Gemeinsam gegen COVID-19

Schottlands Rekord-Nationalspielerin unterstützt das Gesundheitswesen

Jo Love of Scotland shows appreciation to the fans after 2019 FIFA Women's World Cup France group D match between Japan and Scotland.
© Getty Images
  • Jo Love ist Schottlands Rekord-Feldspielerin
  • Mit ihrer aktuellen Arbeit trägt sie zum Kampf gegen COVID-19 bei
  • Die Mittelfeldspielerin stellt Hand-Desinfektionsmittel für Mitarbeiter im Gesundheitswesen her

Überall auf der Welt tragen unzählige Einzelpersonen und Organisationen nach Kräften zum Kampf gegen COVID-19 bei.

Auch das Glasgow City Council ist dabei. Die schottische Kommunalbehörde veröffentlichte kürzlich ein Video des wissenschaftlichen Teams, das mit seiner Arbeit die Mitarbeiter an vorderster Front im Gesundheitswesen unterstützt. Der Clip zeigt eine Wissenschaftlerin mit Brille, die in einem Labor die Herstellung eines dringend benötigten Hand-Desinfektionsmittels vorbereitet – ein unbedingt lobenswerter Einsatz. Doch einige Fussballfans mit Adleraugen bemerkten schnell, dass hier nicht irgendeine Wissenschaftlerin am Werk ist, sondern Jo Love, 191-fache schottische Nationalspielerin und im vergangenen Jahr Teilnehmerin der FIFA Frauen-WM™ in Frankreich.

Eigentlich hätte sich Love an dem Tag, an dem das Video veröffentlicht wurde, mit ihrem Klub Glasgow City in Deutschland auf das bevorstehende Viertelfinale in der UEFA Champions League der Frauen vorbereiten sollen. Doch die Corona-Pandemie warf sämtliche Planungen über den Haufen, und so muss die schottische Starspielerin nun das Beste aus dieser beispiellosen Situation machen.

"Das ist definitiv nicht, was ich eigentlich machen wollte", sagte sie gegenüber FIFA.com. "Doch die ganze Welt muss sich derzeit an diese neue Situation anpassen, und die Gesundheit der Menschen steht an erster Stelle. Ich freue mich, etwas tun zu können, um zu helfen. Das ist natürlich nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein, verglichen mit dem, was die NHS-Mitarbeiter an vorderster Front des leisten, aber hoffentlich macht es zumindest einen kleinen Unterschied aus."

"Wenn ich qualifiziert wäre und die nötigen Kenntnisse hätte, würde ich selbst an vorderster Front arbeiten. Ich halte mich für einen Menschen, der anderen gern hilft, Pandemie hin oder her. In dieser Situation ist die Sache mit dem Hand-Desinfektionsmittel einfach ein kleiner Beitrag, den ich leisten kann, um den Menschen zu helfen, die am meisten tun."

"Im Moment arbeiten wir bei der Herstellung des Desinfektionsmittels auf Hochtouren. Wir haben unser Labor zu einer kleinen Fabrik gemacht und machen hier alles, von der Produktion über die Abfüllung und Etikettierung der Flaschen bis hin zur Bereitstellung für den Versand. Es ist nicht ganz leicht, das mit nur drei Leuten hier im Labor zu schaffen, zumal ja auch noch die Abstandsregeln eingehalten werden müssen. Aber hoffentlich können wir mit unserer Arbeit wenigstens ein kleines bisschen zur Verbesserung der Situation beitragen."

Jo Love of Scotland poses for a portrait during the official FIFA Women's World Cup 2019 portrait session.
© Getty Images

Vor der Pandemie drehte sich bei Loves Arbeit alles um Verbraucherschutz und die Sicherheitsbewertung von Kosmetikprodukten, Spielwaren und auch Kraftstoffen. Daneben allerdings ist die 34-Jährige auch Rekord-Feldspielerin der schottischen Frauen-Nationalmannschaft. Seit ihrem Debüt 2002 hat sie es auf fast 200 Länderspieleinsätze gebracht.

Ist es schwerer geworden, sich gegen immer mehr Teamkameradinnen und Gegnerinnen zu behaupten, die Vollzeitprofis sind und das Niveau des Frauenfussballs von Jahr zu Jahr steigern?

"Ich denke eigentlich, dass ich ganz gut zurecht komme. Ich bin zwar selbst keine Vollzeitspielerin, aber ich habe trotzdem immer versucht, wie ein Profi zu trainieren und ein hohes Niveau zu halten. Mein einziges Problem ist das Alter, und daran kann ich nun einmal nichts ändern!"

"Hätte ich ein paar Jahre später mit dem Fussball begonnen, dann hätte ich vielleicht Einiges anders gemacht und wäre möglicherweise auch Profi geworden. Aber ich bin sehr zufrieden damit, wie sich alles für mich entwickelt hat und auch mit der Balance, die ich gefunden habe."

"Und ich denke, in der aktuellen Situation ist es für mich viel leichter als für die anderen, weil ich noch einen anderen Job habe. Ich bin froh, dass ich noch etwas anderes habe, worauf ich mich konzentrieren kann."

Glasgow City: Excelling as the exception

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Natürlich vernachlässigt Love über ihren Einsatz im Kampf gegen COVID-19 trotzdem nicht den Fussball und ihre Fitness. Doch der Mittelfeldspielerin fehlen der Spaß, die Kameradschaft und die Motivation, die man eben nur in der Gemeinschaft erleben kann.

"Einer der Gründe, warum ich mit dem Fussball angefangen habe und ihn so liebe ist, dass es ein Mannschaftssport ist, und ich habe gemerkt, dass ich Mannschaftskameraden um mich herum brauche, um mich in Schwung zu bringen", sagt sie. "Ich bin sehr schlecht darin, allein zu laufen und zu trainieren. Aber derzeit gibt es ja kaum eine andere Möglichkeit."

"Zum Glück hatte ich ein Laufband für zu Hause gekauft, kurz bevor das alles losging. Und ich kann auch nach draußen gehen und trainieren. Ich habe auch Zoom-Anrufe mit einigen Teamkameradinnen gemacht, um etwas von mir hören zu lassen und in Kontakt zu bleiben. Aber das ist natürlich definitiv nicht dasselbe. Je früher das alles vorbei ist und wir zur Normalität zurückkehren können, desto besser."

Diesen Wunsch dürfte wohl jeder teilen. In der Zwischenzeit ist es beruhigend zu wissen, dass es findige Fachleute wie Love gibt, die dieser historischen Herausforderung begegnen.

In this composite image, (L-R) Erin Cuthbert,Jane Ross,Joanne Love,Kim Little,Rachel Corsie of Scotland.
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