Frauenfussball

Australiens Pionierinnen schreiben Geschichte

The Australia women's football team played their first match in 1979
© Others
  • Australiens Frauen-Nationalteam feiert sein 40-jähriges Bestehen
  • Spielerinnen organisierten 1979 für das erste Spiel Werbung in Eigenregie
  • "Es ist wichtig, dass die Geschichte anerkannt wird"

Als Australien bei der jüngsten Auflage der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ auflief, hatte das Team viele Betreuer, die Unterstützung einer ganzen Nation und ein unglaubliches TV-Publikum hinter sich – mit Einschaltquoten, die sogar Cricket in den Schatten stellten. Vor vier Jahrzehnten, als das Nationalteam am 6. Oktober 1979 aus der Taufe gehoben wurde, war so etwas noch völlig unvorstellbar und wäre als aberwitziges Hirngespinst abgetan worden.

Es wäre eine kolossale Untertreibung zu sagen, dass das Team damals improvisieren musste. Die erste Partie fand im Seymour Shaw Park, dem Stadion des lokalen Klubs Sutherland Sharks im Süden Sydneys statt. Der Gegner hieß Neuseeland. Die Haupttribüne bestand aus einigen Reihen selbstgezimmerter Gerüstbohlen, und das Spielfeld war nach einem langen Football-Winter ebenfalls eine unwegsame Angelegenheit.

Medieninteresse war praktisch nicht vorhanden. Tatsächlich blieb Marketing, Organisation und auch alles, was mit Ausrüstung und Spielmaterial zu tun hatte, weitgehend den Spielerinnen selbst überlassen. Einige von ihnen verteilten in der Woche vor dem Spiel Flyer bei lokalen Vereinen und in Briefkästen. Am Ende waren nur wenige Hundert Menschen dabei, viele von ihnen Freunde und Verwandte, als etwas ganz Besonderes aus der Taufe gehoben wurde.

Die Spielerinnen nähten das Landeswappen selbst auf die Trikots, und mindestens eine Akteurin bereitete sich mit einer Frühschicht im örtlichen Supermarkt auf die Partie am Samstagnachmittag vor.

Für die Statistik: Sandra Brentnall erzielte den historischen ersten Treffer, als die Aussies sich mit einem 2:2-Unentschieden von den Kiwis trennten und damit den Grundstein für eine langjährige Rivalität in Down Under legten.

Laut Julie Dolan, an diesem Tag Spielführerin der australischen Auswahl, waren die Spielerinnen sich damals gar nicht bewusst, dass hier etwas ganz Besonderes entstand, als sie sich auf ihr erstes Spiel in Grün und Gold vorbereiteten.

"Ich habe viel Energie dafür aufgewandt, etwas Werbung für das Spiel und den Frauenfussball zu machen", so Dolan. "Dann war der Spieltag da, und wir haben gespielt. So einfach war das."

"Wir waren dadurch natürlich nicht weniger aufgeregt und begeistert, denn schließlich spielten wir für unser Land. Aber für die Allgemeinheit hatte das Spiel keinerlei Bedeutung." 

"Meine Eltern, ein paar Freunde und einige Neugierige waren bei diesem ersten Länderspiel dabei."

Australiens erste Spielführerin hat für diesen einzigartigen Status Anerkennung erhalten, denn die Auszeichnung der Spielerin des Jahres in der W-League und ehemaligen National Women's Soccer League wurde nach ihr benannt. 

"Ohne Geschichte bist du praktisch nichts", meint sie. "Es ist wichtig, dass die Geschichte anerkannt und bekannt gemacht wird."

Dolan und die Generation von 1979 freuen sich natürlich über den aktuellen Erfolg der Matildas – ein Spitzname, der im Übrigen erst in den 1990er Jahren entstanden ist. In den letzten Jahren hat das Team in jeder Hinsicht enorme Fortschritte gemacht, die Spielerinnen genießen ein hohes öffentliches Ansehen, zahlreiche Zuschauer strömen zu den Heimspielen in die Stadien, und im Trophäenschrank befindet sich mittlerweile ein Siegerpokal der Asienmeisterschaft.

"[Über Jahrzehnte] wurde immer weiter aufgebaut, und dann kam plötzlich der große Durchbruch", so Dolan. "Die letzten paar Jahre waren ein ganz schöner Brummer."

 "Es ist super für den Sport und den Frauensport, dass das Team so hohes Ansehen genießt. Die Namen der Spielerinnen sind schon fast in aller Munde. Damit hätte wohl kaum jemand gerechnet."

Und alles begann mit fast nichts – außer einer großen Portion Leidenschaft und Stolz.

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