Frauenfussball

Hilton-Smith: Afrika verfügt über ein gewaltiges Potenzial

The team of Nigeria line up before the FIFA U-20 Women's World Cup 2014 final match between Nigeria and Germany at Olympic Stadium on August 24, 2014 in Montreal, Canada.  (Photo by Martin Rose - FIFA/FIFA via Getty Images)
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Die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft, die vor einigen Tagen in Kanada zu Ende ging, war in gewisser Hinsicht ein Riesenerfolg für Afrika. Schließlich erreichte Nigeria mit nicht weniger als 15 Turniertoren das Finale und verpasste den Titelgewinn nur knapp, obwohl die Afrikanerinnen im Endspiel gegen Deutschland eigentlich die ganze Zeit überlegen waren.

Fran Hilton-Smith beobachtete den Turnierverlauf der Super Falconets mit großer Zufriedenheit, in die sich allerdings auch etwas Enttäuschung mischte. Als langjährige intensive Kennerin des afrikanischen Fussballs kennt sie das Potenzial des Kontinents besser als jeder andere und sieht Kanada 2014 daher nicht in erster Linie als große Erfolgsstory sondern meint, dass es auch anders hätte laufen können.
* Afrika hat ein gewaltiges Potenzial*
"Was Nigeria erreicht hat, beweist ja nur, dass afrikanische Spielerinnen über großartiges Können verfügen", so Hilton-Smith, Technische Direktorin des südafrikanischen Fussballverbandes (SAFA) und Mitglied der Organisationskommission für Kanada 2014. "Wenn sie die Möglichkeit hätten, so oft wie die europäischen Spielerinnen unter Wettbewerbsbedingungen zu spielen, würde man von ihnen sogar noch viel mehr sehen.

Ich habe keinen Zweifel, dass wir bald einen afrikanischen Weltmeister hätten, wenn afrikanische Teams regelmäßiger spielen würden und die Trainerarbeit längerfristiger angelegt wäre. Man braucht sich ja nur Nigeria in Kanada anzuschauen. Sie haben nur mit viel Pech nicht gegen Deutschland gewonnen, und dass, obwohl die Deutschen in allen Bereichen im Vorteil sind, sei es in der Organisation, beim regelmäßigen Trainings- und Spielbetrieb und aufgrund der dortigen Profiliga. Wenn es gelingt, diese Lücken zu schließen, dann hätte Afrika allerdings ein gewaltiges Potenzial.

Doch derzeit haben afrikanische Teams einfach nicht genug Spielpraxis. Das ist unser größter Nachteil, und ich bin der Ansicht, dass uns genau das davon abhält, den letzten Schritt auf dem Weg zum Titelgewinn bei den großen Turnieren zu machen. In Südafrika versuchen wir immer wieder, Freundschaftsspiele zu planen, doch es ist oft nicht möglich, weil die meisten Länder ihre Mannschaften erst aufstellen, wenn ein Turnier bevorsteht. Dann wird auf die Schnelle ein Team zusammengestellt, ein Trainer geholt, ein oder zwei Freundschaftsspiele bestritten oder ein Trainingslager abgehalten, und das war's dann. Während eines Großteils des Jahres passiert gar nichts."

Mehr Wettbewerb nötig
Doch auch für dieses Problem lassen sich Lösungen finden. Hilton-Smith arbeitet in ihren Funktionen für den SAFA und für den afrikanischen Kontinentalverband CAF unermüdlich dafür, praktikable Möglichkeiten zu finden, wie sich die Teams auf dem Kontinent durch häufigere Wettbewerbe auf hohem Niveau entwickeln und verbessern können.

Sie erläuterte weiter: "Ich wurde als erste Südafrikanerin in die Technische Kommission der CAF gewählt – eine großartige Sache. Auch für den Frauenfussball bedeutet es einen großen Schub, denn diesen Aspekt stelle ich ständig in den Vordergrund. Ich unterstreiche immer wieder, dass wir mehr Wettbewerb brauchen. Das Problem auf dem Niveau der CAF besteht darin, dass es nur alle zwei Jahre die Afrikameisterschaft der Frauen gibt und alle vier Jahre die WM-Qualifikation. Daneben gibt es nichts, daher finden einfach nicht genug Spiele statt.

"Wir müssten jedes Jahr eine Frauen-Meisterschaft ausrichten, das würde die Teams voranbringen. Und tatsächlich besteht in der Technischen Kommission durchaus die Bereitschaft, genau das zu tun. Verbandsvizepräsident ist Kalusha Bwalya aus Sambia, der absolut hinter dem Frauenfussball steht. Seine Frauen-Mannschaften erreichen wirklich viel, bei den Juniorinnen ebenso wie bei den Seniorinnen. Insgesamt wächst der Frauenfussball in Afrika und das Niveau verbessert sich. Doch wir brauchen mehr Spiele, um das vorhandene Potenzial wirklich nutzen zu können."
* 24 WM-Teilnehmer sind ein Ansporn für viele Länder*
Auch auf Klubebene wird mehr Wettbewerb benötigt. Hierauf konzentriert sich Hilton-Smith auf nationaler Ebene. Derzeit laufen in Südafrika die Vorbereitungen für die Einrichtung einer semiprofessionellen Frauen-Liga. Ihre Arbeit ist allerdings keineswegs auf Afrika beschränkt. So ist sie auch Mitglied in der FIFA Task Force Frauenfussball und in der FIFA Organisationskommission für Frauen-WM-Turniere. Hier bieten sich Möglichkeiten, sich für die Entwicklung des Frauenfussballs auf globaler Ebene einzusetzen.

"Es ist eine große Ehre, dass ich Afrika in der Task Force vertrete. Das ist eine sehr lohnenswerte Aufgabe", sagte sie FIFA.com. "Moya Dodd (die Vorsitzende der Task Force) hat eine großartige Vision für die Zukunft des Frauenfussballs. Bei zehn der von ihr entwickelten Punkte gibt es bereits Verbesserungen. Dieser tolle Erfolg zeigt deutlich die Bereitschaft der FIFA, den Frauenfussball tatsächlich voranzubringen und zu fördern.

Was die Frauen-WM angeht, bin ich sicher, dass wir ein großartiges Turnier erleben werden. Die Erweiterung des Teilnehmerfeldes auf 24 Teams bedeutet für viele Länder (darunter auch Südafrika) einen enormen Ansporn. Dadurch wurde auch kleineren Ländern eine Chance gegeben, die Endrunde zu erreichen. Wenn das geschieht, dann wird der Frauenfussball in aller Welt sprunghafte Fortschritte machen."

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