Frauenfussball

Morgan im Multitasking-Modus: Anwältin, Aktivistin, Torhüterin

Chloe Morgan in training.
  • Torhüterin Chloe Morgan von Crystal Palace gehört seit Kurzem zum Vorstand des Netzwerks Women in Football
  • Das Netzwerk, dasin dieser Woche sein neues Manifest startete, ist nur das jüngste Projekt der Anwältin und Torhüterin
  • Morgan erzählt, wie sie ihre Arbeit, ihre Kampagnen und den Fussball unter einen Hut bringt

Sie ist Prozessanwältin und Torhüterin bei Crystal Palace, und schon allein diese beiden Aufgaben zu kombinieren ist eine bemerkenswerte Leistung. Doch Chloe Morgan findet darüber hinaus noch Zeit für zahlreiche weitere Verpflichtungen und Aktionen für die gute Sache.

So ist die 30-Jährige beispielsweise Botschafterin für KickOff@3, eine Initiative, die den Sport nutzt, um ein gutes Verhältnis zwischen Heranwachsenden und der Polizei aufzubauen. Und Morgan findet außerdem noch Zeit, sich als Beauftragte für Diversität und Inklusion sowie als Torhüter-Trainerin beim FC Goal Diggers zu engagieren, einem nichtkommerziellen Klub mit dem Ziel, Frauen und nicht-binären Menschen den Zugang zum Fussball zu erleichtern.

Ist das beeindruckend genug? Ganz sicher – doch es kommt noch mehr. Denn Morgan beteiligt sich zudem mit viel Leidenschaft an Kampagnen für Belange von Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und der LGBTQ+-Community. Durch diesen Aktivismus kam sie dazu, sogar noch eine weitere Rolle zu übernehmen, nämlich im Vorstand von Women in Football.

"Das ist eine wirklich tolle Organisation", erklärte sie auf die Frage, was sie bewogen habe, ihre ohnehin schon sehr lange Liste von Verpflichtungen noch zu erweitern. "Ich habe ja schon immer laut und deutlich die mangelnde Gleichstellung angeprangert. Daher ist Women in Football perfekt für mich, denn dieses Netzwerk engagiert sich an vorderster Front und treibt Verbesserungen voran. Und der Fussball hat bekanntermaßen das Potenzial, in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen großen Einfluss zu nehmen.

"Women in Football gibt es bereits seit 2007. Das Netzwerk hat mehr als 4.000 Mitglieder und engagiert sich gegen Diskriminierung, organisiert Veranstaltungen und Führungsseminare sowie Trainingseinheiten, um Frauen und auch Männern im Bereich des Frauenfussballs neue Fähigkeiten zu vermitteln. Es ist eine große Ehre, Teil davon zu sein und zu der Arbeit beizutragen, denn Geschlechterdiskriminierung ist im Fussball leider immer noch eine Realität.

"Ein Ergebnis einer aktuellen Umfrage von Women in Football lautet, dass 66 Prozent der Mitglieder bereits Geschlechterdiskriminierung am Arbeitsplatz erlebt haben. Und nur in zwölf Prozent der Fälle war das Opfer bereit, den betreffenden Vorfall zu melden und öffentlich zu machen. Dies zeigt, dass es noch sehr viel zu tun gibt."

Women in Football: Wembley

Viel für den Fussball – und auch viel für Morgan persönlich, wie ihre lange Liste von Engagements und Verpflichtungen zeigt. Wird ihr das alles nicht zu viel? Hat sie nicht manchmal das Gefühl, von all ihren konkurrierenden Verpflichtungen förmlich erschlagen zu werden?

"Ich habe jedenfalls einen sehr vollen Terminkalender, aber ich denke, dass ich dann am effizientesten bin", sagte sie gegenüber FIFA.com. "Ich muss immer zwei Schritte vorausdenken und darauf achten, meine Zeit nicht doppelt zu verplanen. Aber ich mache das alles mit viel Leidenschaft und empfinde daher nichts als lästige Pflicht."

"Manchmal habe ich einen anstrengenden Arbeitstag, mit komplizierten Fällen und ziemlich stressigen Situationen, und dann gehe ich abends raus, zum Training mit den Goal Diggers. Und selbst wenn es dabei wie aus Eimern schüttet, macht es mir riesigen Spaß, dort mit einer tollen Gruppe zu arbeiten und durch den Matsch zu rutschen. Das ist nicht selten der Höhepunkt meiner Woche."

Und auch der aktive Fussball macht ihr riesigen Spaß. Gerade erst ist sie von Tottenham an einem Ende Londons zu Crystal Palace am anderen gewechselt und freut sich über die neue Herausforderung.

"Im Moment liebe ich den Fussball wieder sehr", bekräftigt sie. "Es war toll bei den Spurs, aber ich brauche einfach mehr Einsatzzeit, und die bekomme ich hier bei Crystal Palace. Das Gefühl, wieder zwischen den Pfosten zu stehen, ist einfach toll. Ich genieße jede Minute als Teil einer großartigen Gruppe von Mädchen und eines sehr ehrgeizigen Vereins.

"Der Frauenfussball in England erlebt derzeit eine sehr interessante Phase", findet sie. "Wenn man sich mal anschaut, wer alles bei Klubs in der WSL unterschrieben hat – Sam Kerr, Alex Morgan, Pernille Harder und so weiter – dann ist England im Moment ganz offensichtlich das heißeste Pflaster im Frauenfussball. Das kann nur gut sein und noch mehr Mädchen motivieren, ebenfalls Fussball zu spielen."

Morgan ist erst 30 und hat sicher noch einige gute Jahre als Torhüterin vor sich. Dennoch macht sie sich schon jetzt Gedanken über die Zeit nach der aktiven Karriere. Und dabei denkt sie natürlich in großen Kategorien.

"Ich weiß, dass ich wirklich viele Dinge unter einen Hut bringe, meine Arbeit, meinen Fussball und all die anderen Aktivitäten. Aber ehrlich gesagt will ich davon nichts aufgeben", sagt sie. "So langsam nähere ich mich dem Ende meiner aktiven Karriere und eigentlich will ich mich dann sogar noch stärker engagieren, beispielsweise für die Belange, die Women in Football fördert. Ich will ein Vermächtnis hinterlassen.

"Mein wichtigstes Ziel ist es, dass die nächste Generation nicht mehr die gleichen negativen Erfahrungen machen muss, die viele Angehörige meiner Generation erlebt haben, ganz egal ob als Frau oder als Angehörige von Minderheiten. Das wird nicht leicht, doch es ist ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt. Viele gute Leute arbeiten auf dieses Ziel hin."

Man kann allerdings davon ausgehen, dass kaum jemand noch härter dafür arbeitet als die Nummer 1 von Crystal Palace.

Chloe Morgan.

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