Liga MX Femenil

Toña Is: "Ich musste den Sprung wagen"

ead coach of Spain Toña Is gestures during the FIFA U-17 Women's World Cup Uruguay 2018
© Getty Images
  • Toña Is ist die erste ausländische Trainerin in der mexikanischen Liga MX Femenil
  • Ihre neue Heimat: Pachuca
  • "Ich wünsche mir ein Team, das torhungrig und ehrgeizig ist, genau wie ich"

Die Vorstellung, mitten in einer Pandemie sein Zuhause und seine Familie zu verlassen und auf einen anderen Kontinent überzusiedeln, wäre sicherlich für viele keine besonders angenehme Vorstellung. Doch für Toña Is war das Ganze nicht nur attraktiv, sondern noch dazu eine Riesenmotivation.

"Ich musste den Sprung wagen, weil ich große Lust auf das Projekt hatte. Seit ich den spanischen Fussballverband verlassen habe, gab es einige Angebote, aber ich habe immer gesagt, dass ich auf ein Projekt warten würde, was mich wirklich begeistert, und das ist bei Pachuca der Fall. Wir machen gerade schwierige Zeiten durch, aber ich musste das einfach tun. Ich musste mich trauen", erklärt sie in einem Exklusivinterview mit FIFA.com.

Eva Espejo, Sportdirektorin von Pachuca, fügt hinzu:

"Das Projekt lief bereits über vier Jahre, und Neuerungen sind immer gut. Wir hatten schon eine Periode der Anpassung und Umstrukturierung hinter uns und brauchten jetzt eine Entwicklung. Das ist nur mit jemandem wie Toña zu erreichen. Wir wollten unseren Spielerinnen Trainingseinheiten auf Weltklasseniveau bieten."

Also packte Toña Is Ende 2020 die Koffer und trat die Reise nach Pachuca an. Dort fand sie das, was sie gesucht hatte. "Ich wusste schon aus Erzählungen, was Pachuca zu bieten hatte. Aber am Ende kannst du es kaum glauben. Wenn du dann hier bist, siehst du wie es wirklich ist und das alles stimmt, was man dir erzählt hat.

"Als die Nachricht durchsickerte, sagten mir Leute aus Fussballkreisen, dass ich zu einem großen Klub wechseln würde, bei dem ich sehr komfortabel arbeiten könnte und alle Instrumente an die Hand bekäme. Und so war es auch: Ich fühle mich seit dem ersten Tag wie zu Hause und bin sehr zufrieden."

Toña Is hatte bereits zuvor etwas Erfahrung mit dem mexikanischen Fussball auf höchstem Niveau gesammelt, nämlich im Finale der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Uruguay 2018, in dem Spanien sich gegen El Tri durchsetzte.

"Das war ein sehr schwieriges Spiel. Nicht jedes Team schafft den Einzug ins Finale. Da steckt viel Arbeit dahinter und du musst schon in der Qualifikation viele Gegner hinter dir lassen. Beide Teams hatten die Endspielteilnahme wirklich verdient. Am Ende hat sich Spanien durchgesetzt, aber Mexiko hätte ohne Weiteres auch gewinnen können."

Previews - FIFA U-17 Women's World Cup Uruguay 2018
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Erstes Ziel: Ehrgeiz

Inzwischen sind einige Wochen ins Land gegangen, und die Arbeit nimmt Fahrt auf. Toña Is weiß, was sie will: Sie möchte ihre starke Persönlichkeit auf all ihre Spielerinnen übertragen. Schließlich ist sie damit schon Weltmeisterin geworden.

"Ich versuche, ihnen meine innere Einstellung einzuimpfen. Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch, der immer gewinnen möchte. Und ich möchte, dass das bei ihnen genauso ist. Dann werden wir nach und nach darauf hinarbeiten, das Beste aus jeder einzelnen Spielerin herauszuholen, damit dieses Team den Erfolg erreicht, den es verdient."

