Frauenfussball

Katty Martínez und ihr Déjà-Vu

Katty Martinez of Mexico 
© Getty Images
  • Die Tigres gewannen im Dezember zum dritten Mal die Liga MX der Frauen
  • Katty Martínez war die entscheidende Spielerin
  • "Ich war mir sicher, dass es unser Finale werden würde"

Es war ein sehr intensives Déjà Vu. Die Tigres hatten das Finale in der mexikanischen Meisterschaft gegen den Erzrivalen Monterrey eigentlich schon in der Tasche, als in der Nachspielzeit das Tor fiel, das die Entscheidung im Elfmeterschießen notwendig machte.

Das Gleiche war bereits im Clausura-Turnier 2018 geschehen, ebenso wie im Guard1anes-Turnier 2020, als Annia Mejía in der 93. Minute für den Ausgleich sorgte und das Finale ins Elfmeterschießen ging.

"Ich kann mich noch daran erinnern, als wenn es gestern wäre. Ich hätte diesen letzten Spielzug unterbinden können. Aber das Wort 'hätte' gibt es nicht und so sagte ich mir, dass es kein Problem sei, dass es unser Finale sei und das noch nichts verloren sei. Wir hatten es schon einmal geschafft und würden es wieder schaffen", erzählt Torjägerin Katty Martínez im Exklusiv-Interview mit FIFA.com.

"Ich hatte schon während der gesamten Saison Elfmeter geübt und in den letzten Tagen hatte ich noch mehr Zeit dafür. In dem Augenblick war es mir völlig egal, dass ich Torschützenkönigin war, es ging nur darum, unsere bisherige Leistung in der Saison zu krönen."

Katty Martínez nutzte dann eine ihrer größten Tugenden. Sie wuchs im entscheidenden Augenblick über sich hinaus: "Ich schieße gerne den ersten Elfmeter, um den Mitspielerinnen Selbstvertrauen zu geben. Beim ersten Endspiel hatte ich mich für den letzten Elfmeter aufschreiben lassen, bin dann aber gar nicht mehr drangekommen. Jetzt wollte ich unbedingt als Erste schießen."

Sie lief an und traf ins Schwarze. Wenige Minuten später feierten die Tigres die Meisterschaft in der mexikanischen Liga MX der Frauen. Es war bereits der dritte Titelgewinn bei der erst sechsten Auflage.

"Ich habe immer gewusst, dass die Tigres um den Titel mitspielen würden. Als man mich verpflichtet hat und mir erzählte, wer noch im Team sein würde, fiel mir die Entscheidung leicht. Ich wusste, dass ich mit starken und erfahrenen Spielerinnen zusammenspielen würde. Von Anfang an hat uns diese Entschlossenheit von den anderen Mannschaften unterschieden."

Große Träume

Sie ist gerade erst 22 Jahre alt und hat schon so viel erreicht. Drei Titel hat sie geholt, ist die aktuelle Torschützenkönigin und wurde auch schon in die mexikanische Frauen-Nationalmannschaft berufen. Auf all das kann sie schon zurückblicken.

Trotzdem ist sie sehr kritisch sich selbst gegenüber. Sie weiß, dass sie ihr Talent noch nicht völlig ausgeschöpft hat und dass sich in ihrer Karriere noch weiter verbessern wird.

"Physisch muss ich noch Einiges zulegen. Auf dem Platz muss ich gedanklich noch schneller werden und auch besser die Räume finden. Dann muss ich beidfüßiger werden, mehr Mut haben, mich weiterentwickeln und auch von meinen Mitspielerinnen lernen."

Die mexikanischen Fans werden noch viel Freude an dieser Spielerin mit dem Killerinstinkt vor dem gegnerischen Tor haben.

"Ich träume auch davon, in Europa zu spielen. Ich glaube fest daran, dass man sich weiterentwickelt und der Gedanke, Vorreiterin im mexikanischen Frauenfussball zu sein, begeistert mich. Mir gefällt das Team und ich genieße das alles sehr. Um mehr mache ich mir im Augenblick keine Gedanken. Ich muss mich noch verbessern und ins Ausland gehen. Dass wird mich weiterbringen und dann kann ich das wieder meinem Land zurückgeben und für weitere Fortschritte sorgen."

Mit all diesen Erfolgen auf Vereinsebene will sie auch mit dem mexikanischen Nationalteam Großes erreichen. Hier möchte sie in die Fußstapfen von Maríbel Dominguez treten, die lange Jahre ihr Idol war und die gegenwärtig die U-17-Auswahl des Landes betreut.

"Maribel war meine absolute Lieblingsspielerin. Ihre Mentalität und ihre Denkweise haben mich immer beeindruckt. Sie ist imstande, dies alles auf unglaubliche Weise zu vermitteln. Mónica Vergara ist eine weitere Spielerin, die ich sehr bewundere, auch weil sie so viel für den mexikanischen Fussball tut."

Ihre Ziele hat sich bereits gesteckt und auch die ersten Schritte schon unternommen. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit und dann wird man sehen, was sie erreichen wird.

"Ich träume davon, ein Vorbild in meinem Land zu sein. Es würde mich unheimlich freuen, es so gut wie möglich zu vertreten. Danach strebe ich. Jedes Mal, wenn ich bei der Auswahl bin, lerne ich sehr viel. Maribel ist ein sehr offener Mensch, der viele Ratschläge erteilt und immer wieder auf mich zugeht."

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