Frauenfussball

Guyana erntet erste Früchte der Investitionen

Guyana celebrate a goal at the 2020 Concacaf Women's U-20 Championship
© Concacaf
  • Guyana schrieb bei der CONCACAF U-20-Frauen-Meisterschaft Fussballgeschichte
  • Die enorme Entwicklung des Frauenfussballs in Guyana ist das Resultat eines koordinierten Aufbaus
  • Die Qualifikation für eine FIFA Frauen-WM™ gehört zu den ambitionierten Zielen des Verbands

Vor einigen Monaten tauchte ein ungewohnter Name in der Qualifikation für die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft auf, als Guyana erstmals die späteren Runden der langen CONCACAF-Qualifikation erreichte.

Guyana gehört zur CONCACAF-Zone, obwohl das Land an der Nordküste Südamerikas liegt. Es ist das einzige englischsprachige Land auf der kontinentalen Landmasse.

Die fussballerischen Erfolge bei den Männern sind seit der Unabhängigkeit 1966 bescheiden geblieben. Der Vorstoß bis in die vorletzte Runde der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ war das bislang beste Abschneiden auf internationaler Ebene.

Im Frauenfussball hingegen beginnt das Engagement Guyanas in den vergangenen Jahren allmählich, Früchte zu tragen. Das Nationalteam zeigte mit der erfolgreichen Qualifikation für die CONCACAF-Frauen-Meisterschaft 2010 mit acht Teilnehmern erstmals sein Potenzial.

Die U-20-Auswahl legte beim Vorstoß bis ins Viertelfinale der Kontinentalmeisterschaft eine nie dagewesene Erfolgsserie von sechs Siegen in Folge hin und verpasste die Qualifikation für die FIFA U-20-Frauen-WM somit nur um eine Runde. Der Vorstoß wurde erst durch das starke haitianische Team mit der brandgefährlichen Torjägerin Melchie Dumornay gestoppt. Die Karibiknation konnte dann bei ihrem Debüt bei der FIFA U-20-Frauen-WM vor zwei Jahren in Frankreich beeindrucken.

Der Beginn der enormen Steigerung Guyanas liegt rund vier Jahre zurück. Damals wurde ein landesweites Grassroots-Programm gestartet, das sich speziell an Spielerinnen richtete und der aktuelle Technische Direktor Ian Greenwood trat seinen Posten an. Kurz darauf benannte der Fussballverband von Guyana (GFF) mit Tricia Munroe auch erstmals eine Beauftragte für die Förderung des Frauenfussballs. Die Besetzung dieses Postens war ein zentraler Punkt in der nationalen Strategie für die Entwicklung des Frauenfussballs.

2018 wurde dann zu einem überaus bedeutsamen Jahr, in dem erstmals eine nationale Frauenliga ausgespielt und die Frauen-A-Nationalmannschaft wiederbelebt wurde. Außerdem richtete Guyana auch einige Spiele in der Qualifikation für die CONCACAF Frauen-Meisterschaft aus.

"Die Erfolge sind kein Zufall", so Greenwood gegenüber **FIFA.com** über die Leistungen der U-20-Auswahl. "Sie sind ein klarer Beweis, dass die fussballerische Philosophie des GFF funktioniert und dass die solide Nachwuchsförderung erstklassige Leistungsträger und Trainer hervorbringt. Das ATC-Programm (Academy Training Centres) des GFF wird von FIFA und CONCACAF als Vorbild für optimale Jugendförderung in der Karibikregion angesehen.

"Wir haben eine nationale Spiel- und Trainingsphilosophie entwickelt, die in allen Nationalteams umgesetzt wird. Hinzu kommen dann noch jeweils altersgerechte Trainingsinhalte. Die Trainerausbildung hat 2016 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nie zuvor gab es in Guyana so viele lizenzierte Trainer und Instruktoren. Die zahlreichen Trainerinnen und Trainer im Grassroots-Bereich entdecken fortwährend neue, talentierte Spielerinnen.

"Weil viele Menschen aus Guyana ausgewandert sind, haben wir die etwas ungewöhnliche Situation, dass in Kanada, USA und Großbritannien viele Talente mit einheimischen Wurzeln vorhanden sind. Diese Spielerinnen bilden eine enorme Verstärkung für unseren Kader, weil sie in hochklassigen Ligen spielen."

Guyana line-up at the 2020 Concacaf Women's U-20 Championship
© Concacaf

Das Auffinden von talentierten Spielerinnen in dem weitgehend dünn besiedelten Land mit nur 800.000 Einwohnern stellt für die fussballerische Führung eine große Herausforderung dar.

"Das Land ist was die Infrastruktur angeht nur wenig entwickelt", erklärt GFF-Präsident Ian Ford gegenüber FIFA.com. "Viele Fussballanlagen verfügen nicht über angemessene Umkleiden oder gar Wasch- und Duschräume für Frauen, die dringend erforderlich wären."

"Das behindert die Entwicklung des Frauenfussballs auf Klub- und Gemeindeebene enorm. Trotz dieser großen Herausforderungen ist der Frauenfussball auch im Hinterland die beliebteste Sportart und wird das ganze Jahr mit viel Begeisterung auch von unseren indigenen Stämmen gespielt. Hier wurden im Laufe der Jahre schon zahlreiche talentierte Spielerinnen entdeckt, die es bis ins Nationalteam schafften."

Für den ambitionierten Fussballverband des Landes gibt es noch weitere vielversprechende Gelegenheiten. So hat sich Guyana für die diesjährige CONCACAF U-17-Frauen-Meisterschaft qualifiziert, bei der drei Tickets für Indien winken.

"Die jüngeren Leistungen des U-20-Frauenteams waren ein Schlüsselmoment für das Land. Guyana hat sich damit den Spitzennationen der CONCACAF eindrücklich vorgestellt", so Greenwood. "Das Team hat den Geist der Goldenen Pfeilspitze (die Nationalflagge Guyanas) bei dem Turnier vorbildlich repräsentiert, mit Herz, Entschlossenheit und Selbstbewusstein.

"Der Erfolg hat das Publikum in Guyana begeistert. Das ist in unserem stark durch Cricket geprägten Land eine fantastische Sache. Die Leistung des Teams hat viele Mädchen inspiriert, es auch einmal mit dem Fussball zu versuchen und deutlich gemacht, was wir mit dem richtigen Ansatz erreichen können.

"Wir sind überzeugt, dass wir die Kluft zwischen den traditionellen Fussballnationen und den kleineren Teams in unserer Konföderation allmählich schließen können. Wir wollen uns in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste verbessern. Wir wollen es in der FIFA unter die Top 60 schaffen, in der CONCACAF unter die Top 10 und in der CFU unter die Top 5. Wir wollen die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 schaffen und als höchstes Ziel bei der WM 2027 dabei sein."

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