Frauenfussball

Im Aufwind wie nie zuvor

Carli Lloyd of USA scores her second goal
© Getty Images

Für den Frauenfussball war 2015 das erfolgreichste Jahr aller Zeiten. Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ bot eine perfekte Bühne für den Frauenfussball und glänzte mit enormem Zuschauerinteresse und hochklassigem Fussball. In zahlreichen anderen Ländern gab es unterdessen weitere beeindruckende Entwicklungen sowohl im Grassroots- wie auch im Erwachsenenbereich und auch auf der Ebene der Fussballverwaltung wurden große Fortschritte erzielt. FIFA.com blickt zurück auf zwölf überaus erfolgreiche Monate im Frauenfussball.

Kanada 2015 Stars and Stripes auf dem Gipfel*
Die USA holten zum dritten Mal den Titel bei einer FIFA Frauen-WM. Das Finale war eine Neuauflage des Turniers vor vier Jahren, wobei die USA dieses Mal nicht zu stoppen waren. Die offensive Mittelfeldspielerin Carli Lloyd schaffte innerhalb von nur 16 Minuten einen Hattrick und legte damit den Grundstein für den klaren 5:2-Sieg der *Stars and Stripes. England legte einen beeindruckenden Lauf bis ins Halbfinale hin und sicherte sich dann mit einem Sieg gegen Deutschland den dritten Platz.

Neue Gesichter und mehr Konkurrenz
Den Titel holte in Kanada zwar einer der Favoriten, doch  bei der Turnierauflage 2015 glänzten auch einige bislang eher blasse Nationen. Besonders beeindruckend war der Auftritt des Teams aus Kolumbien, das seine positive Entwicklung fortsetzte und mit einem Sieg gegen Frankreich für eine der größten WM-Überraschungen sorgte. In dem auf 24 Teams erweiterten Starterfeld standen acht Turnierneulinge, die keinesfalls überfordert waren sondern munter mitspielten. Kamerun gelang mit einer beeindruckend dynamischen Spielweise der Sprung ins Achtelfinale, ebenso wie den Debütantinnen aus der Schweiz und den Niederlanden. Die Thailänderinnen feierten ihren ersten WM-Sieg, während sich auch Costa Rica beeindruckend schlug und den Sprung in die K.o.-Runde nur knapp verpasste.

Neue Zuschauerrekorde
Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft mauserte sich zum FIFA-Wettbewerb mit den zweithöchsten Zuschauerzahlen. In zahlreichen Ländern wurden neue Zuschauerrekorde aufgestellt. Insgesamt sahen beeindruckende 764 Millionen Fernsehzuschauer mindestens eine Minute des Spielgeschehens in Kanada. Das Finale des Turniers war in den USA das Fussballspiel mit den höchsten Zuschauerzahlen aller Zeiten. In den sechs Spielorten sorgten Zuschauermassen für beste Stimmung auch abseits der Stadien. Das Team Kanadas spielte im Durchschnitt vor 48.380 Zuschauern und sorgte im unvergesslichen Viertelfinale gegen England für einen neuen kanadischen Besucherrekord: In keiner Sportart hatte es bei einem Länderspiel einer kanadischen Mannschaft je mehr als 54.000 Zuschauer gegeben.

Große Stars hängen die Stiefel an den Nagel
2015 beendeten gleich mehrere Spitzenspielerinnen ihre Karriere. Am überraschendsten war der Schritt der erst 27-jährigen deutschen Torjägerin Celia Sasic, die in Kanada mit sechs Treffern den Goldenen Schuh von adidas gewonnen hatte und wenige Tage später ihren Abschied vom Fussball erklärte. Im Dezember erklärten dann mit Abby Wambach (USA) und Homare Sawa (Japan) gleich zwei ehemalige FIFA-Weltfussballerinnen des Jahres ihren Rücktritt. Wambach beendete ihre Karriere mit dem Weltrekord von 184 Länderspieltoren. Sawa war lange der Dreh- und Angelpunkt in der japanischen Nationalmannschaft. Höhepunkt ihre sechs WM-Teilnahmen umfassenden Karriere war der Titelgewinn bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™. Auch die beiden U.S.-amerikanischen Mittelfeldspielerinnen und Weltmeisterinnen Lauren Holiday und Shannon Boxx hängten die Stiefel an den Nagel.

*Vereinsfussball *Auch der Klubfussball erlebte in vielen Gebieten der Erde neue Höhenflüge mit Zuschauerrekorden auf weiter verbessertem Niveau. Der 1.FFC Frankfurt gewann die UEFA Champions League der Frauen. Im Kielwasser von Kanada 2015 gab es auch bei diesem Wettbewerb zahlreiche Rekordkulissen. Ganz ähnlich auch die Situation in den USA, wo es mehrfach fünfstellige Besucherzahlen gab und Kansas City am Ende der Saison die Meisterkrone verteidigen konnte.

*Förderung des Frauenfussballs *Im vergangenen Jahr leistete die FIFA mehr Unterstützung für die Entwicklung des Frauenfussballs als je zuvor. Die Zahlen sprechen eine beeindruckende Sprache: Insgesamt gab es 451 Maßnahmen in 130 Mitgliedsverbänden, die alle von einem oder mehreren FIFA-Entwicklungsprogrammen für den Frauenfussball profitierten. 2014 hatte diese Zahl noch bei 94 Mitgliedsverbänden gelegen, 2013 bei 67.

*Statistik *158 – Während in jüngster Zeit alle Augen auf Rekordtorjägerin Abby Wambach gerichtet waren, hat Kanadas Veteranin Christine Sinclair mit ihrem 158. Ländespieltor in aller Stille mit Mia Hamm als zweiterfolgreichster internationaler Torschützin gleichgezogen.

*Was kommt? *Das kommende Jahr wird wohl nicht so viele Schlagzeilen produzieren wie 2015, doch es verspricht durchaus interessante Entwicklungen im Frauenfussball, der zu neuen Ufern aufbricht. Zwölf führende Nationen werden beim Olympischen Fussballturnier der Frauen in Rio de Janeiro an den Start gehen. Dass der Frauenfussball in Brasilien noch nicht unbedingt fest etabliert ist, macht das Turnier nur um so wichtiger. Ebenfalls bemerkenswert ist die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft in Papua-Neuguinea, womit erstmals ein Frauenturnier in einer pazifischen Inselnation stattfindet. Und mindestens ebenso bedeutsam wird die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft in Jordanien, mit der erstmals ein FIFA-Frauenturnier in der arabischen Welt ausgetragen wird.

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