Ihre Ankunft in Pachuca erregte viel Aufsehen, zum einen aufgrund ihres Weltmeistertitels und zum anderen, weil sie die erste ausländische Trainerin in der Liga MX Femenil ist.

"Ich verspüre keinen Druck, abgesehen von dem Druck, den ich mir selbst mit meinen Zielen mache. Ich hatte das Glück, in Spanien bei vielen Dingen eine Vorreiterrolle zu übernehmen, und das setze ich nun im Ausland fort. Letztendlich geht es darum, einen Weg für andere Kolleginnen zu bahnen. Ich versuche, dem mexikanischen Fussball zu helfen und will dafür sorgen, dass auch andere ausländische Trainerinnen durch diese Tür treten können, die ich aufgestoßen habe."

Zweites Ziel: eine große Zukunft

Im Fussball sind Siege letztendlich die Triebkraft aller Projekte. Oftmals beruhen diese Siege auf hervorragender Arbeit in der Vergangenheit. Daher hat Eva Espejo sich jetzt schon überlegt, wo sie Las Tuzas in fünf Jahren sehen möchte.

"Jetzt hat der Frauenfussball im Klub eine eigene Struktur und eigene Ziele. In fünf Jahren sollte Pachuca zwei oder drei Nachwuchsteams haben und damit genau wie im Männerfussball über eine der besten Talentschmieden Mexikos verfügen und viele Nationalspielerinnen stellen. Ich sehe uns schon bald als Meister."

Toña Is kann ihr da nur zustimmen:

"Ich habe gesehen, dass dieser Klub über ein enormes Potenzial verfügt. Wir müssen versuchen, das Beste aus jeder Spielerin herauszuholen. Es gibt viele junge Spielerinnen, die ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben, aber technisch sehr versiert sind. Und genau deshalb bin ich hier: um ihnen alles beizubringen, was ich weiß, und die Entwicklung des Teams zu fördern."

Der Wunsch nach einer großen Zukunft gilt natürlich nicht nur für Pachuca, sondern ganz allgemein für die Liga MX Femenil, einen Wettbewerb, der im Augenblick noch hinter den großen europäischen Ligen hinterherhinkt.

"Im Augenblick kann man sie nicht mit Europa vergleichen. Der spanische Fussball ist Mexiko beispielsweise viele Jahre voraus, denn hier existiert die Liga erst seit kurzem und nur mexikanische Spielerinnen nehmen daran teil. Daher kann man sie nicht mit den europäischen Ligen vergleichen, in denen viele ausländische Spitzenspielerinnen aktiv sind."

Eine Öffnung nach außen könnte jedoch gute Ergebnisse bringen. "Dieser kleine Sprung, den wir machen würden, wenn wir eine Spielerin aus dem Ausland ins Team integrieren, könnte uns im Wettbewerb noch einen kleinen zusätzlichen Vorteil bringen. Dennoch ist dies eine sehr gute Liga, wenn man bedenkt, dass sie nur mit mexikanischen Spielerinnen auskommt. Denn wenn du in einem beliebigen Land die ausländischen Spielerinnen abziehst, würden blutleere Ligen zurückbleiben. Mexiko verfügt über alle Voraussetzungen, um in einigen Jahren eine Macht zu sein."

Wir wollten wissen, welche Spielweise wir bei Pachuca in den nächsten Wochen sehen werden. "Ich setzte den Gegner gern in dessen eigener Spielfeldhälfte unter Druck. Mir gefällt Ballbesitzfussball. Wenn wir den Ball haben, verteidigen wir schon sehr gut. Ich möchte, dass die Spielerinnen die Balleroberung forcieren und sich etwas trauen. Ich möchte ein geschlossenes Team sehen. Ein Team, das in der Offensive und in der Defensive gut arbeitet. Einen torhungrigen Sturm und ein Team, das so ehrgeizig ist wie ich selbst."

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