Frauenfussball

Jordanien baut mit Pro-League der Frauen auf WM-Vermächtnis auf

Shabab Al Ordon players celebrate winning Jordan Women Professionals League 2019 title
© Others
  • Sieben Klubs nahmen an der ersten Saison der Pro-League in Jordanien teil
  • 14 Teams spielten den ersten jordanischen Pokalwettbewerb der Frauen aus
  • Insgesamt wurden über mehrere Monate 89 Partien ausgetragen

2016 fand die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft erstmals im Nahen Osten statt, nämlich in Jordanien. Drei Jahre später lebt das Vermächtnis dieses Turniers weiter. Der jordanische Fussballverband gründete die Pro-League der Frauen, deren erste Saison gerade zu Ende gegangen ist.

"Das hatte ich mir schon lange gewünscht", sagte Stephanie Al Naber, die Spielführerin der jordanischen Frauen-Nationalmannschaft. "Seit ich 2005 mit dem Fussball anfing, habe ich immer von einer Frauenfussballsaison in Jordanien geträumt."

In den vergangenen 15 Jahren hat Al Naber, die auch dem Vorstand des jordanischen Verbands angehört, alle regionalen Turniere bestritten und zwei Mal am AFC Asien-Pokal der Frauen teilgenommen. Sie war zudem die erste Jordanierin, die als Profi in Europa spielte.

"Seit dem Erfolg unserer Bewerbung um die Ausrichtung der FIFA U-17-Frauen-WM 2016 haben wir große Anstrengungen unternommen, um auf dem Vermächtnis des Turniers aufzubauen", sagte sie. "Und das ist uns gelungen. Immer mehr Mädchen möchten Fussball spielen und auch Frauen werden ermutigt, zu spielen. Es ist nichts Ungewöhnliches mehr, Mädchen auf Fussballplätzen zu sehen."

Die Abteilung für Frauenfussball des jordanischen Verbands hat zudem die erste Liga-Meisterschaft für Profis organisiert. An der Pro-League mit zwei Phasen nahmen sieben Klubs teil, die insgesamt 42 Partien bestritten. Shabab Al-Ordon und der SC Amman belegten am Ende die Plätze 1 und 2. Das Playoff-Duell um den Titel gewann dann Shabab knapp mit 1:0.

Große Ambitionen

Shabab wird von der Ex-Nationalspielerin Manar Fraij trainiert, eine der wenigen Trainerinnen, die seit 2010 einen erfolgreichen Weg im jordanischen Fussball eingeschlagen haben. Fraji erwarb 2016 ihre Pro-Lizenz und ist seitdem bestrebt, jordanische Spielerinnen auf der Weltbühne spielen zu sehen.

"In den Jahren zuvor gab es viele Hindernisse, doch ich denke durch die Ausrichtung der FIFA U-17-Frauen WM 2016 und des AFC Asien-Pokals der Frauen 2018 wurde eine Zeitenwende im jordanischen Frauenfussball eingeleitet", sagt sie. "Seitdem wollen viele Mädchen Fussballklubs beitreten. Die erste Saison der Liga stellt ein gutes Fundament für die künftige Entwicklung des Frauenfussballs dar. Wir müssen unseren Glauben bestärken, dass wir das Zeug dazu haben, an internationalen Wettbewerben teilnehmen zu können."

Sie führte aus: "Nach der ersten Saisonhälfte habe ich begonnen, das Frauenteam von Shabab Al-Ordon zu trainieren. Mir war klar, dass der Klub mit diesen herausragenden Spielerinnen besser war, als die damalige Tabellenposition (Dritter). Wir haben an technischen, physischen und auch psychologischen Aspekten gearbeitet. Ich habe den Spielerinnen angekündigt, dass ich der Presse gegenüber sage, dass wir definitiv den Titel gewinnen. Damit wollte ich sie noch weiter motivieren. Es hat funktioniert und wir haben den Titel gewonnen.

Shabab Al Ordon head coach Manar Freij celebrates

Neue Wettbewerbe

Im Vorfeld der Pro-League wurde ein Vorab-Turnier ausgespielt, bei dem sieben Klubs insgesamt 21 Partien bestritten. Die Erfolgsgeschichte setzte sich zudem mit der Organisation des ersten jordanischen Pokalwettbewerbs der Frauen fort, an dem alle 14 Frauenfussballteams des Landes teilnahmen. Dieser Wettbewerb mit 25 Spielen endete ebenfalls mit einem 1:0-Sieg von Shabab Al-Ordon gegen den SC Amman.

"Das Team hat sich enorm weiterentwickelt und spielt jetzt echten Offensivfussball. Die intensive Arbeit, die wir in den vergangenen Monaten investiert haben, bringt uns den Erfolg", so die ambitionierte Trainerin. "Nach dem Titelgewinn in der Pro-League wollten wir auch den Pokal gewinnen, und das haben wir auch geschafft."

Fraij fügte hinzu: "Wenige Tage nach Saisonende wurden wir eingeladen, an der ersten Frauen-Meisterschaft des westasiatischen Fussballverbands WAFF teilzunehmen, ebenso wie die stärksten Teams aus Libanon, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Palästina. Auch dort haben wir sehr gute Leistungen gezeigt, alle unsere Spiele gewonnen und damit den Titel geholt. Drei Titel in einem Monat – das war einfach großartig!"

Nationalspielerin Shorooq Al-Shadhli, die Spielführerin von Shabab Al-Ordon, stimmt mit ihrer Trainerin überein: "Wir wussten, dass unsere Position am Ende der ersten Phase hinter unseren Erwartungen lag. Wir haben uns dem Druck gestellt und unsere Anstrengungen intensiviert. Wir haben hart gearbeitet und in der zweiten Phase der Saison stärkere Leistungen gezeigt. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was wir letztlich erreicht haben. Wir sind stolz darauf, dass wir die Pro-League, den Pokal und den WAFF-Titel gewonnen haben und es spornt uns an, noch mehr zu erreichen."

Zu den positiven Auswirkungen der Pro-League sagte sie: "Dass auch ausländische Spielerinnen eingesetzt werden dürfen, macht die Konkurrenz stärker und hilft uns, mehr Erfahrung zu sammeln. Der Spielbetrieb über sechs Monate und die Verdopplung der Anzahl der Spiele hat ebenfalls dazu beigetragen, dass wir uns steigern konnten."

Abschließend meinte Trainerin Fraij: "Ich halte mich im Frauenfussball stets auf dem Laufenden und beobachte die Entwicklungen sehr genau. Ich habe im vergangenen Sommer die meisten Spiele der WM in Frankreich gesehen. Die von den Trainerinnen und Trainern dort umgesetzten Taktiken fand ich sehr beeindruckend. Ich habe auch von den Plänen von FIFA-Präsident Gianni Infantino gehört, neue Turniere für Frauen zu organisieren, darunter eine Klub-WM. Es wäre für uns natürlich eine Ehre, Westasien zu vertreten. Das wäre eine große Motivation für uns, noch mehr Erfolge anzustreben."

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