Mali

Traoré: Im Hürdenlauf zum Ziel

Aissata Traoré / Mali
© imago images
  • Aïssata Traoré spielt für Mali und für En Avant Guingamp
  • Ihr Motto: Hinfallen, aufstehen, besser werden
  • Das gilt umso mehr für die Frauen-Weltmeisterschaft 2023, nachdem Mali Frankreich France 2019 verpasst hat

Manche Niederlagen schmerzen mehr als andere. Die von Mali gegen Kamerun (2:4) im Spiel um den dritten Platz beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2018 ist so eine. Denn Malis Fussballfrauen verpassten an diesem Tag nicht nur das kontinentale Podium, sondern auch einen Traum: den von der historischen ersten Teilnahme an der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019.

"Das hängt mir noch immer nach. Wir hatten uns gerade für dieses Spiel so viel vorgenommen. "Wir alle haben davon geträumt, uns für die WM zu qualifizieren. Aber es ist ja bekannt, wie es ausgegangen ist", sagt Aissata Traoré, Mittelfeldspielerin von Malis weiblichen Adlern, am Mikrofon von FIFA.com. "Uns hat die Erfahrung gefehlt. Für viele von uns war es die erste Afrikameisterschaft. Aber wir können an dieser Niederlage nur wachsen."

Die 23-Jährige weiß nur zu gut, wovon sie spricht. Aus durchaus leidvoller Erfahrung ist "Hinfallen, aufstehen, besser werden" heute das Motto von Aissata Traoré. Bezeichnenderweise hat die Mittelfeldspielerin das geschafft, was der Frauen-Nationalmannschaft Malis nicht gelungen ist. Sie spielt seit Oktober 2019 bei Guingamp – in Frankreich.

"Gerade mit Blick auf die verpasste Weltmeisterschaft ist das ein persönlicher Traum für mich. Mit meiner Nationalmannschaft konnte ich nicht nach Frankreich, allein schon", sagt sie. "Ich habe mir den Traum erfüllt, in Frankreich zu spielen. Ich hatte mir geschworen, irgendwann spiele ich mal gegen mein Vorbild Wendie Renard. Das habe ich geschafft. Wir haben letzte Saison sogar ein Selfie zusammen gemacht."

Erst Malaria, dann COVID-19

Aber der Weg von der Türkei, wo Traoré 2019/19 spielte, bis in die Division 1 war steinig. Die Malierin war im Oktober 2019 kaum in der Bretagne angekommen, als sie an Malaria erkrankte. An Fussballspielen war erst einmal nicht mehr zu denken, denn: "Das hat mich richtig schachmatt gesetzt. Ich habe vier Kilo abgenommen, ich war von meiner Familie getrennt, ich war ganz allein. Ich hatte mich in Frankreich noch überhaupt nicht eingelebt. Das war eine schwierige Zeit, aber ich habe auch das überstanden."

Inzwischen hat Traoré Fuß gefasst. Im Februar absolvierte sie erstmals fünf Partien am Stück und schoss dabei drei Tore. Aber dann kam gleich die nächste große Hürde: "Ich war gerade richtig in Schwung, da schlug die Corona-Pandemie zu. Wieder war ich von meiner Familie getrennt, musste aber bei allem Pech irgendwie zuversichtlich bleiben", erzählt sie. "Das war schwierig. Ich habe viel geweint, aber jetzt geht es mir besser. Es hilft, wieder auf dem Platz zu stehen."

Auch das weiß sie nur zu gut. 1997 in Bamako geboren, musste Aissara Traoré darum kämpfen, im konservativen Mali als Fussballspielerin akzeptiert zu werden. "Fussballspielen habe ich auf der Straße mit den Jungs aus der Nachbarschaft gelernt. Aber das war in Mali nicht gern gesehen. Meine Mutter wollte nicht, dass ich Fussball spiele. Sie wollte mich vor Beleidigungen schützen. Es wurde ja mit dem Finger auf mich gezeigt, weil ich einen 'Jungensport' betrieben habe", erinnert sie sich.

