Nepal

Bhandari: Der Fussball hat mein Leben völlig verändert

Nepal women's national team striker Sabitra Bhandari
© Others
  • Die 23-jährige Sabitra Bhandari ist die erfolgreichste Torschützin Nepals
  • In Indien schoss sie zwei Klubs zu Meistertiteln
  • Bhandari träumt davon, mit Nepal in Südasien Erfolge zu feiern und in Europa zu spielen

Sabitra Bhandari hat im Alter von 23 Jahren einen ihrer größten Kindheitsträume wahr gemacht. Und noch viel mehr.

Vor wenigen Jahren spielte die junge Akteurin noch barfuß in einem kleinen Dorf im Distrikt Lamjung in Nepal mit den Nachbarskindern. Der Ball bestand aus alten Socken und anderen Lumpen, doch dies konnte sie nicht vom Träumen abhalten. Bhandari wollte unbedingt im Nationalteam spielen, an der Seite ihrer Idole Anu Lama und Jamuna Gurung.

Mittlerweile ist sie selbst ein etabliertes Teammitglied geworden. Und sie hat ihre beiden früheren Idole sogar hinter sich gelassen. Denn Bhandari, die im vergangenen Monat ihren 23. Geburtstag feierte, ist mit 34 Toren in 38 Länderspielen bereits Rekordtorschützin Nepals.

"Als ich jung war, hörte ich immer wieder im Radio, dass Lama oder Gurung mal wieder ein Tor für unser Nationalteam erzielt hatten", erzählt die junge Spielerin im Interview mit FIFA.com. "Dabei reifte in mir der Traum heran, eines Tages an deren Seite zu spielen. Als ich dies erreicht hatte, setzte ich mir als nächstes das Ziel, einen neuen Rekord als Torjägerin aufzustellen, und auch das habe ich erreicht."

"Ehrlich gesagt hätte ich nicht damit gerechnet, dass dies alles so schnell passieren würde. Doch jetzt lasten auch eine größere Verantwortung und höhere Erwartungen auf meinen Schultern. Natürlich werde ich versuchen, dem gerecht zu werden."

Als Bhandari noch mit ihren Eltern und fünf Geschwistern in ihrem kleinen Heimatdorf lebte, wagte niemand auch nur davon zu träumen, was sie alles erreicht hat. Doch ein Mädchenturnier 2014 war für sie der Wendepunkt.

Bhandari schloss das Turnier als beste Torjägerin ab. Mit ihren Leistungen beeindruckte sie einen Schiedsrichter, der ihr ein Probetraining beim Nepalesischen Polizeiklub APF verschaffte. Prompt verdiente sie sich einen Vertrag bei dem Spitzenklub aus Kathmandu. Damit kam die Karriere der bis dahin barfuß spielenden Bhandari erst ins Rollen.

"Ich hatte meine Eltern nie um ein paar Fussballschuhe gebeten", so Bhandari, "denn ich wusste, dass meine Familie sich das nicht leisten konnte.Doch als ich für den Nepalesischen Polizeiklub spielte, änderte sich alles. In meinem Heimatdorf hatte ich ja nie richtiges Fussballtraining, doch bei APF habe ich dann große Fortschritte gemacht."

"Bei dem Klub spielen viele Nationalspielerinnen, darunter auch meine Idole Lama und Gurung. Es war für mich eine großartige Erfahrung, mit ihnen zu spielen und zu trainieren. Sie haben mir sehr viel beigebracht."

Im gleichen Jahr wurde Bhandari in Nepals Team für die Südasienmeisterschaft 2014 berufen und kam gegen Bhutan zu ihrem Debüt. Die 17-Jährige setzte damals den Schlusspunkt beim 8:0-Sieg gegen das Nachbarland.

"Ich hatte nicht damit gerechnet, an diesem Tag überhaupt zu spielen. Rund fünf Minuten vor Schluss wurde ich für Krishna Khatri eingewechselt. Zwei Minuten später schoss ich mein Tor! Ich hatte viele Jahre davon geträumt, für Nepal Tore zu schießen. Das Gefühl bei diesem Tor war mit nichts Anderem vergleichbar. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment zurückdenke."

2014 hatte noch kaum jemand Bhandari gekannt, doch bei der nächsten Turnierauflage zwei Jahre später hatte sich das gründlich geändert. Bhandari stieß 2016 mit Nepal bis in die Runde der letzten Vier vor und schloss die Regionalmeisterschaft mit zwölf Treffern als Torschützenkönigin ab.

Bei der SAFF-Meisterschaft 2019 im eigenen Land reichte es sogar zum Finaleinzug und Bhandari teilte sich den Titel der besten Torjägerin mit einer Konkurrentin. Mit der 1:3-Niederlage gegen Indien zerplatzte allerdings die Hoffnung auf den ersten Titelgewinn.

"Wir haben im eigenen Land gut gespielt", fasst sie zusammen. "Doch wir haben das Finale verloren und wissen somit, dass wir unseren Weg noch nicht zu Ende gegangen sind.Ich persönlich habe mich in den letzten Jahren sehr gesteigert. Aber meine persönlichen Erfolgsbilanzen und Rekorde bedeuten mir erst dann etwas, wenn wir das beste Team unserer Region geworden sind."

Trotz der Finalniederlage blieb Bhandaris enorme Torgefährlichkeit natürlich nicht verborgen. Und so wurde sie im vergangenen Jahr vom indischen Klub FC Sethu verpflichtet, mit dem sie prompt den Titel in der indischen Frauenliga gewann.

Auch nach ihrem Wechsel zum FC Gokulam Kerala in dieser Saison blieb sie torgefährlich wie eh und je und brachte es auf 31 Tore, darunter nicht weniger als fünf Hattricks. Damit schoss sie auch ihren neuen Klub zum Meistertitel.

"Ich habe in Indien sehr viel gelernt", so Bhandari. "Es war eine ganz neue Erfahrung für mich, monatelang regelmäßig Spiele zu bestreiten. Ich hatte das große Glück, viel beitragen zu können und habe mit zwei verschiedenen Klubs die Meisterschaft gewonnen. Dabei war jeweils die Leistung des gesamten Teams ausschlaggebend."

Doch diese beiden Titel haben Bhandaris Erfolgshunger noch nicht gestillt.

"Mein wichtigstes Ziel ist es, weiter hart zu trainieren und Nepal zu helfen, Meister in Südasien zu werden", so ihre Ansage. "Was den Klubfussball angeht, so denke ich darüber nach, meine Karriere nach Möglichkeit in Europa fortzusetzen, wenn sich dazu eine Gelegenheit ergibt."

"Der Fussball hat mein Leben völlig verändert. Früher kannte mich niemand, doch nun habe ich mir dank des Fussballs einen Namen gemacht. Das Land glaubt an mich und ich bin stolz darauf, dass ich als Fussballerin meines Landes bekannt geworden bin."

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