Frauenfussball

Gwinn: "2019? Das war wie ein Film "

Giulia Gwinn
© Getty Images
  • Am 6. September startet Giulia Gwinn mit dem FC Bayern München in die neue Saison
  • In Frankreich 2019 wurde sie zur besten Nachwuchsspielerin gekürt
  • "Für mich ist das Jahr 2019 eher wie in so einem Film abgelaufen"

Es gibt Momente im Leben, an die erinnert man sich besonders gerne zurück. Momente, die das eigene Leben von der einen auf die andere Minute zu verändern scheinen. So einen Moment gab es am 8. Juni 2019 für Giulia Gwinn. Im ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich erzielte sie in der 66. Minute das erste und entscheidende Tor für die DFB-Frauen und ihr Bekanntheitsgrad schoss danach rapide in die Höhe.

"Das hat sich nach dem Turnier alles sehr rasant entwickelt. Für mich ist das Jahr 2019 eher wie in einem Film abgelaufen“, erzählt Gwinn im Interview mit FIFA.com. "Ich habe das zunächst alles gar nicht so richtig realisiert. Mittlerweile kann ich die Aufmerksamkeit ganz gut einordnen. Natürlich ist es schön, dass man vielleicht ein bisschen mehr in der Öffentlichkeit steht, mehr Anfragen bekommt oder öfter erkannt wird. Das ist für einen persönlich eine Wertschätzung. Ich freue mich darüber, lege den Fokus aber dennoch voll auf den Fussball."

Was mit einem Treffer in der 66. Minute gegen China VR begann, endete mit dem FIFA Best Young Player Award. Die Schützin des Siegtreffers im Auftaktspiel hatte sich in puncto technische Qualität, Wagemut und Spielübersicht mit jedem Spiel der DFB-Auswahl gesteigert und wusste durch Spritzigkeit und Einsatzfreude zu überzeugen. Direkt nach der WM überwog allerdings zunächst ein anderes Gefühl als Freude.

"Wenn man mich direkt nach dem Turnier gefragt hätte, hätte ich geantwortet: Die Enttäuschung über das frühe Ausscheiden überwiegt. Rückblickend konnte ich aber gerade für mich persönlich sehr viel aus dem Turnier mitnehmen – nicht nur die Auszeichnung als beste junge Spielerin, sondern auch viele wertvolle Erfahrungen auf und neben dem Platz. Es war ja mein erstes großes Turnier, das war dann schon etwas anderes als eine Juniorinnen-WM. Die Eindrücke, die Spiele, die Zuschauer im Stadion: das sind Dinge, die man aufsaugt."

Jetzt freut sich das Mittelfeldass darauf, mit dem FC Bayern München in die neue Bundesliga-Saison zu starten – dieses Mal hoffentlich ohne Unterbrechung. Fast drei Monate ruhte in der Liga der Ball, ehe die Saison zu Ende gespielt werden konnte.

"Wir hatten ja schon das Glück, dass wir die Champions League noch nachholen und früher anfangen durften als andere Vereine in unserer Liga. Es hat extrem Spaß gemacht darauf hin zu arbeiten. Leider hatten wir ja nur das eine Spiel gegen den späteren Sieger aus Lyon. Aber umso größer ist jetzt die Freude, dass es wieder weitergeht und wir wieder Bundesligaalltag haben. Einmal die Woche ein Spiel ist schon etwas anderes als Testspiele in der Vorbereitung", so Gwinn.

In Europas Königsklasse musste sich der FCB zwar im Viertelfinale dem späteren Champion Olympique Lyon knapp mit 1:2 geschlagen geben, geht dafür aber auch als eingespieltes Team in die Auftaktpartie gegen den SC Sand. Ein Vorteil? "Ich bewerte das durchaus positiv. Wir waren schon sehr früh gefordert, mussten sehr früh einen Fokus setzen. Die kurze Vorbereitungszeit, die wir hatten, haben wir intensiv genutzt. Gerade auch, um die neuen Spielerinnen zu integrieren. Wir sind in kürzester Zeit wirklich super zusammengewachsen. Das Champions-League-Turnier kam ja nicht überraschend, so dass wir unsere Arbeit – vor allem im Fitnessbereich – entsprechend anpassen konnten. Ich bin guter Dinge für den Bundesligastart. "

Guter Dinge ist die 21-Jährige ebenfalls, was die Chancen der Münchnerinnen in dieser Saison betrifft. "Wir haben uns super verstärkt – gerade im Offensivbereich haben wir noch mal sehr viel Power dazugewonnen. Natürlich gab es auch einige Abgänge. Aber man hat schon gegen Lyon gesehen, dass wir mit unserer Mannschaft auf höchstem europäischem Niveau mithalten können. Dass es am Ende in der Champions League nicht für das Halbfinale gereicht hat, ist sehr schade. Zugleich aber auch Ansporn. Wir freuen uns auf die neue Saison, wollen die Großen noch mehr ärgern und um Titel mitspielen", freut sich die sympathische Friedrichshafenerin.

"Ich rechne in dieser Saison vor allem auch mit Hoffenheim und Eintracht Frankfurt. Es ist super für die Liga, dass es weitere Vereine gibt, die aufgerüstet haben und das Ziel anstreben, Wolfsburg und auch uns zu ärgern. Das Feld rückt oben enger zusammen. Für einen spannenden Wettbewerb kann es nur positiv sein, wenn nicht jeder schon vor dem ersten Spieltag denkt: Wolfsburg wird es schon machen. Mir gefällt es, wenn möglichst viele Mannschaften Ansprüche anmelden. Nichtsdestotrotz wollen wir aber unseren zweiten Platz aus der vergangenen Saison aber bestätigen – und dabei den Blick noch weiter nach oben richten."

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