Frauenfussball

Ellis und Vergara: Vereint für die CONCACAF

  • Vergara war Gastgeberin der Weltmeisterin
  • Beide Frauen haben am FIFA-Trainerinnen-Mentorenprogramm teilgenommen
  • "Wir haben ein sehr ehrliches und natürliches Verhältnis"

Die Freundschaft ist noch frisch, aber bereits gefestigt. Man merkt, dass die Chemie stimmt: Sie lachen zusammen, kommentieren ihre Bemerkungen gegenseitig, analysieren, geben sich Tipps, für die sie sich per Handschlag bedanken. "Sie", das sind Jill Ellis, Trainerin des U.S.-amerikanischen Frauen-A-Nationalteams, und Monica Vergara, ihr Pendant bei der mexikanischen U-20-Frauen-Auswahl.

Beide kennen und schätzen sich seit Anfang Oktober 2018, der Erstauflage des FIFA-Trainerinnen-Mentorenprogramms. Weltmeistertrainerin Ellis wurde Mentorin von Vergara, der jungen und aufstrebenden mexikanischen Fussballlehrerin.

Danach ging alles ganz schnell. Einen Monat nach Beginn des Programms stand Monica Vergara vor ihrer ersten Bewährungsprobe auf der Trainerbank: der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Uruguay 2018. Sie wandte sich sogleich an ihre erfahrene Mentorin.

"Ich habe sie genau zum richtigen Zeitpunkt in meinem Leben kennen gelernt, kurz vor meiner Abreise zur Weltmeisterschaft", berichtet Monica Vergara gegenüber FIFA. "Jill als Person kennen zu lernen und von ihr zu hören, dass ich Vertrauen in meine Arbeit haben soll, meine Erfahrung weitergeben und mir sagen, dass meine Mannschaft bereit ist, all das hatte großen Einfluss auf mich. Ich glaube, das habe ich auch bestmöglich an meine Spielerinnen weitergegeben."

Unlängst dann trafen sich Vergara und Jill Ellis während der fünf Tage im Centro de Alto Rendimiento des mexikanischen Fussballverbands wieder.

Dabei unterstrich Ellis die Worte ihrer Schülerin. "Ich konnte mich noch genau an die Anfänge meiner Karriere erinnern", so die Trainerin des amtierenden Weltmeisters, "und damit auch an die Momente, in denen ich Hilfe gebraucht hätte. Ich hatte zu meiner Zeit nicht das Glück, sonderlich viele Vorbilder unter den Trainerinnen und Trainern von Frauenmannschaften zu haben, erst recht nicht international. In Monicas Fall habe ich mich daher entschieden, ihr bei bestimmten Entscheidungen in ihrer Karriere zu helfen."

© Getty Images

Die Trainerinnen

Mentorin: Jill Ellis

Trainerin der Frauen-Nationalmannschaft der USA (Alter: 52)

Schülerin: Mónica Vergara

Trainerin der mexikanischen U-20-Auswahl der Frauen (Alter: 35)

  • War 15 Jahre lang als Profifussballerin aktiv
  • Nahm schon mit 16 Jahren an der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 1999 teil.
  • 2018 in Uruguay wurde sie zur ersten Frau auf der Bank einer mexikanischen Mannschaft bei einer WM
© FIFA.com

Schon sechs Monate nach Beginn des Abenteuers begann die Initiative, Früchte zu tragen. "Dieses Programm ist außergewöhnlich. Ich finde sogar, alle Unternehmen und Organisationen sollten dieses Modell einführen, denn es ist sehr wichtig, jemanden zu haben, dem man nacheifern kann, auf den man sich stützen und mit dem man Dinge bereden kann", erklärt Ellis.

Vergara ergänzt: "Jill ist ein unglaublich toller Mensch, total offen. Sie gibt ihre Erfahrungen zu allen Themen weiter. Wir haben ein sehr ehrliches und natürliches Verhältnis. Ich bin fasziniert und sehr dankbar. Ich bin diejenige, die das größere Glück hatte."

Siehe auch

Was ist das Trainerinnen-Mentorenprogramm der FIFA?

Gemeinsames Ziel

Die USA und Mexiko pflegen eine der größten sportlichen Rivalitäten der Welt. Angesichts dessen ist es beinahe unvorstellbar, dass zwei Trainerinnen sich so gut verstehen können. Doch die Amerikanerin und die Mexikanerin beweisen das Gegenteil.

"Immer, wenn man auf den Platz geht, gibt es Rivalität, unabhängig vom Gegner. Aber abseits des Platzes geht es überall im Frauenfussball sehr kollegial zu. Man tauscht sich durchaus auch aus. Für den Frauenfussball kann das nur gut sein", findet Vergara.

Ellis stimmt zu: "Auf dem Platz können die Rivalitäten schon mal sehr intensiv sein, aber es gibt auch viele wichtige Dinge abseits des Platzes. Ich bin sehr stolz auf die Zusammenarbeit mit Monica und den Kontakt zu Mexiko. Meine Tochter ist hier geboren. Umso mehr bedeutet es mir, in diesem Land geschätzt zu werden. Mexiko und die USA gehören beide zur CONCACAF. Wenn wir also der Region helfen, sich weiterzuentwickeln, ist das für alle gut, denn je stärker die Gegnerinnen, desto größer die Fortschritte."

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