Entwicklung

Nach einem Jahr: Tour zur Entwicklungsberatung endet in Asien

In der vergangenen Woche endete die einjährige FIFA-Tour mit den zwei abschließenden Stationen im malaysischen Kuala Lumpur und in Colombo auf Sri Lanka. Alle 209 Mitgliedsverbände des Fussball-Weltverbands waren bei den elf Fussball-Entwicklungsseminaren vertreten. Vier fanden in Asien statt, zwei in Afrika, zwei in der CONCACAF-Region, eines in Europa und eines in Ozeanien.

Ziel der Tour war die Vorstellung der geänderten Regularien für die FIFA-Entwicklungsprogramme. Offiziell gelten diese zwar schon seit 2014, doch für die vollständige und endgültige Umsetzung hatte die FIFA ihren Mitgliedsverbänden eine Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2015 eingeräumt. Die neuen Regularien bilden den Rahmen für die Etatplanungen der Mitgliedsverbände und Konföderationen bei allen künftigen FIFA-Entwicklungsprojekten.

Kurz nach Ende der letzten Seminare in Kuala Lumpur und Colombo äußerte sich FIFA-Präsident Joseph S. Blatter mit einer Einschätzung zur Tragweite der Fussballentwicklung. "Das oberste Ziel der FIFA ist und bleibt die Entwicklung des Fussballs", so Blatter. "Diese Entwicklung bestimmt jetzt und auch in Zukunft den Kern der Arbeit der FIFA. Entwicklung heißt Bildung. Und Bildung ist nie vorbei.

Es hat sich inzwischen so viel getan, dass die Mitgliedsverbände nicht nur die Möglichkeit, sondern geradezu die Pflicht haben, die fussballerische Entwicklung zu fördern. Dazu bekommen sie auch neue Mittel wie Governance, Transparenz und Kontrollen an die Hand. Am dem 1. Januar 2015 haben wir neue Kompaktprogramme, die wir den Mitgliedsverbänden anbieten. Ein wichtiger Teil (der neuen Regularien) ist jedoch, dass sie dafür etwas leisten müssen.

Sie können nicht einfach auf finanzielle Unterstützung oder auf ein Goal-Projekt warten. Sie müssen den Fussball selbst fördern."

Zwar standen Planung, Umsetzung und Priorisierung der FIFA-Entwicklungsprojekte angesichts der geänderten Regularien im Mittelpunkt der Seminare, aber sie boten der FIFA zugleich die Gelegenheit, unmittelbar von den Mitgliedsverbänden und Konföderationen zu hören, welche Schwierigkeiten sie bei der Weiterentwicklung und Förderung des Fussballs auf sich zukommen sehen und welche Hilfen sie benötigen. Auf den elf Seminaren waren sowohl FIFA-Präsident Blatter und FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke als auch Thierry Regenass, FIFA-Direktor für Entwicklung und Mitgliedsverbände, vertreten. Auf dem europäischen Entwicklungsseminar in Norwegen sagte Regenass: "Der FIFA ist es wichtig, ihre Mitgliedsverbände nicht nur über etwas in Kenntnis zu setzen, sondern Ideen direkt auszutauschen; die FIFA legt Wert auf einen offenen Dialog mit ihren Mitgliedsverbänden."

Die geänderten Regularien sehen künftig für alle Mitgliedsverbände zwingend einen Technischen Leiter für das Personal vor, wenn sie von Entwicklungsprogrammen profitieren wollen. Auf der ersten Station der Tour am 14. September 2013 im neuseeländischen Auckland hatte Tahitis Technischer Leiter Marama Vahirua – einer der Helden bei der Teilnahme der Pazifik-Insulaner am FIFA Konföderationen-Pokal 2013 – , bereits betont, wie nützlich das Seminar für ihn gewesen sei. "Für mich ist das eine großartige Gelegenheit, vieles zu lernen", so Vahirua.

