Nachhaltigkeit

Touré: "Wir müssen dieses Phänomen bekämpfen"

Manchester City's Ivorian midfielder Yaya Toure speaks during the launch of the FIFA's Anti-Discrimination Monitoring System
© AFP

"Als ich zum ersten Mal diskriminiert wurde, war ich schockiert. Ich war noch jünger, daher war das schwer zu verdauen. Bei jeder meiner Ballberührungen wurde ein Gesang angestimmt, es gab Affenlaute - das hat mich sehr verletzt. Später sagte ich mir dann, dass ich dagegen kämpfen und zeigen muss, dass ich stärker bin."

Einige der negativen Erfahrungen, die Yaya Touré im Laufe seiner Karriere sammeln musste, stärken seine Position als Berater der FIFA-Arbeitsgruppe gegen Rassismus und Diskriminierung. Der Kapitän der Elfenbeinküste gehörte im Wembley-Stadion bei einer Diskussion zum FIFA-Beobachtungssystem gegen Diskriminierung, das in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™ eingesetzt werden soll, zu einer Gruppe von Rednern aus dem gesamten Weltfussball. Das Beobachtungssystem ist nur eines von einer ganzen Palette von Projekten, die in der Hoffnung umgesetzt werden, dass zukünftige Spielergenerationen nicht mehr unter Diskriminierung leiden müssen.

"Dies ist eine wichtige Sache, zu der ich unbedingt einen Beitrag leisten möchte", so Touré im Gespräch mit FIFA.com. "Ich war im Zusammenhang mit Diskriminierung und Rassismus bereits an vielen Dingen beteiligt und ich glaube, ich bin jetzt das Sprachrohr der Menschen. Ich möchte versuchen, ihnen eine Stimme zu geben und dafür zu sorgen, dass sie diese Dinge zum Ausdruck bringen können."

Touré ist der festen Überzeugung, dass jeder das Recht hat, frei von Diskriminierung und Vorurteilen Fussball zu spielen. "In dieser Sportart ist es sehr wichtig, den Leuten bewusst zu machen, dass wir alle Menschen sind und auch so behandelt werden möchten - auf dem Spielfeld oder wo auch immer wir unserer Arbeit nachgehen", so der Mittelfeldspieler von Manchester City. "Beim Fussball geht es um Zusammenhalt und Freude. Meiner Ansicht nach sollten wir diesen Leuten zeigen, dass sie sich ändern oder mit scharfen Sanktionen rechnen müssen. Ich habe vollstes Vertrauen in die FIFA. Wir wissen, dass es schwer werden wird, aber wir hoffen, den Leuten über Aufklärung eine gute Verhaltensweise vermitteln zu können. Wir möchten unsere Meinung zum Ausdruck bringen, wir möchten das Leben genießen."

Federico Addiechi, Leiter der FIFA-Nachhaltigkeitsabteilung, kann Tourés Botschaft nur zustimmen. Er erklärt, das in der WM-Qualifikation eingesetzte Beobachtungssystem gegen Diskriminierung sei der erste Schritt auf dem Weg nach Russland. "Das Beobachtungssystem ist eine der für 2018 und darüber hinaus geplanten Maßnahmen", so Addiechi. "Dabei konzentrieren wir uns auf die WM-Qualifikation und den FIFA Konföderationen-Pokal. Wir werden dann beginnen, das Beobachtungssystem selbst zu analysieren, damit uns für die Endrunde eine verbesserte Variante zur Verfügung steht. Dahinter steckt die Vorstellung eines Systems, das bei jedem Spiel der WM zum Einsatz kommt. Wir tragen Verantwortung, weil dies unsere Veranstaltung ist. Die Weltmeisterschaft ist ein Event, das für alle offen sein muss."

Um die WM und den Fussball als Sportart so offen wie irgend möglich zu gestalten, ist das Engagement einer Reihe von Schlüsselpartnern und Organisationen erforderlich. Piara Powar, Exekutivdirektor des Fare-Netzwerkes und Mitglied der FIFA-Arbeitsgruppe, machte deutlich, dass die gemeinsame Initiative seiner Organisation und der FIFA keine einfache Angelegenheit werden wird.

