Entwicklung

Tschad: Fortschritt als Projekt

FIFA President Joseph S. Blatter and Mahamat Adoum, Chad's Permanent Representative to the United Nations, at the Home of FIFA in Zurich on 29 April 2013
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Es gibt über zwölf Millionen Einwohner in Tschad, und sie alle haben einen Traum: Ihre Fussball-Nationalmannschaft soll die Endrunde eines großen Turniers erreichen! Das muss noch nicht einmal die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ sein. Für den Anfang würde schon der CAF Afrikanische Nationen-Pokal genügen. Doch bislang gab es für das Team nur Enttäuschungen – sei es aus sportlichen oder administrativen Gründen.

Aber die Sportbehörden des zentralafrikanischen Landes haben sich für den Fussball zwei Wörter auf die Fahnen geschrieben: Mit vielen Projekten und mit reichlich Ehrgeiz sind Mahamoud Moctar, der Präsident des Fussballverbands, und Mahamat Adoum, der Minister für Jugend und Sport, am 29. April zur FIFA gereist. "Wir haben ein Projekt im Gepäck", erklärte Mahamoud Moctar gegenüber FIFA.com nach einem Treffen mit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. "Mit Rat und Tat von der FIFA wollen wir in unserem Land eine Entwicklung anstoßen."

Diese Entwicklung soll im Rahmen der verschiedenen Entwicklungsprogramme und Investitionsprogramme des Fussball-Weltverbands für seine Mitgliedsverbände erfolgen. Tschad hat schon in den Jahren 2002, 2006 und 2010 von drei Goal-Programmen profitiert. Dabei wurde in der Hauptstadt N'Djaména das Leistungszentrum Farcha (das erste seiner Art im Land) gebaut, das später um eine Unterkunft und dann um einen Fussballplatz ergänzt wurde.

Echte Nachwuchsförderung
Dank des Leistungszentrums kann der Fussball im Tschad nun endlich sein größtes Problem angehen. Denn ohne Leistungszentrum kann die Zukunft nicht geplant werden, und ohne Zukunftsplanung kann die von Enttäuschungen geprägte Vergangenheit nicht beendet werden. "Heutzutage braucht man von Entwicklung gar nicht erst zu reden, wenn man für die Ausbildung an der Basis kein Konzept hat", glaubt Mahamat Adoum. "Um in die Zukunft zu starten, wollen wir in enger Zusammenarbeit mit dem Verband ein Entwicklungsprogramm einrichten, das eine Nachwuchsförderung ermöglicht, die ihres Namens auch würdig ist."

Denn in Tschad ist der Fussball Sportart Nummer eins. Da ist es schwer zu akzeptieren, dass die Nationalmannschaft kontinental nur eine Statistenrolle spielt. Das soll sich ändern. Der Fussballverband des Landes will den neuen Japhet N'Doram finden, der seit seiner tollen Karriere in Frankreich bei Nantes und Monaco in den 90er Jahren Kultstatus im Land genießt. "Noch hat sich niemand aufgedrängt", räumt Präsident Moctar indes ein. "Aber wir glauben fest daran, dass es Talente vom Kaliber eines Japhet gibt, die eine Profikarriere einschlagen können. Sie werden sich zu gegebener Zeit zeigen."

Die Fans der Saos haben schon jetzt Anlass zu Optimismus, denn einige ihrer Nationalspieler sammeln derzeit Erfahrung in Europa: Azrack Mahamat war eine Zeitlang bei Espanyol Barcelona, Ezechiel Ndouassel spielt für Terek Grozny und Kapitän Marius Mbaiam für Grenoble. Karl Marx Barthelemy und Leger Djime wiederum spielen in der starken marokkanischen Liga für Difaa El Jadida. Auch dieser Generation ist es freilich nicht gelungen, in der Afrika-Zone der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ die zweite Runde zu erreichen. In der Vorausscheidung gab es eine 1:2-Heimniederlage gegen Tansania. Aufgrund der Auswärtstorregel reichte der 1:0-Sieg im Rückspiel in Dar Es Salam dann nicht zum Weiterkommen. In der Qualifikation für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2013 einige Monate zuvor hatte das Team immerhin ein 3:2 gegen Malawi erreicht.

"Wir sind sehr zufrieden und sehr stolz auf unsere Mannschaft, wissen aber auch nur zu gut, dass wir noch viel verbessern müssen", sagt ein ebenso realistischer wie optimistischer Moctar. "Wir haben unsere Defizite analysiert. Man muss aus Niederlagen die richtigen Schlüsse ziehen, wenn man weiter kommen will." Aber wohin genau will der Fussballlehrer gelangen? "Unser Ziel ist es, mit unseren Nationalmannschaften bei allen Wettbewerben vertreten zu sein, die möglich sind", erwidert der Trainer.

Talente nutzen
Zu diesen Wettbewerben gehörten auch Nachwuchsturniere wie die FIFA U-17-Weltmeisterschaft oder die FIFA U-20-Weltmeisterschaft als Sprungbrett für künftige A-Nationalspieler. Deshalb braucht es eine wirksame Nachwuchsförderung für die Talente des Landes. "Wir müssen die Talente ja nicht nur finden, wir haben auch ein Gesamtprogramm zu ihrer Förderung umzusetzen", betont der Minister. "Außerdem benötigen wir regelmäßige Nachwuchsturniere. Sonst können wir nicht auf eine harmonische Entwicklung des Fussballs in unserem Land hoffen."

An dieser Stelle kommt die FIFA ins Spiel. Mit ihrem PERFORMANCE-Programm, einem unverzichtbaren Werkzeug zur Strukturierung landesweiten Fussballs, übernimmt sie eine wichtige Rolle. "Das Leistungszentrum wurde von der FIFA finanziert. Dabei handelt es sich mit all seiner Ausrüstung um ein echtes Haus des Fussballs, aber das ist nur der Anfang", erklärt Verbandspräsident Moctar. "Mit dem Goal-4-Programm, über das im Oktober vom FIFA Entwicklungs-Komitee abgestimmt wird, möchten wir einen neuen Sitz für unseren Fussballverband bauen. Mit dem PERFORMANCE-Programm wollen wir eine Rundfunkstation einrichten, die in die globale Stärkung der Fähigkeiten des Verbandes integriert werden soll."

Neben der Hilfe der FIFA ist allerdings auch die des Staates Tschad nötig, wenn aus den Projekten des Verbands etwas werden soll. "Der Staat will den Sport und insbesondere den Fussball fördern, weil dieser die Hoffnung eines ganzen Volkes darstellt", versichert der Minister. "Im Tschad gibt es zwölf Millionen Menschen, die wollen, dass ihre Nationalmannschaft regional und international einen festen Platz findet. Deshalb haben wir im Ministerium für Jugend und Sport durchaus sehr ehrgeizige Ziele, was die Verwirklichung der Träume unseres noch jungen Fussballverbands angeht."

Der Politiker kommt zu dem Schluss: "Tschad hat viele Talente, die nur darauf warten, auch genutzt zu werden. Ich würde mir deshalb wünschen, dass der Fussballverband in Bezug auf finanzielle Zuwendungen, technische oder materielle Hilfe besondere Berücksichtigung erfährt." Mit ihrem Besuch bei der FIFA haben die Zuständigen schon einmal an die richtige Tür geklopft.

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