Frauenfussball

Carpenter an der Spitze der Brigade des 21. Jahrhunderts

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Mit zunehmendem Alter scheinen Ärzte und Polizisten immer jünger zu werden. Dasselbe könnte man auch in Bezug auf Fussballer sagen. Die letzte Addition zu Australiens Frauen-Nationalmannschaft dürfte diesen Eindruck noch verstärken. Ellie Carpenter wurde nämlich im Jahr 2000 geboren und ist im Männer- und Frauenbereich die erste, die das Licht der Welt im 21. Jahrhundert erblickt hat. 

Die Spielerin hat gerade wilde neun Monate hinter sich. Selbst die Tatsache, dass sie im letzten Jahr für den W-League-Kader der Western Sydney Wanderers ausgewählt wurde, war für Carpenter nach eigenen Angaben ein Schock. Als dann im Februar ihre Nominierung für die Nationalmannschaft bekannt wurde, war die damals 15-Jährige vollkommen verblüfft. Nun könnte die Nachwuchsspielerin im August möglicherweise sogar an den Olympischen Spielen teilnehmen.

Da versteht es sich von selbst, dass Carpenter auf dem Schulhof für Furore sorgt. Sie geht in die zehnte Klasse und hat noch zwei Jahre vor sich. Dabei handelt es sich bei ihrer Schule, der Westfields Sports High, um eine Einrichtung, die zahlreiche Nationalspieler und -spielerinnen zu ihren Absolventen zählt, allen voran Harry Kewell.

Doch es hätte auch alles ganz anders kommen können. Tatsächlich hätte Carpenter durchaus auch als Kurzstreckenläuferin bei der Olympiade in Rio antreten können. In der Grundschule war sie nämlich eine talentierte Leichtathletin und gewann Medaillen auf nationaler Ebene. Doch dann entschloss sie sich, die Laufschuhe gegen Fussballschuhe einzutauschen. Und eine weitere große Entscheidung erwies sich als ausschlaggebend.

Die große Chance
Carpenter wuchs auf einer Farm 400 Kilometer westlich von Sydney auf. Die Möglichkeiten für die weitere Entwicklung waren in Cowra gegrenzt, und so trafen die 11-jährige Elli und die Familie Carpenter die mutige Entscheidung, in die Großstadt zu ziehen. "Der Umzug war wirklich hart, es war eine enorme Veränderung", so Carpenter im Gespräch mit FIFA.com. Sie befindet sich gerade mit den Matildas im Trainingslager, wo sich das Team auf die letzten beiden Heimspiele vor Rio 2016 gegen Neuseeland vorbereitet. "Meine Eltern haben mich die ganze Zeit unterstützt, und glücklicherweise ist alles gut gegangen."

Carpenter gab ihr Länderspieldebüt im März anlässlich eines AFC-Qualifikationsspiels für das Olympische Fussballturnier der Frauen. Ihre Reaktion auf die erste Nominierung für das Team in den grün-goldenen Trikots grenzte schon an Fassungslosigkeit. "Ich hatte noch nicht einmal damit gerechnet, diese Saison für die Wanderers aufzulaufen, daher war ich etwas geschockt und überwältigt", meint Carpenter rückblickend.

"Ich war in der Schule, als ich meinen Namen in einer E-Mail [zur Nominierung] las und dachte: 'Stimmt das wirklich oder haben die sich vertan?' Auf dem Weg ins Trainingslager war ich total nervös, aber die Mädels waren sehr hilfsbereit und einige haben mich unter ihre Fittiche genommen. Vor etwa sechs Monaten habe ich noch ehrfürchtig zu ihnen allen aufgeblickt. Das Ganze war also ziemlich unwirklich."

Carpenter war ursprünglich als Reservistin ausgewählt worden. Doch dann hatte das Schicksal erneut seine Hand im Spiel. Aufgrund eines verletzungsbedingten Ausfalls rückte sie an dem Tag, an dem sie eigentlich die Heimreise antreten sollte, doch noch in den endgültigen Kader. "Meine Gefühle fuhren Achterbahn", so Carpenter. "Ich war vor meinem ersten Spiel nervös, doch Staj [der australische Nationaltrainer Alen Stajcic] hat alles mit mir durchgesprochen und dafür gesorgt, dass ich ruhig und zuversichtlich in die Partie ging. In der Kabine war ich etwas emotional, aber es war ein tolles Gefühl."

"Meine Follower auf *Twitter *haben sich zwischen An- und Abpfiff des Spiels verdoppelt", fügt Carpenter lachend hinzu. "Es war auf jeden Fall etwas merkwürdig, danach wieder zur Schule zu gehen."

Die Verteidigerin ist unglaublich schnell, was zum Teil auf ihre Vergangenheit in der Leichtathletik zurückzuführen ist. Doch kann sie mit den pfeilschnellen Akteurinnen in einem Team mithalten, das sich in dieser Hinsicht bereits einen Namen gemacht hat? "Ich gehe mal davon aus, dass ich mit Lisa De Vanna und Caitlin Foord mithalten kann", meint Carpenter gut gelaunt.

Ob es tatsächlich zur Teilnahme an den bevorstehenden Olympischen Spielen in Rio kommt, bleibt abzuwarten. Es dürfte allerdings feststehen, dass eine lange und erfolgreiche Karriere auf die Spielerin wartet. "Es war immer mein Traum, einmal bei der Olympiade dabei zu sein. Diesen Traum träumt wohl jeder Sportler. Es wäre einfach unglaublich, Olympiateilnehmerin zu sein. Das ist etwas, das einem niemand mehr nehmen kann."

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