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Integration von Mädchen durch Fussball

Young soccer players practicing
© imago images
  • Kicking Girls: Soziale Integration von Mädchen durch Fussball
  • 70 Prozent der Teilnehmerinnen haben einen Migrationshintergrund
  • Das Projekt basiert auf verschiedenen Bausteinen

Dass der Fussball so viel mehr als nur ein Sport ist, wurde bei der diesjährigen Verleihung des FIFA-Preises einmal mehr deutlich. Die Liebe zum Fussball kann eine Mutter-Sohn-Beziehung stärken, Barrieren überwinden, verbinden und zur Integration beitragen.

So rief zum Beispiel die ehemalige Profispielerin Tugba Tekkal 2006 das Integrationsprojekt Scoring Girls ins Leben, in dessen Zentrum der gemeinsame Sport, das Ausbrechen aus dem Alltag sowie Teamgeist und Gemeinschaftssinn stehen.

Die Kicking Girls wenden sich ebenfalls an Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund. Ziel ist es, ihnen durch den Fussball die Integration zu erleichtern. Kicking Girls bieten ihnen die Möglichkeit an Fussball-Arbeitsgemeinschaften und Turnieren an der Schule teilzunehmen, sowie eine Ausbildung zur Trainerassistentin zu absolvieren.

"Es ist ein großartiges Projekt, da die Mädchen von weiblichen Coaches trainiert werden und in ihrem vertrauten Umfeld, nämlich in ihrer Schule, spielen können. Das senkt insbesondere für Mädchen mit Migrationshintergrund die Hemmschwelle, am Training teilzunehmen. Und ich selbst habe in meiner aktiven Karriere die Erfahrung gemacht, dass es auf dem Fussballplatz keine Rolle spielt, welche Hautfarbe du hast, aus welchem Land du kommst oder an welche Religion du glaubst. Der Teamgedanke zählt", so der ehemalige Nationaltorhüter Jens Lehmann und Schirmherr der Kicking Girls auf der Internetseite des Projekts.

Wie alles begann

Vor mehr als zehn Jahren wurde an Oldenburger Grundschulen die Initiative MICK – Kicking Girls lanciert und entwickelte sich schnell zu einem vollen Erfolg. Das Selbstvertrauen der teilnehmenden Mädchen wurde durch den Sport gestärkt – wovon auch die Schulen profitierten, da sich teilweise auch die schulischen Leistungen verbesserten. Dank der mehr als positiven Ergebnisse, konnte das Konzept deutschlandweit ausgeweitet werden und fand auch international Anklang. Eine Erfolgsgeschichte, aus der die Kicking Girls hervorgingen.

Vierstufen-Programm für eine gelungene Integration

Die folgenden Leitmotive hat sich das Projekt auf die Fahnen geschrieben: Integration, Anerkennung, Teilhabe und Empowerment. Mit Hilfe eines Vierstufen-Programms sollen diese umgesetzt werden.

Stufe 1

  • Durch den Fussballs soll ein dauerhaftes Interesse am Sport geweckt und die Teilnahme an Mädchenfussball-AGs und Turnieren in den Schulen forciert werden. Dass Mädchen Fussball spielen, ist auch heute noch nicht selbstverständlich und in vielen Ländern alles andere als normal. Ein Training nur für Mädchen hilft dabei, das Vertrauen der Eltern, deren Unterstützung entscheidend ist, zu gewinnen und die Mädchen langsam an den Fussball heranzuführen.

Stufe 2

  • Die Teilnahme am Sport in der Schule ist der erste Schritt in den Vereinssport. Dort wird leistungsorientiert und regelmäßig trainiert. Werte wie Disziplin, Teamgeist, Ehrgeiz aber auch an sich selbst zu glauben können durch die integrative Kraft des Fussballs vermittelt werden.

Stufe 3

  • Die Teilnahme an Arbeitsgruppen und außerschulischen Aktivitäten, wie dem Vereinssport, soll dabei helfen und dazu animieren, selbst Aufgaben zu übernehmen, wie zum Beispiel die Betreuung jüngerer Kinder. Eine weibliche Bezugsperson ist für alle Mädchen und insbesondere für viele mit Migrationshintergrund von hoher Bedeutung.

Stufe 4

  • Durch das eigenverantwortliche Handeln wächst auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Der nächste Schritt besteht darin AGs in den Schulen und leitende Funktionen in den Vereinen zu übernehmen. Durch das freiwillige Engagement werden die teilnehmenden Mädchen selbst zu Vorbildern, schaffen sich völlig neue Möglichkeiten und nachhaltige Strukturen.

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