich durfte [gegen Brasilien, Anm. d. Red.] knapp 20 Minuten spielen und das hat mich sehr gefreut. Ich habe mit den Mädels auf dem Platz gestanden, die aktuell zu den Besten der Besten gehören", zeigte sich die Neu-Nationalspielerin im Gespräch mit FIFA.com begeistert.

*Verheerende Verwechslung *Dabei hätte sie gar nicht mehr damit gerechnet, dass es noch dazu kommt: "Ich dachte eigentlich, dass meine Chance schon vorbei ist. Ich wurde vor ein paar Jahren schon zwei Mal nominiert, konnte aber wegen einer Verletzung oder wegen anderer Probleme nicht hin. Mit 30 ist das nicht üblich, dass man noch einmal eingeladen wird."

Auftritte wie die letzten in der Liga oder mit den amtierenden Weltmeisterinnen sorgen dafür, dass sich Lewandowski einen eigenen Namen macht. Verwechslungen mit dem polnischen Superstar des Männerteams der Bayern gab es nämlich schon häufiger. Einmal sorgte das sogar für ganz große Verwirrung. Als die zweimalige DFB-Pokalsiegerin 2012 von Frankfurt an die Isar wechselte, überschlugen sich die Medien. Die Überschrift "Lewandowski wechselt nach München" suggerierte bei vielen einen Transfer von Robert Lewandowski von Borussia Dortmund zum deutschen Rekordmeister.

"Ich habe das zuerst gar nicht mitbekommen. Melanie Behringer hat mir dann den Artikel geschickt, ich war ja noch in Frankfurt und habe daher nicht gewusst, wie groß dieses Thema in München war. Als ich dann hier war, habe ich gesehen, dass der Artikel die meisten Likes und Klicks hatte", schmunzelte die Münchnerin. "Dann kam noch ein weiterer Artikel, der alles aufgeklärt hat, dass es sich nur um Frau Lewandowski für die Frauenmannschaft handelte.* *Das war schon lustig und ich habe mich auch irgendwie etwas gefreut, dass sie mich verwechselt haben."

*Ganz unterschiedliche Wurzeln *Dabei verbindet die beiden Lewandowskis lediglich der Nachname, verwandt sind sie nämlich nicht. Ginas Ur-Großvater stammt aus dem polnischen Krasnik, ihr Opa wurde aber schon in den USA geboren. Robert dahingegen wuchs in Warschau auf. Bei einem Treffen vor wenigen Wochen haben die beiden dies auch genau analysiert.

"Wir haben über unsere Wurzeln gesprochen und uns dann auch auf der Karte angeschaut, wo wir beide herkommen. Das ist gar nicht so weit entfernt", erzählte die UEFA-Pokalsiegerin von 2008 und fügte grinsend an: "Wir haben einen Trikottausch gemacht, das fand ich sehr cool. Ich weiß nicht, was er mit meinem nun macht (lacht), aber ich habe mich darüber richtig gefreut und er hat auch unterschrieben. Das war sehr cool, ihn kennen zu lernen."

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"] Aber wenn der Rookie of the Year 2003 so weiter macht, wird der Wert ihres Trikots noch weiter steigen - und dann könnte sie sich auch einen ganz großen Traum erfüllen. Die zweimalige deutsche Meisterin will unbedingt noch häufiger zur Nationalmannschaft und dann am Olympischen Fussballturnier der Frauen in 2016 teilnehmen. "Ich glaube, bis zur nächsten WM drei Jahre später werde ich es nicht mehr schaffen, aber Olympia wäre in Reichweite. Rio 2016 ist das nächste große Turnier - und ich denke, auch meine letzte Chance."

Und es wäre die Möglichkeit, ihren Namen noch fester in die Geschichtsbücher zu schreiben. Es wäre nämlich ein Turnier, bei dem ihr polnischer Namensvetter noch nicht teilgenommen hat. Vielleicht enden dann auch die Verwechslungen.

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