Frauenfussball

Frauenfussball in Wales: Gemeinsam stärker

Jessica Fishlock and Michelle Green of Wales
© Getty Images

Wales hat zwar nur knapp gut drei Millionen Einwohner, doch im Fussball hat das Land in den vergangenen Jahren immer wieder für positive Schlagzeilen gesorgt. Nicht zuletzt inspiriert durch Topstars wie Gareth Bale von Real Madrid und Aaron Ramsey vom FC Arsenal haben die Dragons zu einem dramatischen Höhenflug angesetzt - von ihrer bis dahin schlechtesten Platzierung (Rang 117) in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste im August 2011 bis auf Platz acht im Oktober 2015.

Doch nicht nur die A-Nationalmannschaft der Männer hat beeindruckende Fortschritte gemacht, sondern ebenso auch der Frauenfussball. Auf der Brust des Nationaltrikots ist der inspirierende walisische Slogan Goarau Chwarae Cyd Chwarae (Gemeinsam stärker) aufgestickt. Genau diese Einstellung ist es, die den Frauenfussball im Land derzeit enorm voranbringt - vom Breitensport-Bereich bis hin zur Nationalmannschaft.

Genau wie bei den Männern, bei denen Chris Coleman zum Nationaltrainer ernannt wurde, setzt Wales auch bei den Frauen auf einen Ex-Star, nämlich die 61-malige Nationalspielerin Jayne Ludlow, die ihr Amt im Oktober 2014 antrat. Getreu dem Motto "Gemeinsam stärker" erfolgte seitdem eine stärkere Integration der Nachwuchs- und A-Mannschaften. Ludlow, die mit den Arsenal Ladies neun Mal die FA Women's Premier League gewann, hat damit eine durchgängige Spielphilosophie in den verschiedenen Altersstufen realisiert.

"Eines meiner Ziele ist die Verbesserung der Möglichkeiten, die wir jungen Spielerinnen hier in Wales bieten können", so Ludlow gegenüber FIFA.com. "Wir verfügen jetzt über eine nationale Jugend- und Senioren-Akademie, die gemeinsam mit unseren Partnern im Bildungswesen realisiert wurde. Damit bieten wir unseren Jugend-Nationalspielerinnen nun neben ihrer Vollzeit-Fussballausbildung auch eine Vollzeit-Schulbildung.

"Es gibt jetzt einen durchgehenden Ausbildungsweg für die Spielerinnen von zwölf Jahren bis hin zur A-Mannschaft. Aber natürlich ist das alles noch in einer recht frühen Entwicklungsphase. Erstmals haben wir eine Verknüpfung zwischen den Teams in den Altersstufen U-15 und U-16 mit den U-17-, U-19- und Seniorenteams geschaffen. Früher waren in den verschiedenen Altersstufen Trainer mit unterschiedlichen Philosophien und unterschiedlichen Ansätzen tätig. Jetzt hingegen gibt es einen durchgehenden Weg, so dass die Mädchen schon mit 13 Jahren Dinge lernen, die ihnen selbst nach dem Sprung in die A-Nationalmannschaft noch zugute kommen."

Ludlow ist zwar grundsätzlich zufrieden mit den beeindruckenden Fortschritten in Wales, wo es mittlerweile 5.015 registrierte Spielerinnen gibt, doch die Trainerin strebt noch höhere Teilnehmerzahlen an und führt als positive Beispiele die Nachbarländer an. "Es gibt noch eine Menge Bereiche, die mit dem Frauenfussball wachsen müssen", so ihre Überzeugung. "In den vergangenen zwölf Monaten gab es gute Fortschritte, doch im Vergleich mit anderen Nationen, beispielsweise England, Schottland und Irland haben wir noch einen weiten Weg vor uns, um die Zahlen zu steigern."

Die positive Entwicklung der walisischen Frauen-Nationalmannschaft ist zum Teil auch der guten Entwicklung der Liga zu verdanken. Auch hier gilt der Grundsatz "Gemeinsam stärker", und so wurde die früher in Nord und Süd geteilte walisische Liga 2012 in einer gemeinsamen, landesweiten Liga zusammengeführt. "In der Entwicklung der Frauenliga gibt es derzeit massive Veränderungen", so Lucy Kelly, die Beauftragte für Frauenwettbewerbe der walisischen Premier League. "Insbesondere in den Altersstufen U-17 und U-19 schaffen immer mehr Spielerinnen den Sprung aus der Liga in den Kader der Nationalmannschaft. "Und auch die Anzahl der Spielerinnen, die sich im internationalen Umfeld behaupten können, hat sich deutlich gesteigert."

Angesichts der stetig wachsenden Zahl aktiver Spielerinnen dürfte der walisische Frauenfussball vor einer glänzenden Zukunft stehen. Von 2010 bis 2014 gab es in den Klubs bei den Mädchen Steigerungen von bis zu 40 Prozent. Der Welsh Football Trust, eine Organisation mit dem Ziel, mehr Menschen zum Fussballspielen zu motivieren, hofft bis zum Jahr 2024 auf bis zu 20.000 registrierte Spielerinnen.

Die FIFA-Initiative Live Your Goals, die darauf abzielt, mehr Mädchen und Frauen zum Fussball zu bringen, ist bereits seit zwei Jahren in Wales aktiv. Kürzlich nahmen an acht Veranstaltungsorten im ganzen Land insgesamt 1.890 Spielerinnen an Aktionen teil. "Live Your Goals ist für uns ein fantastischer Erfolg", so Jamie Clewer, der beim Welsh Football Trust für die Fussballförderung zuständig ist. "Im ersten Jahr haben rund 1.500 Mädchen an unseren Festivals teilgenommen. Wir arbeiten derzeit daran, von dem Festivalformat zu einem neuen Format zu kommen, bei dem die Mädchen jede Woche kommen und mitspielen können. Im kommenden Jahr soll es so weit sein. Außerdem haben wir viele traditionelle Männerklubs überzeugt, sich auch dem Frauenfussball zuzuwenden."

"Ich hoffe, dass wir in ganz Wales bald so weit sind, dass Mädchen überall die Möglichkeit haben, Fussball zu spielen. Egal, ob man nun den Fussball einfach nur als Freizeitvergnügen betreiben oder lieber unter Wettkampfbedingungen spielen will - es soll die entsprechenden Möglichkeiten geben. Dieses Ziel ist fest in unseren regionalen Verbands- und Ligastrukturen in ganz Wales verankert."

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