"Ich bin noch ganz neu in dieser Funktion als Technischer Leiter, nachdem ich gerade erst meine Karriere als aktiver Fussballer beendet habe. Ich hatte das Gefühl, dass ich unserem Verband auch nach unserer Qualifikation für den FIFA Konföderationen-Pokal sehr helfen konnte. FIFA und OFC leisten enorm viel zur Förderung unseres Fussballs."

Fussball für die Massen
Während des Seminars in Norwegen präsentierte Regenass eine Statistik, welche die Notwendigkeit der weltweiten Ausweitung der Entwicklungstätigkeit im Fussball eindrucksvoll belegt. "Es gibt hunderte Millionen aktive Fussballerinnen und Fussballer auf der Welt, aber nur 60.000 davon sind Profis - das sind 0,02 Prozent", erläuterte Regenass. "Das bedeutet aber zugleich: Auch wenn wir ständig nur diesen 0,02 Prozent zusehen – besonders, wenn sie bei den kontinentalen Wettbewerben oder in ihren Nationalmannschaften spielen -, müssen wir uns ständig vor Augen halten, dass unsere Verantwortung als Fussball-Institutionen weit darüber hinaus geht; sie erstreckt sich auf alle Spielerinnen und Spieler auf allen Ebenen."

Ebenfalls auf der Tagesordnung der elf Seminare stand die Bekanntmachung bereits laufender FIFA-Entwicklungsprogramme wie Connect, Income Generation, PERFORMANCE, das Extranet für Mitgliedsverbände sowie die Betonung weiter gefasster Werte wie Integrität und Compliance. In Colombo, der letzten Station der Tour, zeigte sich Generalsekretär Valcke beeindruckt von den Maßnahmen, die Sri Lanka bislang ergriffen hat. "Sri Lanka ist jetzt auf dem richtigen Weg, den Fussball auf der Insel zu fördern", betonte Valcke. "Der Landesverband FFSL arbeitet mit Unterstützung des Sportministeriums geradezu enthusiastisch daran, den Fussball in Sri Lanka zu fördern. Das ist entscheidend für eine bessere Zukunft dieses Sports dort."

FIFA-Präsident Blatter und CONCACAF-Präsident Jeffrey Webb eröffneten das Seminar auf den Cayman-Inseln. Seit 1998 hat die FIFA im Bereich dieser Konföderation fast USD 320 Mio. investiert, seit dem Jahr 2000 wurden 687 verschiedene Förderprojekte ins Leben gerufen. Während des südamerikanischen Seminars in Paraguay verwies Regenass auf das kommende FIFA-Turnier in Chile als Schlüssel in der Entwicklung des Fussballs. "Südamerika spielt schon lange eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Fussballs weltweit", erklärte Regenass. "Mit der Diversifizierung unserer Programme wollen wir einen gezielten und nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung des Fussballs in den Ländern der CONMEBOL-Zone leisten – in wichtigen Bereichen wie der Basisarbeit und dem Frauenfussball, der Informationstechnik sowie der Ausbildung von Trainern und Beschäftigten in der Verwaltung.

Die FIFA U-17 Weltmeisterschaft Chile 2015 wird eine neue Plattform für die Entwicklung des Jugendfussballs in Südamerika. So war es schon 2008 und 2011. Die damaligen Turniere haben für fantastische Begeisterung gesorgt und zu einer nachhaltigen Förderung neuer organisatorischer Strukturen beigetragen."

Nun, da für ein besseres Verständnis der frisch geänderten Regularien für die Fussballentwicklung gesorgt ist, haben die Mitgliedsverbände der FIFA alle Möglichkeiten, weiterhin finanzielle Mittel für Projekte zu erhalten, die den Fussball auf der ganzen Welt fördern. In den vergangenen 14 Jahren hat die FIFA ihre Mitgliedsverbände und Konföderationen bereits mit gut USD 2 Mrd. an Entwicklungsgeldern unterstützt - und 2015 könnte das Jahr weiteren Wachstums im Weltfussball werden.

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