Sie sagt aber auch: "Mein Vater wiederum hat mich immer unterstützt. Er hat immer gesagt, ihm ist nicht peinlich, was ich mache, peinlich ist ihm nur, wie die anderen darauf reagieren. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Und ich glaube, er ist heute ziemlich stolz darauf, was aus mir geworden ist."

Nach Frankreich der Erfahrung wegen

Und welcher Vater wäre das auch nicht? Die Leistungen von Aissata Traoré mit Mali und EA Guingamp sind jedenfalls bemerkenswert und werden bemerkt. Sie ist inzwischen die Galionsfigur einer Sportart, die in Mali immer beliebter wird. "Ich bin weit davon entfernt, mich für einen Star zu halten, aber, ja, manchmal werde ich auf der Straße erkannt", sagt Traoré und lächelt bescheiden.

Ihre Bekanntheit könnte dabei mit der Qualifikation für die nächste FIFA Frauen-WM 2023 durchaus noch steigen. "Das ist das Ziel! Wir werden einen neuen Anlauf nehmen", kündigt Traoré an und schließt: Ich will die Erfahrung, die ich in Frankreich sammle, meinem Land zur Verfügung stellen!"

Aïssata Traoré ( Guingamp )

Ca aussi, elle le sait mieux que quiconque ! Née à Bamako, en 1997, Aissata Traoré a dû se battre pour faire accepter l’idée qu’elle pouvait devenir joueuse de football, dans un pays longtemps conservateur sur la question. "J’ai appris à jouer au foot dans la rue, avec des copains du quartier. Mais c’était mal vu au Mali de jouer au football pour les filles. Ma propre mère ne voulait pas que je joue, elle voulait me protéger des insultes ; j’étais montrée du doigt parce que je faisais un sport de garçon" confie-t-elle.

Et de poursuivre : "Mais mon père, lui, m’a toujours soutenu dans ma passion. Il répétait que si lui-même ne voyait pas d’inconvénient à ce que je fasse du foot, il devait en être pour tout le monde. Sans lui je ne serai pas là ! .Et je crois qu’il est aujourd’hui très fier de ce que je suis devenue."

En France pour l'expérience

Quel père ne le serait pas ? Les exploits d’Aïssata Traoré avec le Mali comme avec l’EAG sont à la fois remarquables et remarqués. Elle est aujourd’hui la figure de proue d’une discipline qui prend de plus en plus d’ampleur au Mali. "Loin de moi de penser que je suis une star, mais oui, on me reconnaît même parfois dans la rue", souffle-telle timidement.

Potentiellement, Traoré pourrait asseoir un peu plus son excellente réputation en qualifiant son équipe pour la prochaine Coupe du Monde Féminine 2023. "C’est l’objectif ! On va se donner les moyens de se racheter" annonce-t-elle avant de conclure : "Je compte bien gagner de l’expérience en France et la mettre à la disposition de mon pays !"

Aïssata Traoré ( Guingamp & Mali )
© imago images

Steckbrief Aïssata Traoré

Lieblingsspielerin: Wendie Renard

Lieblingsspieler: Andrès Iniesta und Kylian Mbappé

Lieblingsposition: Linksaußen. Grund: "Ich bin Rechtsfuß und ziehe gern nach innen, um zu flanken oder abzuschließen."

Lieblingsverein: FC Barcelona

Ihr Traum: An einer WM teilnehmen, Titel gewinnen, Champions League spielen, die Afrikameisterschaft gewinnen!

Ihre Rückennummer: 14. Meine Mutter hat an einem 14. Geburtstag.

Lieblingsessen: Thieb (ein afrikanisches Gericht aus Reis und Gemüse)

Hobbys: Lesen, Kino, PlayStation

Was nicht jeder weiß: Ich habe eine Zwillingsschwester namens Aïssatou, mit der ich täglich telefoniere.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel