Frauenfussball

Dodd: Frauenfussball bietet enorme Möglichkeiten

Moya Dodd, AFC Vice-President speaks during the 63th FIFA Congress.
© Getty Images

Die FIFA-Arbeitsgruppe für Frauenfussball wurde im letzten Jahr gegründet, um eine weitblickende Strategie für die Zukunft des Frauenfussballs zu entwickeln. Die Arbeitsgruppe ermittelte zehn zentrale Grundsätze für die Entwicklung des Frauenfussballs, die vom FIFA-Exekutivkomitee diskutiert und anerkannt wurden. Moya Dodd, Vorsitzende der Arbeitsgruppe und hinzugewähltes Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees sowie Vizepräsidentin des AFC, sprach mit FIFA.com über die vorgeschlagenen Grundsätze, die Fortschritte, die das Komitee gemacht hat, und den weltweiten Wachstum des Frauenfussballs.

*Die Arbeitsgruppe Frauenfussball hat zehn Grundsätze für die Entwicklung des Frauenfussballs erarbeitet. Können Sie uns einen allgemeinen Überblick über einige der Hauptbereiche geben? *Die wichtigsten Themen betreffen das Erkennen der enormen Möglichkeiten, die der Frauenfussball bietet, und die Konzentration darauf, wie diese genutzt werden können. Der Männerfussball ist so groß und etabliert, dass der Frauenfussball daneben wie eine kleine zusätzliche Aktivität anmutet, die nicht viel Aufmerksamkeit erregt. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um das beste Spiel der Welt, und nur die Hälfte der Bevölkerung ist beteiligt. Es ist, als ob man Coca-Cola nur an Männer verkaufen würde – man würde eine Riesenchance vergeben. Deshalb sind die Einbeziehung und die Entwicklung eines aufstrebenden Marktes im Frauenfussball wichtige Themen dieser Grundsätze.

*Welche Bereiche oder Innovationen, die in die zentralen Grundsätze aufgenommen wurden und dazu beitragen können, den Frauenfussball auf eine neue Stufe zu heben, liegen Ihnen besonders am Herzen? *Ein Gedanke ist, dass der Fussball überall gleichermaßen zugänglich für Mädchen wie für die Jungs sein sollte. Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn jedes Mädchen auf der Welt ihrem Alter, Ehrgeiz und ihren Fähigkeiten gemäß Basisfussball spielen könnte. Der Anteil der Mädchen würde enorm wachsen, und das technische Niveau würde sehr schnell steigen.

Ein weiterer Punkt ist, dass jeder Mitgliedsverband einen spezifischen Plan für den Frauenfussball haben sollte, um die Möglichkeiten nutzen zu können. Dieser Sport verdient es, in jedem Mitgliedsverband ein ordentliches Programm zu haben. Es sind weder genügend Frauen im Fussball involviert noch genügend Strukturen und Programme für den Frauenfussball in Kraft.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Frauen unserer Meinung nach unter den Entscheidungsträgern stärker vertreten sein sollten, unter anderem im Exekutivkomitee, in den Mitgliedsverbänden usw. Die FIFA selbst hat dies getan, und der FIFA-Präsident unterstützt dies weiterhin sehr. Es gibt viele Studien, die zeigen, dass die Geschlechtervielfalt positive Auswirkungen hat, und das gilt auch für den Fussball. Einige Mitgliedsverbände haben dies natürlich schon getan, und das aus guten Gründen.

*Wie wichtig ist es, alle Mitgliedsverbände an Bord zu holen, und welche Herausforderungen gibt es diesbezüglich zu bewältigen? *Es ist sehr wichtig. Deshalb konzentrieren wir uns zuerst auf die Ebene der Grundsätze, denn jeder Mitgliedsverband ist in seiner Situation und Kultur einzigartig und kann diese Prinzipien dementsprechend übernehmen und anwenden. Gleichzeitig spielt die FIFA eine wichtige Rolle – unsere Wettbewerbe und die Mittel unserer Entwicklungs- und anderer Abteilungen sind dazu da, um zu helfen. Doch dies muss im Kontext eines klaren Plans geschehen, damit alle Aktivitäten gut koordiniert und effizient sind.

Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Mitgliedsverbände die großartigen Möglichkeiten des Frauenfussballs bereits erkennen und den Sport fördern wollen, doch häufig fehlt es ihnen am Fachwissen und an den Mitteln. Die Grundsätze sollen dabei helfen, diese Erkenntnis in Handlungen zu überführen, so dass wir den Fortschritt gemeinsam beschleunigen können.

*Können Sie uns den Prozess der Anerkennung der zentralen Grundsätze erklären? *Die Prinzipien entstanden in den Diskussionen und Beratungen innerhalb der Arbeitsgruppe und mit verschiedenen Interessenvertretern, anschließend wurden sie der Kommission für Frauenfussball und die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ zur Beratung und Zustimmung vorgelegt. Im März präsentierte ich sie – mit der Unterstützung meiner weiblichen Kolleginnen im Exekutivkomitee – dem FIFA-Exekutivkomitee. Es wurde vereinbart, dass die Grundsätze anerkannt werden und dem FIFA-Kongress im Juni zur Information vorgelegt werden. Ich bin für die Unterstützung durch unsere Kollegen im Exekutivkomitee sehr dankbar und habe viele positive Reaktionen aus der Fussballfamilie weltweit erhalten, die die Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass der Frauenfussball an oberster Stelle der Tagesordnung steht. Ich hoffe, dass es im Juni in Sao Paulo einen weiteren historischen Tag für die Frauen geben wird.

*Welche Themen sollte sich die Arbeitsgruppe unter anderem ansehen? *
Es sind viele Themen. Wir haben uns angesehen, wie wir mehr Führungspersonen für den Frauenfussball gewinnen können, insbesondere unter ehemaligen Spielern, die Engagement zeigen und Erfahrung haben, sowie unter weiblichen Trainerinnen, die sichtbare Anführerinnen und Vorbilder sind. Wir haben darüber nachgedacht, wie wir große Veranstaltungen des Spitzenfussballs besser kommerzialisieren und vermarkten können, was heutzutage für Rundfundveranstalter und die Fans sehr interessant ist. Wir arbeiten mit den Experten in der FIFA-Verwaltung an diesen und mehr Problemen. Der Frauenfussball existiert und wächst schnell, hat aber sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Wir können mit Initiativen, die sich der Strukturen, Strategien und Ressourcen annehmen, schnell Verbesserungen herbeiführen.

Es gab auch eine sehr leidenschaftliche Diskussion darüber, wie der Fussball der Gesellschaft etwas zurückgeben kann, besonders den Frauen und Mädchen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Frauen im Fussball und der Frauenfussball in vielen Teilen der Welt nach wie vor Diskriminierung erleiden. Indem wir diesen Sport für Frauen wirklich zugänglich machen, senden wir eine tiefgreifende Botschaft an die Welt, dass in unserem Sport keine Frau aufgrund ihres Geschlechts Diskriminierung oder Benachteiligung erfahren wird. Das macht den Fussball nicht nur zu einer führenden Sportart, sondern auch führend in der Gesellschaft.

Die Arbeitsgruppe ist noch im Anfangsstadium, und wir wollten damit beginnen, eher Grundsätze festzulegen als zu versuchen, oberflächliche Probleme zu lösen. Doch wir sind sehr daran interessiert, unsere Arbeit fortzusetzen und die verschiedenen Konzepte, die wir erarbeitet haben, weiterzuentwickeln.

*Sie sind schon lange im Frauenfussball dabei und Zeugin vieler Veränderungen geworden. Wie aufregend waren die vergangenen Jahre für das Wachstum des Frauenfussballs? *Der Frauenfussball ist bezüglich der weltweiten Organisation eigentlich ein recht junger Sport. Das erste Frauenturnier der FIFA fand 1988 statt. Seitdem gab es ein exponentielles Wachstum. Ich war bei diesem ersten Turnier dabei und spielte vor Tausenden von Schulkindern, die zum Zuschauen eingeladen wurden. Heute füllt die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Stadien mit zahlenden Kunden und hat Millionen TV-Zuschauer. Es ist wirklich aufregend zu sehen, wie sich das Spiel für die Fans entwickelt. Denn das bedeutet, dass wir Sponsoren und Einnahmen gewinnen, die es uns ermöglichen, aus dem Sport ein professionelles Vorzeigeprojekt zu machen, so dass jedes kleine Mädchen auf der Welt davon träumen kann, Fussballspielerin zu werden.

Wir erkennen die Anfänge dessen, was sich im Männerfussball bereits entwickelt hat – Profiligen, Spieleragenten, Transferverhandlungen, Probleme mit dem Länderspielkalender der Frauen. Doch gleichzeitig gibt es Frauen, die nicht Fussball spielen dürfen oder für ihre Liebe zu diesem Sport bestraft oder innerhalb der Fussballorganisationen einfach nicht integriert und unterstützt werden. Das ist es, was mich antreibt. Die Dinge waren noch nie besser, doch ich wache jeden Tag in dem Wissen auf, dass noch sehr viel getan werden muss, um unseren Sport weiterzuentwickeln. Es ist eine sehr aufregende Zeit, um im Frauenfussball tätig zu sein.

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