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Football Talks: Laura Georges & Christie Rampone

Laura Georges & Christie Rampone montage

Am Donnerstag, 3. September, gab es die erste Ausgabe von "Football Talks with FIFA Legends". Zu Gast: Die Französin Laura Georges und die U.S.-Amerikanerin Christie Rampone.

In dem 45-minütigen Gespräch sprachen die beiden ehemaligen Nationalspielerinnen über ihre Vision des Frauenfussballs und stellten sich den Fragen der Medien. FIFA.com präsentiert Ihnen die besten Antworten.

Laura, wem haben Sie im Halbfinale der UEFA Champions League der Frauen zwischen Lyon und Paris, Ihren beiden ehemaligen Vereinen, die Daumen gedrückt?

Laura Georges: Zunächst mal war es ja ein Glücksfall, zwei französische Vereine im Halbfinale zu haben. Und dann ist es für mich natürlich ein besonderes Spiel gewesen. Ich werde oft gefragt, zu wem ich halte, aber ich bin neutral. Ich wünsche mir einfach nur ein gutes, ausgeglichenes Spiel. Letztlich hat einmal mehr OL gewonnen und anschließend auch zum siebten Mal den Titel geholt, den fünften in Folge. Darauf können wir Franzosen stolz sein. Diesen Sieg kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Es ist eine beeindruckende Leistung und man muss die Feste ohnehin feiern, wie sie fallen. Lyon dominiert den europäischen und damit den weltweiten Frauenfussball und die Arbeit dahinter gilt es anzuerkennen. Das geht nur, wenn man jede Saison alles auf den Prüfstand stellt.

Christie, wie beurteilen Sie dieses Endspiel zwischen den beiden europäischen Schwergewichten Lyon und Wolfsburg, insbesondere im Vergleich zum Finale im NWSL Challenge Cup?

Christie Rampone: Es ist immer interessant zu sehen, was sich anderswo tut, in anderen Wettbewerben auf der Welt. In Anbetracht der Umstände war es eine schwierige Begegnung, aber die Spielerinnen haben alles gegeben. Houston Dash hat sich als Einheit präsentiert und Charakter gezeigt. Sie haben generell ein starkes Turnier gespielt und waren bis zum Schluss gut drauf. Das Spiel in der NWSL ist stark von Schnelligkeit und Kontern geprägt. Die Champions League ist im Vergleich dazu etwas langsamer, aber technisch besser, mit viel Ballbesitz. Wir haben starke Mannschaften und der Frauenfussball mit seinen vielen Toptalenten erlebt eine Hochphase. Lyon ist quasi ein All-Star-Team. Es macht Spaß, so viele große Namen in einer Mannschaft zusammen zu sehen, denn das ergibt fast zwangsläufig guten Fussball.

Die letzte FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft in Frankreich hat alle Rekorde gebrochen. Wie beurteilen Sie das abgelaufene Jahr im Frauenfussball?

LG: Ich möchte mal mit dem Vermächtnis anfangen, das Frankreich hinterlassen hat. Wir haben 200.000 eingetragene Spielerinnen. Das war eines der Ziele. Ich hatte das Glück, für das Schiedsrichterwesen verantwortlich zu sein, und wir haben statt 860 jetzt 1200 Schiedsrichterinnen. Es gab allerorten Verbesserungen und mehr Personal, die Qualität der Trainingszentren ist höher, viele Frauenfussballschulen sind entstanden. Der Zuschauerschnitt in den Stadien ist leider nicht unbedingt gestiegen, aber immerhin wurde im Spiel Lyon gegen PSG mit 31.000 Zuschauern im vergangenen Jahr ein neuer Rekord aufgestellt und der Zuspruch in der Champions League war sehr gut. Wir rühren weiterhin kräftig die Werbetrommel für unseren Sport, und ich bin zuversichtlich, dass es auf der ganzen Welt voran gehen wird.

CR: Der Erfolg der Weltmeisterschaft in Frankreich und die ansteckende Energie der Fans haben unserem Sport gutgetan. Entscheidend war, dass den Leuten bewusst geworden ist, welche Qualität da auf dem Rasen steht, und was das den Spielerinnen abverlangt, denn die machen das nach wie vor in erster Linie aus Liebe zum Fussball und nicht wegen des Geldes. Das wird sich ändern, wenn sich alle dessen bewusst werden. Die kommenden Jahre versprechen, aufregend zu werden, denn der Frauenfussball wird sich weiterentwickeln. Wir müssen an der Taktik arbeiten, am Offensivspiel, am Defensivspiel. Wenn ich in 19 Jahren als Nationalspielerin für die USA eines gelernt habe, dann, wie wichtig die Ausbildung ist. Dieses Spielverständnis muss sich überall bei den Mädchen durchsetzen. Als ich angefangen habe, waren wir Sportlerinnen, die eher zufällig Fussball gespielt haben. Als ich aufgehört habe, waren wir echte Fussballerinnen.

Die Pandemie hat die Sportwelt hart getroffen. Das gilt auch für den Frauenfussball. Wie macht man jetzt das Beste daraus, auch mit Blick auf 2023?

CR: Ich betrachte es als Gelegenheit, mal die Akkus aufzuladen und darüber nachzudenken, wie wie mehr Fans anziehen können. Das geht los mit der Präsenz der Spielerinnen in der Öffentlichkeit, die diese so besser kennenlernen kann. Mit der Nationalmannschaft gelingt uns das schon ganz gut, aber die Vereine haben es mangels Mitteln da schon schwerer. Vor allem müssen sich die Fans klar werden, dass ihnen auf dem Platz wirklich Qualität geboten wird.

LG: Die aktuelle Situation zeigt, dass wir alle verwundbar sind, Frauen wie Männer. In Frankreich wurde die Saison abgebrochen. In Deutschland haben die Männer die Saison zu Ende gespielt und dabei den Frauenfussball unterstützt. Ich spüre bei den Sponsoren die Lust, zu echten Werten zurückzukehren und normale Leute in den Vordergrund zu stellen, die hart arbeiten – keine Superstars. Das eröffnet dem Frauenfussball Möglichkeiten. Wie Christie schon gesagt hat, müssen die Fans die Spielerinnen auch kennenlernen können, als Menschen, nicht nur als Sportlerinnen.

Welche Werte des Frauenfussballs können die Sponsoren denn transportieren?

CR: Dass die Spielerinnen sportlich sind, leidenschaftlich sind und den Kontakt zu ihrer Umgebung pflegen. Frauen geben viel und ziehen andere mit. Wir haben Führungsqualitäten, wir sind teamfähig, wir sind verantwortungsbewusst. Alles, was der Fussball uns gegeben hat, teilen wir mit anderen, damit sie davon profitieren. Das sind Werte, die Sponsoren interessieren. Und dann sind da ja noch die ganzen Mütter, die eine Familie haben und Fussball spielen. Die beweisen, dass alles möglich ist, dass man Karriere und Familie miteinander vereinbaren kann.

LG: Ich stimme Christie zu, bin allerdings der Meinung, dass die Spielerinnen durchaus schon für die Fans da sind. Der Unterschied zum Männerfussball ist, dass wir nicht so abgeschirmt sind. Die Frauen sind nicht nur in den Sozialen Medien präsent, sie suchen auch nach den Spielen die Nähe zu den Fans, egal ob sie Weltmeisterinnen sind oder einfache Spielerinnen. Diese Nähe, diese Bescheidenheit und diese Leidenschaft sind Werte, die für Geldgeber sehr attraktiv sind.

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