Frauenfussball

Irlands Frauen machen massive Fortschritte

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Die irische Women’s National League wird nicht häufig ins Rampenlicht des Weltfussballs katapultiert. Doch genau das ist vor über zwei Jahren passiert, als Videomaterial über das Traumtor, das Stephanie Roche in der Partie von Peamount United gegen Wexford Youths erzielte, die Fussballwelt im Sturm eroberte.

Auf dem gesamten Erdball fiel den Fans angesichts des brillanten Treffers von Roche die Kinnlade herunter. Die Torschützin belegte am Ende bei der Wahl zum FIFA Puskás-Preis 2014 den zweiten Platz, nachdem Tausende von Fans abgestimmt hatten. Sue Roche, Trainerin der Frauen-Nationalmannschaft der Republik Irland, hat keinen Zweifel daran, dass Roches Traumtor das Ansehen des Frauenfussballs auf der "Grünen Insel" gestärkt hat.

"Das war wirklich eine internationale Geschichte. Jeder hat sich für das Tor interessiert und sie hat jetzt einen enormen Wiedererkennungswert", so Ronan im Gespräch mit FIFA.com. "Das hat uns auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit eingebracht. Es gibt jetzt mehr Kinder, die sie als Vorbild sehen. Wir brauchen Vorbilder für junge Mädchen, damit sie danach streben, Fussballerin zu werden."

"Spielerinnen wie Stephanie und die guten Leistungen unserer U-17- und U-19-Teams sowie deren Qualifikation für die Endrunde der Europameisterschaften haben auf jeden Fall dazu beigetragen, dass es jetzt neue Veranstaltungen für uns gibt, die uns definitiv ein höheres Ansehen verschaffen und Vorbilder für junge Mädchen entstehen lassen. Das wird letztlich dazu führen, dass sie selbst Fussball spielen wollen."

Anfänge der Entwicklung
Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es im Frauenfussball der Republik Irland jedoch noch nicht einmal den Luxus einer Erstliga, und wäre nicht 2011 die Women's National League eingeführt worden, dann hätte die Welt Roches famosen Treffer wohl nie zu sehen bekommen.

"Als ich U-19-Trainerin war, gab es hier noch keine Landesliga", meint Ronan, die im Oktober 2010 das Ruder der A-Nationalmannschaft übernommen hat. "Bessere Spielerinnen haben nur in den lokalen Ligen gespielt, und das war für sie keine Herausforderung, weil sie die besten Spielerinnen in ihrer Region waren.

"Jetzt haben wir eine Landesliga, in der die Besten gegen die Besten antreten. Das ist schon ein Riesenerfolg. Damit erhalten die hier aktiven Spielerinnen die Möglichkeit, auf höchstem Niveau zu spielen. Dafür mussten sie vorher ins Ausland gehen."

Eine irische Starspielerin, die gezwungen war, ins Ausland zu gehen, ist die 36-jährige Spielführerin Emma Byrne. Dennoch hat die Torfrau der Arsenal Ladies eine sehr erfolgreiche Karriere bestritten, in deren Verlauf sie bislang elf englische Meistertitel holte und 2007 die UEFA Women's Champions League gewann.

Doch die nächste Generation hat jetzt Chancen, die der Torhüterin seinerzeit noch verwehrt geblieben sind. Byrne ist davon überzeugt, dass sich dies in Zukunft für die A-Nationalmannschaft der Republik Irland auszahlen wird.

Vom Hobby zur Profession
"Mittlerweile stehen den Mädchen viel mehr Wege offen", so Byrne im Gespräch mit* FIFA.com.* "Es gibt Stipendien, und wir haben professionelle und halbprofessionelle Ebenen. Die Fussballkarriere wird also mit mehr Mitteln gefördert. Das Niveau ist viel besser geworden, die Trainer sind viel besser geworden. Es gibt jetzt eine richtige Arbeitsperspektive für Trainer im Frauenfussball, während dies zuvor lediglich ein Hobby war." 

"Der Frauenfussball ist in Irland vermutlich die Sportart mit dem stärksten Wachstum. Wir wissen, dass es eine gute Basis gibt und dass gute Talente auf dem Weg nach oben sind. Wir haben 17-, 18- und 19-Jährige, die bereits in unserem A-Team spielen – und zwar verdientermaßen."

Angesichts der massiven Fortschritte, die in den letzten Jahren erzielt wurde, steht dem Frauenfussball in Irland zweifellos eine strahlende Zukunft bevor. Ronan wünscht sich allerdings weiterhin wachsende Teilnehmerinnenzahlen.

"Wir müssen jetzt nur die Basis weiter ausbauen", so Ronan. "Ich glaube, man muss die Anzahl der Spielerinnen immer weiter erhöhen, um mehr Elitespielerinnen zutage zu fördern.

"Wir müssen unsere Liga stärker machen. Meiner Meinung nach sollte eine Landesliga im Juniorinnenbereich unser nächster Schritt sein. Wir könnten vielleicht eine für die Altersklasse U-17 ins Auge fassen. Derzeit treten die Mädchen bereits mit 16 in die Landesliga der A-Teams ein, und das ist nicht ideal. Ich glaube, es wäre besser, wenn sie noch drei oder vier Jahre länger in ihrer Altersgruppe blieben."

"In Bezug auf Ausrüstung und Ausbildung erhalten wir hervorragende Unterstützung von der FIFA und der UEFA. Das ist von unschätzbarem Wert. Es ist gut zu wissen, dass sie zur Stelle sind, wenn wir sie brauchen."

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