Frauenfussball

Zwei Schwestern aus Malawi sorgen in China für Furore

Malawi women's national team captain Tabitha Chawinga(L) and her sister Temwa Chawinga
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  • Die malawischen Nationalspielerinnen Tabitha und Temwa Chawinga sind Schwestern
  • Sie machten sich in Schweden einen Namen und spielen jetzt in der VR China
  • Temwa schoss Wuhan in der Super League zum Meistertitel

Am Sonntag stieg in der chinesischen Super League der Frauen das entscheidende Spiel um die Meisterschaft zwischen Wuhan Jianghan University und Jiangsu Suning.

Und dabei stand ein Geschwisterduell im Mittelpunkt. Fans und Medien gleichermaßen blickten auf zwei Schwestern aus Malawi. Tabitha Chawinga ist mit 24 Jahren die ältere der beiden. Mit sieben Treffern ist sie zudem die erfolgreichste Torjägerin von Jiangsu. In der vergangenen Saison hatte sie mit Jiangsu den Gewinn des Meistertitels gefeiert und war Torschützenkönigin der Liga geworden. Sie war fest entschlossen, den Titel zu verteidigen.

Ihre jüngere Schwester Temwa ist mit 22 Jahren ein aufstrebender Star. Sie kam erst Anfang des Jahres zu Wuhan in die VR China, nachdem sie zuvor zwei erfolgreiche Jahre in Schweden gespielt hatte. Trotz der langen Spielpause wegen COVID-19 hatte Temwa zum Saisonauftakt Anfang August offenbar nichts von ihrer Torgefährlichkeit eingebüßt und trug mit acht Toren zur Tabellenführung Wuhans bei.

Jiangsu Suning's Malawi forward Tabitha Chawinga attemps to dribble through two Wuhan Jianghan University players
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Die Bühne war somit bereitet für einen Showdown zwischen den beiden chinesischen Spitzenteams mit ihren Starstürmerinnen. Es war Temwa, die zuerst traf: In der 27. Minute überwand sie die gegnerische Torhüterin mit einem Heber und brachte Wuhan in Führung. Tabitha reagierte prompt. Wenige Minuten später holte sie einen Elfmeter für Jiangsu heraus, musste dann aber mit ansehen, wie eine Mitspielerin verschoss.

Wuhan ließ im weiteren Spielverlauf nichts mehr anbrennen. Mit zwei weiteren Toren und noch einem Eigentor in der zweiten Halbzeit feierte das Team einen beeindruckenden 4:0-Sieg und sicherte sich damit erstmals den Titel in der Super League der Frauen.

"Unser Team hat eine glänzende Leistung gezeigt", freute sich Temwa nach den Jubelfeiern am Mikrofon von FIFA.com. "Ich habe zwar das erste Tor erzielt, doch der Dank dafür gebührt meinen Mitspielerinnen. Ohne ihre starke Unterstützung hätte ich nicht so gut spielen können."

"Auch unsere Gegnerinnen haben gut gespielt und meine Schwester konnte einmal mehr ihr Talent zeigen", fügte sie hinzu. "Sie war früher immer mein Vorbild."



Malawi forward Temwa Chawinga (in the middle of second row)and her teammates of Wuhan Jianghan University celebrate after winning the 2020 Chinese Women's Super League title on 11 October, 2020
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Schwesterliche Empfehlung

Tabithas Einfluss ist an Temwas Karriere deutlich abzulesen, die stets in die Fußstapfen der älteren Schwester trat. Die beiden Schwestern (insgesamt gibt es fünf Töchter in der Familie) erbten die Leidenschaft für den Fussball von ihrem Vater.

Als Kinder spielten sie mit den Jungs aus der Nachbarschaft. Tabitha war die erste, die einen Schritt hin zu einer Profikarriere machte, als sie schon mit 13 Jahren einen Vertrag bei DD Sunshine aus Lilongwe unterschrieb. Auf ihr Anraten hin nahm der Klub dann 2013 auch ihre Schwester unter Vertrag.

"Das habe ich nicht gemacht, weil sie meine Schwester ist, sondern weil ich ihr Potenzial kenne", stellte Tabitha gegenüber FIFA.com klar. "Ich wollte, dass auch Temwa ihr Glück bei einem großen Klub versuchen kann, um sich mental und technisch zu verbessern."

Tabitha war ihrer Schwester erneut einen Schritt voraus, als sie 2014 nach Schweden ging und sich dem Drittligisten Krokom/Dvarsatts IF anschloss. Damit wurde sie zur ersten Spielerin aus Malawi bei einem europäischen Klub. Ein Jahr darauf wechselte sie zum Zweitligisten Kvarnsvedens IK. In ihrer ersten Saison dort traf sie sage und schreibe 43 Mal und trug damit maßgeblich zum direkten Aufstieg ihres Teams in die erste Liga bei.

Ihre starken Leistungen brachten ihr 2017 einen Wechsel in die VR China ein. Die Führung ihres schwedischen Klubs suchte händeringend nach einem ähnlich torgefährlichen Ersatz – und Tabitha wusste sofort, wen sie empfehlen konnte …

"Ich wusste, dass auch Temwa das Zeug dazu hat, für einen großen Klub zu spielen. Und wir ähneln uns in vielen Aspekten, sowohl charakterlich als auch was die Technik angeht", sagt sie.

Auch Temwas Karriere bekam durch den Wechsel zu Kvarnsvedens einen gehörigen Schub. Sie brachte es in 57 Einsätzen in zwei Saisons für den Klub auf unglaubliche 55 Tore und folgte ihrer Schwester dann ebenfalls in die VR China.

"Ich bin eine noch sehr junge Spielerin und wollte mich in einer starken asiatischen Liga weiter entwickeln", so Temwa. "Daher bin ich nach China gegangen."


Wuhan Jianghan University's Malawi forward Temwa Chawinga takes a shot
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Große Träume mit Malawi

Der Aufstieg der Chawinga-Schwestern sorgt auch in Malawi für große Hoffnungen. Bislang konnte das Land auf der internationalen Fussballbühne noch nicht beeindrucken. Im Rahmen der Qualifikation für das Olympische Fussballturnier der Frauen 2020 zeigte sich das enorme Potenzial der beiden, als Tabitha und Temwa es beim 14:1-Gesamtsieg in Hin- und Rückspiel gegen Mosambik zusammen auf zehn Tore brachten.

"Wir haben in der ersten Runde der Qualifikation eine gute Leistung gezeigt. Es ist uns zwar nicht gelungen, noch weiter zu kommen (nach einer Niederlage gegen Kenia in der zweiten Runde), doch für uns war dies dennoch ein Durchbruch", so Temwa.

Auch Tabitha, die Spielführerin des Nationalteams, freute sich über die positiven Aspekte. "Es war unsere erste Teilnahme an einer Olympiaqualifikation und wir haben wertvolle internationale Erfahrung gesammelt", sagte sie. "Malawi hat sich noch nie für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ qualifiziert, doch dieser Wettbewerb bedeutet uns sehr viel. Er steht für unsere Hoffnungen und wenn wir alle weiterhin hart arbeiten, können wir das nötige Niveau erreichen und unsere Träume wahr machen."

Malawi women's national team captain Tabitha Chawinga(R) and her sister Temwa Chawinga
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