50 Jahre Frauenfussball in der Schweiz

Boll: "Der Weg war lang und schwierig"

Madeleine Boll (1965)
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  • Am 24. April 1970 wurde die Schweizerische Damenfussball-Liga (SDFL) gegründet
  • Die Nationalmannschaft bestritt 1972 ihr erstes offizielles Länderspiel
  • "Ich habe keinen Grund gesehen, warum Frauen oder Mädchen nicht Fussball spielen sollten"

Am 7. Mai 1972 fand das erste offizielle Länderspiel der Schweizer Frauen-Nationalmannschaft statt. Damals trennte man sich in Basel mit einem 2:2-Unentschieden von Frankreich. Seitdem hat das Team 329 Spiele absolviert, erreichte bei seiner WM-Premiere in Kanada 2015 das Achtelfinale, nahm 2017 erstmals an einer Europameisterschaft teil und belegt in der Qualifikation für die nächste EM Platz zwei in Gruppe H – punktgleich hinter Belgien.

Doch wie fing eigentlich alles an? Bereits Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre entstanden die ersten eigenständigen Frauenfussballvereine in der Schweiz. Der erste und bis dato erfolgreichste von ihnen, der Damenfussball-Club Zürich (heute FC Zürich), wurde am 21. Februar 1968 ins Leben gerufen. Rund zwei Jahre später am 24. April 1970 gründeten die Klubverantwortlichen aus der Deutschschweiz und der Romandie die Schweizerischen Damenfussball Liga (SDFL).

Einer der Gründungsmitglieder und großer Unterstützer war Ueli Bayer, der die Aufgabe des Sekretärs übernahm. "Ich habe keinen Grund gesehen, warum Frauen oder Mädchen nicht Fussball spielen sollten. Und als ich die Not der Leute gesehen habe, die mithelfen, habe ich mich dazu entschieden, es zu machen und mitzuhelfen. Ich hatte das Glück einen Arbeitgeber zu haben, der mich sogar unterstützt hat. Es hat eigentlich nie irgendwelche Probleme gegeben, dass ich mal mehrere Stunden weg gewesen oder zu einem Länderspiel gereist bin. Dafür bin ich heute noch dankbar", erklärt der heute 73-Jährige auf der Internetseite des Schweizer Fussballverbandes (SVF) und berichtet im Anschluss über die Anfänge der Liga.

"Die Mannschaften sind vorwiegend von Freunden oder Eltern der beteiligten Spielerinnen geführt und gefahren worden. Auch die finanziellen Sorgen haben sie erledigt. So war es auch bei uns in der Damenfussball-Liga. Wir hatten eigentlich kein Geld. Wir hatten keine Sponsoren und man hat vieles aus der eigenen Tasche bezahlt. Aber es ist immer vorwärts gegangen und immer besser geworden."

Eckdaten

  • Am 24.April 1970 wurde die Schweizerische Damenfussball-Liga (SDFL) gegründet
  • Die erste offizielle Meisterschaft der Frauen wurde 1970/71 ausgetragen
  • Die SDFL fügte 1975/76 einen Pokalwettbewerb hinzu
  • Die höchste Spielklasse wurde 1987/88 erstmals Nationalliga genannt
  • Drei Jahre später (1990/91) wurde die Nationalliga B geschaffen
  • 1992/93 wurde die SDFL aufgelöst und in den Schweizerischen Fussballverband (SFV) integriert
  • Mit 21 Meister- und 13 Pokaltiteln ist der FC Zürich (ehemals SV Seebach Zürich und FFC Zürich Seebach) der erfolgreichste Verein

Als eine der Pionierinnen zählt Madeleine Boll, die erste lizenzierte Schweizer Fussballspielerin überhaupt. Grund dafür? Beim SVF hatte man sie damals aufgrund eines Fotos für einen Jungen gehalten. "Ich habe das Fussballspielen nicht gewählt. Ich habe schon immer Fussball gespielt. Schon als ich klein war, habe ich gespielt. Ich war einfach glücklich, wenn ich einen Ball hatte", beschreibt Boll ihre Leidenschaft für das runde Leder in einer Dokumentation des SRF (Schweizer Radio und Fernsehen): "Belächelt, beschimpft, bejubelt – 50 Jahre Frauenfussball in der Schweiz."

Als die Medien 1965 auf sie aufmerksam wurden, annullierte der Verband ihre Lizenz umgehend, da Fussball für Spieler des weiblichen Geschlechts in den Statuten nicht vorgesehen sei. "Es war eine Katastrophe, und ich habe es nicht verstanden. Ich habe die ganze Zeit mit den Knaben gespielt und auf einmal durfte ich keine Matches mehr bestreiten?" Ihre Liebe für den Fussball konnte der heute 66-Jährigen jedoch keiner nehmen und im Jahr 1969 wurde ihr Traum Wirklichkeit, als ein Frauenfussballklub in Mailand Verstärkung suchte. Mit gerade einmal 16 Jahren wechselte sie nach Italien, wo sie liebevoll Montagna Bionda (der "blonde Berg") genannt wurde, und spielte dort fünf Jahre in Mailand.

"Ich habe früh aufgehört, mit 25. Und rückblickend finde ich, der Weg war lang und schwierig", so Boll und fügt abschließend hinzu: "Die Frauen müssen ermutigt werden, sich zu engagieren – sei es als Trainerin, Schiedsrichterin oder Funktionärin im Verein. Es gibt noch viel zu tun, aber wir sind auf dem Weg."

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