Sportmedizin

Manchester Uniteds Chefarzt: "Durch die Krise effizienter, reaktiver und proaktiver geworden"

Manchester United Head of Sports Medicine and Science Steve McNally 
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  • Dr. McNally ist seit über 16 Jahren Mannschaftsarzt bei Manchester United
  • Er beschreibt seinen typischen Arbeitstag ...
  • ... und die Auswirkungen der Covid-19-Krise

Dr. Steve McNally ist der Leiter des Bereichs Sportmedizin und Sportwissenschaft bei Manchester United FC. McNally, der seit über 16 Jahren in dieser Funktion tätig ist, sprach im ersten Teil einer neuen Podcast-Serie mit Andrew Massey, dem Direktor der Medizinischen Abteilung der FIFA, über einen typischen Tagesablauf als Chefarzt eines englischen Erstligisten, die Zusammenarbeit mit verschiedenen Cheftrainern und die Rolle der Sportmedizin während der Covid-Krise.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Das hat sich gewandelt. Ich komme normalerweise um 8 Uhr morgens, habe auf dem Weg zur Arbeit schon ein oder zwei Telefonate. In der ersten halben Stunde bin ich alleine und bereite mich auf ein sehr kurzes Treffen mit meinen Mitarbeitern vor. Wir gehen dann sehr rasch jeden Spieler durch und erhalten eine Vorstellung davon, wie die Trainingseinheiten des Tages aussehen werden. Wir besprechen dann den medizinischen Status der Spieler und legen das dem Trainerteam vor. Das verändert deren Pläne manchmal, was sie auch frustrieren kann.

Wir haben dann knapp zwei Stunden, um die Spieler vorzubereiten. Manche Spieler kommen etwas früher, wollen auch mal einfach nur reden. In den letzten sieben bis acht Jahren nehme ich an jeder Trainingseinheit da. Einmal, um im Notfall vor Ort zu sein, und auf der anderen Seite, was ich immer wichtiger finde, um zu sehen, wie die Spieler performen und wenn etwas passiert, hat man den Vorgang direkt gesehen.

Nach dem Training schauen wir uns an, was dort passiert ist und beschäftigen uns mit Diagnostik, geben den Trainern ein Feedback. Die Verwaltungsaufgaben sind exponentiell angestiegen, wir haben Meetings, Komitees, Budgetverwaltung und Telefonate zu erledigen.

Sie haben mit einigen Cheftrainern gearbeitet – mussten Sie Ihren Arbeitsstil da anpassen?

Ja, absolut. Wir sind die Unterstützung, wir leiten nicht das Team oder den Klub und müssen uns anpassen, außerdem die Patienten individuell behandeln. Dadurch lernen wir immer wieder neue Wege, wie man etwas machen kann.

Wie sieht es bei Manchester United mit der Covid-19-Krise aus?

Jedes Unternehmen, das so sehr in der Öffentlichkeit steht wie wir, muss eine Rolle in der Gesellschaft spielen und sich extrem beispielhaft verhalten, in Bezug auf die nationale Regierung, aber auch als Teil des europäischen und des Weltfussballs. Wir mussten sehr kreativ werden, um unsere Spieler wettbewerbsfähig zu halten, unabhängig davon, wann immer dieser Wettbewerb wieder starten wird.

Was für eine Auswirkung wird diese Zwangspause auf den Fussball haben?

Wir beschäftigen uns vor allem damit, wie wir in Zukunft besser arbeiten können. Wir sind aufgrund dieser Krise wesentlich effizienter, reaktiver und proaktiver geworden. Es gibt Herausforderungen dabei, die Spieler sicher zum Training und dann in einen sehr intensiven Spielbetrieb zurückzubringen, oder sie auf eine neue Saison vorzubereiten, nach der längsten Pause, die wir je hatten.

Was war der Höhepunkt Ihrer Karriere?

Im sportlichen Bereich habe ich immer gesagt, dass es der Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft 2008 war. Auf der Medaille steht "Weltmeister", das kann man nicht schlagen. Außerdem muss man, um das zu erreichen, erst Champions-League-Sieger werden. Abgesehen davon gibt es einige medizinische Behandlungen, die natürlich vertraulich bleiben müssen, deren Lösung mir aber große Befriedigung verschafft hat, das betrifft nicht unbedingt nur die Top-Spieler.

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