Frauenfussball

Kellond-Knight reitet auf der Erfolgswelle

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Die australische Nationalspielerin Elise Kellond-Knight kennt sich aus mit den Höhen und Tiefen des Fussballs. Vor drei Jahren wähnte sie sich auf dem selbsternannten "Formhöhepunkt der Karriere", lieferte erstklassige Spiele voller Elan bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™ ab und wurde in die beste Elf des Turniers gewählt. Wenige Monate später musste Kellond-Knight eine zwölfmonatige Rehabilitation nach einer Knieoperation durchstehen.

Zusätzlich durchläuft Kellond-Knight in der Mitte ihrer Karriere auch in sportlicher Hinsicht eine Veränderung. Die einstige offensiv ausgerichtete Linksverteidigerin wurde zur defensiven Mittelfeldspielerin umgeschult, auf deren Schultern die Verantwortung liegt, die Angriffe von hinten mit aufzubauen. Ein bahnbrechender Aufenthalt in der japanischen Nadeshiko League steht ihr bevor, doch ihr nächstes Ziel ist die in dieser Woche beginnende AFC Frauen-Asienmeisterschaft in Vietnam. Bei dem Acht-Nationen-Turnier steht schließlich nichts Geringeres als ein Ticket zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ auf dem Spiel.

Fünf Plätze für das auf 24 Nationen erweiterte Teilnehmerfeld in Kanada 2015 sind zu vergeben. Als amtierender Asienmeister macht sich Australien berechtigte Hoffnungen, sich zum sechsten Mal in Folge für das weltweite Gipfeltreffen zu qualifizieren. Doch negativ schlägt zu Buche, dass die Vorbereitung durch den überraschenden Abschied der niederländischen Trainerin Hesterine de Reus unterbrochen wurde. An ihrer Stelle sprang vor einem Monat Alen Stajcic ein.

Druck als Ansporn *Im Gespräch mit *FIFA.com ist Kellond-Knight dennoch der Meinung, dass trotz dieses Zwischenfalls in der Mannschaft insgesamt Optimismus herrscht. "Wir haben zurzeit großes Selbstvertrauen. Wir haben uns alle recht schnell auf die neue Situation eingestellt", berichtete Kellond-Knight aus Ho-Chi-Minh-Stadt. "Die Stimmung ist definitiv gut."

Auch der Druck, der auf dem Titelverteidiger lastet, ist für die Matildas ein zusätzlicher Ansporn. "Wenn du als Sieger in ein Turnier gehst, wird erwartet, dass es erneut passieren wird", sagte Kellond-Knight. "Alle zu Hause erwarten von uns gute Ergebnisse. Das Team steht mehr im Mittelpunkt. Da ist immer dieser heimliche Antrieb in den Matildas, dieses kleine bisschen mehr Entschlossenheit. Es ist nicht wichtig, wer der Trainer oder wie die Situation ist, denn wir wollen auf dem Platz immer unser Bestes geben." 

Obwohl die Defensiv-Akteurin erst 23 Jahre alt ist, gehört sie in dem relativ jungen Kader der Matildas zu den erfahrenen Kräften. Wenn also Deutschland 2011 für sie das Karriere-Highlight war, hat sie sich denn schon erlaubt, einen Gedanken auf Kanada zu richten? "Natürlich", sagte sie. "Angesichts der Tatsache, dass fünf Plätze zu vergeben sind und Nordkorea nicht dabei ist, ist die Qualifikation ein realistisches Ziel. Es müsste schon ganz schön viel schief gehen. Doch Jordanien und Vietnam sind schwer zu schlagen."

Nun hat sie die Gelegenheit, sich in der Zentrale des Spiels mit Asiens sprichwörtlich starken Ballkünstlerinnen zu messen. Die Position als defensive Mittelfeldspielerin ist für Kellond-Knight "eine ganz andere Erfahrung. Du musst sehr diszipliniert sein und ein besseres Spielverständnis haben."

Odyssee in Japan
Im Anschluss an das Turnier werden Kellond-Knight und ihre Mitspielerin in Australiens Mittelfeld, Tameka Butt, direkt nach Japan reisen, wo sie ein Gastspiel bei Iga FC Kunoichi in der japanischen Nadeshiko League absolvieren werden. Die in den Bergen liegende und halbländliche Stadt ist in jeder Hinsicht weit von Gold Coast entfernt, Australiens Surfer-Hauptstadt und Kellond-Knights Zuhause.

"Sie (in der Nadeshiko League) pflegen eine ähnliche Spielweise, wie Meeks (Butt) und ich sie gerne spielen. Sehr technisch und mit Schwerpunkt auf den Fertigkeiten anstatt auf den körperlichen Eigenschaften, und ich denke, so sollte der Fussball sein. Ich hoffe, wie können eine wirklich gute kulturelle und Lebenserfahrung machen."

"Es ist offensichtlich, das sie (Japan) als amtierender Weltmeister irgendetwas richtig machen. Es wird also ein echter Mehrwert für uns sein, ihr Niveau kennenzulernen. Es gab bisher erst eine Spielerin von uns, die rübergegangen ist, und das war (die ehemalige australische Kapitänin) Cheryl Salisbury. Hoffentlich bereiten wir damit den Weg für andere Australierinnen und umgekehrt."

Kellond-Knight studiert Pharmazie, obwohl ihre Verpflichtungen im Fussball das Studium erheblich in die Länge ziehen. Doch ihre große Leidenschaft neben dem Fussball ist das Surfen. "Ich denke, dass jeder in Gold Coast surft, es ist auf jeden Fall das Klischee", sagte Kellond-Knight lachend. "Mein Vater ermunterte mich dazu, doch zuerst wollte ich nicht. Doch schließlich fing ich an, als ich etwa 16 war. Seitdem liebe ich es. Es ist eine großartige Form der Entspannung und befreit den Geist."

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