"Tatsächlich ist das sehr schwierig", so Powar. "Unser Ansatz sieht eine Reihe von Partnern vor. Das Resultat könnte sein, dass Verbände gesperrt oder aufgefordert werden, Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen. Infolge dieses Prozesses wird es einige schmerzhafte Einschnitte geben, aber es muss klar sein, dass die Leute ohne diese schmerzhaften Einschnitte nicht wissen werden, wie sie diese Probleme angehen sollen. [Zur Identifikation von Risikospielen] verfügen wir über eine Matrix, die aus sechs bis acht Analysepunkten aufgebaut ist. Dabei werden unter anderem die Landesgeschichte und Spannungen, das Stadion sowie die Spieler berücksichtigt, aus denen sich die entsprechende Nationalmannschaft zusammensetzt."

Auch Howard Webb, der das Finale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010 als Unparteiischer leitete und ebenfalls Mitglied der FIFA-Arbeitsgruppe gegen Rassismus und Diskriminierung ist, weiß um die Schwierigkeit der Aufgabe. "Das ist ein kontinuierlicher Kampf, aber wir sind fest entschlossen, alles in unserer Macht stehende zu tun, um die Leute zur Prävention aufzuklären und all diejenigen zu sanktionieren, die unsere Botschaften nicht hören wollen", so Webb. "Beim Sport geht es darum, die Menschen zusammenzubringen, gemeinsam zu spielen, gemeinsam zuzuschauen, und auf eine gemeinsame Sache hinzuarbeiten, nämlich das Spiel zu gewinnen", fährt Webb fort. "Aber insbesondere geht es um den Teamgeist, um Toleranz. Der Fussball ist eine Macht des Guten und kann es sich daher nicht leisten, mit jeglicher Form von Diskriminierung in Verbindung gebracht zu werden."

Webb betont, dass Fussball in der Tat für alle da ist, und geht auf Formen der Diskriminierung ein, die nicht im Zeichen des Rassismus stehen. "Man kann es sich einfach machen, indem man davon ausgeht, dass wir hier nur über Rassismus reden, aber so ist es nicht", erklärt Webb. "Der Kampf gegen Diskriminierung spielt hier eine große Rolle, und wir haben in unseren Diskussionen auch über Aspekte rund um Homophobie sowie Diskriminierungen aus Gründen des Geschlechts oder aufgrund von Behinderungen gesprochen. Wir haben uns also eine ganze Bandbreite von Bereichen angeschaut, in denen Menschen diskriminiert werden und von denen wir glauben, dass wir positiv Einfluss nehmen können. Der Fokus liegt nicht nur auf dem Rassismus, so wichtig dieses Thema auch ist, sondern wir untersuchen alle Aspekte, um das Fussballumfeld auf der ganzen Welt zu verbessern."

Heather Rabbatts, Vorsitzende des Integrationsausschusses des englischen Fussballverbands und Beraterin der FIFA-Arbeitsgruppe gegen Rassismus und Diskriminierung, machte deutlich, dass die Umsetzung des Systems in der WM-Qualifikation und der Kampf gegen jegliche Form der Diskriminierung im Fussball nur mit Teamarbeit unter Beteiligung von Spielern, Offiziellen, Mitgliedsverbänden und FARE möglich sei.

"Einer der wichtigsten Aspekte ist, dass wir alle voneinander lernen", so Rabbatts. "Wir versuchen, optimale Vorgehensweisen abzustimmen, und das Beobachtungssystem umfasst eine Reihe von Elementen, die wir wirklich begrüßen. Daher bin ich der Ansicht, dass die Zusammenarbeit extrem wichtig ist."

"'Fussball für alle' ist eine Botschaft, für die wir uns hier beim FA und in Zusammenarbeit mit unseren Kollegen aus Europa sowie der FIFA kompromisslos engagieren, damit der Fussball eine Sportart ist, an der jeder teilnehmen und Spaß haben kann."

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