Frauenfussball

Gisela Robledo – Mehr als eine Werbebotschaft

Gisela Robledo of Colombia celebrates after scoring
© Getty Images
  • Kolumbianische Nachwuchsspielerin glänzt in der WM-Quali ihrer U-20-Auswahl
  • Sie wusste bereits bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Uruguay 2018 zu überzeugen
  • Nach einem Werbeclip ist ihr Name in aller Munde

Wie gut muss eine 16-jährige Fussballerin sein, wenn sie gemeinsam mit Lionel Messi, Michael Jordan, Serena Williams und Usain Bolt eine Werbebotschaft übermitteln darf? So gut wie die Kolumbianerin Gisela Robledo eben.

"Sobald ich den Vertrag mit der Marke unterschrieben hatte, hat man mit mir über diese Werbung gesprochen. Aber das Beste war, mich selbst an der Seite dieser Stars zu sehen", so Robledo, eine der größten Zukunftshoffnungen des kolumbianischen Fussballs, im Gespräch mit FIFA.com.

Die Werbebotschaft wurde im Februar ausgestrahlt, als die talentierte offensive Mittelfeldspielerin sich bereits mit der U-20 in Bogotá aufhielt. Dort bereitete sich das Team auf die Südamerikameisterschaft in Argentinien vor, deren Finalrunde aufgrund des Coronavirus ausgesetzt wurde.

"Eines Tages hatte ich Hunderte von Nachrichten auf dem Handy, als ich vom Training zurückkam. Alle hatten den Clip gesehen und gratulierten mir! Meine Teamkameradinnen waren total aus dem Häuschen: 'Das ist ja Wahnsinn, du in einem Werbeclip mit Messi!' In diesem Augenblick wurde mir erst bewusst, welche Auswirkungen das Ganze hatte", fügt die Mittelfeldspielerin hinzu und erklärt, dass der Clip in Slowenien aufgenommen wurde und nach einer Woche im Kasten war.

Trotz des plötzlichen Ruhms blieb sie mit beiden Beinen fest auf dem Boden. In der Qualifikation für die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 2020, die in Costa Rica und Panama ausgetragen wird, erfüllte Robledo dann alle Erwartungen. Mit fünf Toren leistete sie einen wichtigen Beitrag zum Einzug Kolumbiens in die Finalrunde. Diese ist derzeit ausgesetzt, doch nach der Wiederaufnahme stehen hier zwei Startplätze bei der U-20-WM auf dem Spiel.

"Wir haben das erste Ziel erreicht, das wir uns für das Turnier in Argentinien gesteckt hatten, aber wir müssen uns noch verbessern, wenn wir bei der WM dabei sein wollen. Auf jeden Fall haben wir gelernt, dass wir jedes Spiel wie ein Finale angehen müssen, sonst werden wir wieder zittern."

Sie bezieht sich dabei auf die Ereignisse in der Gruppenphase. Nachdem die Kolumbianerinnen ihre vier Spiele absolviert hatten, mussten sie nämlich am letzten Spieltag der Gruppe A darauf hoffen, dass Argentinien sich nicht gegen Bolivien durchsetzen würde, um als eines der vier besten Teams in die Finalrunde einzuziehen. Dabei waren die Gastgeberinnen haushoch favorisiert, da ihr Gegner bisher weder Punkte noch Tore auf dem Konto hatte. Doch das Duell endete tatsächlich mit einem 1:1, und die Cafeteras durften feiern.

"Als Argentinien früh in Führung ging, dachten einige Leute schon, dass wir ausgeschieden wären. Aber ich glaube an Gott und habe nie den Glauben verloren. Der Ausgleichstreffer am Ende der ersten Halbzeit hat uns motiviert, und so haben wir unseren Beitrag geleistet", erklärt sie.

"Wir haben die Bolivianerinnen die gesamte zweite Halbzeit über angefeuert, und ich glaube, das hat ihnen in der Schlussphase geholfen, als ihnen langsam die Kraft ausging. Nach der Partie haben sie sich bei uns bedankt und gesagt, wir hätten den Einzug in die nächste Runde verdient. Als wir im Hotel ankamen, hatten wir keine Stimme mehr, aber wir waren glücklich!"

Gisela Robledo #7 of Colombia celebrates a scored goal 
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Doch der Fussball ist für Robledo seit jeher mehr als eine Glaubensfrage. Schon als sie im Alter von vier Jahren in Guarací mit dem Fussballspielen begann, beeindruckte sie mit ihrer unglaublichen Hartnäckigkeit.

"In meinem Stadtviertel rollte immer der Ball, und ich fand Fussball toll, obwohl meine Mama nicht wollte, dass ich spiele. Sie sagte immer, dass sei ein Sport für Jungs und ich sollte mir eine andere Sportart aussuchen. Aber mein Bruder wahr überrascht davon, wie gut ich spielte und schoss. Als ich fünf Jahre alt war, nahm er mich zum Hallenfussball mit."

Auf der Straße, auf Bolzplätzen und in Parks feilte Robledo an ihrer Technik und übte Ballführung, den Zweikampf mit größeren Gegenspielern und Torschüsse. Mit elf Jahren begann sie dann eine Stunde von ihrem Zuhause entfernt mit der Elfervariante des Fussballs. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie bereits auf die Unterstützung ihrer Mutter zählen. Außerdem half ihr eine Tante, die das Geld für die Fussballschuhe und die Fahrten zum Training beisteuerte.

Robledo war 14 Jahre alt, als sie in die Nachwuchsabteilung des kolumbianischen Nationalteams aufgenommen wurde und sicherte sich bald einen Platz in der U-17-Auswahl, mit der sie 2018 bei der Südamerikameisterschaft den zweiten Platz belegte. Im selben Jahr erfüllte sie die Erwartungen der Verantwortlichen bei der FIFA U-17-WM in Uruguay. Sie erzielte beide Tore der Kolumbianerinnen in diesem Turnier und wurde in der Partie gegen den späteren Weltmeister Spanien zur besten Spielerin gewählt.

Kolumbien kam zwar nicht über die Gruppenphase hinaus, doch das Team entwickelte sich weiter und strebt jetzt nach der Qualifikation für die U-20-WM.

"Das war eine sehr wertvolle Erfahrung, aber wenn wir uns für die WM qualifizieren wollen, müssen wir das tun, was der Trainer von uns fordert: bei der Balleroberung unsere Angst ablegen und dafür sorgen, dass der Gegner sich verausgaben muss – auch, wenn der Gegner Brasilien heißt. Das werden wir versuchen."

Schon gewusst?

  • Robledo spielt seit 2019 für América de Cali, gewann in diesem Jahr mit dem Klub die Liga und belegte bei der Copa Libertadores den dritten Platz.
  • Die Mittelfeldspielerin trug sechs Tore zu diesem Erfolg bei, zwei davon im Spiel um Platz drei.
  • Im November gab sie anlässlich eines Freundschaftsspiels gegen Argentinien ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft.
Gisela Robledo of Colombia is awarded Player of the Match 
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