Entwicklung

Malawi: Nachwuchsliga formt bessere Spieler – und bessere Menschen

Als der Nobelpreisträger und ehemalige Torhüter Albert Camus einst einen seiner berühmtesten Sätze niederschrieb – "Alles, was ich über Moral und Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Fussball " – verknüpfte er damit seine ganz eigene, persönliche Interpretation. Der französische Schriftsteller konnte damals wahrscheinlich kaum erahnen, wie sich das von ihm so geliebte Spiel weiterentwickeln würde, um Kindern und Jugendlichen Kraft und Halt in ihrem Leben zu geben. Hier setzt das jüngste Beispiel der Fussballförderung an: In Malawi wurde eine richtungsweisende U-15-Nachwuchsliga eingeführt, die offenkundig nicht nur neue Spitzenspieler formen, sondern gleichzeitig die Ausbildung einer ganzen Generation verbessern soll.

"Ich weiß, es klingt zu diesem besonderen Anlass vielleicht etwas hart, aber wir müssen realistisch bleiben", beginnt Benjamin Kumwenda mit Blick auf die Premierensaison der Liga in Blantyre zu erzählen. "Wenn es von etwa 400 Spielern zwei oder drei bis in die Nationalmannschaft schaffen, wäre das aus sportlicher Sicht zweifelsohne ein grandioser Erfolg. Die weitaus wichtigere Frage für die Gesellschaft bleibt jedoch: Was geschieht mit den restlichen 398?"

"Die meisten schaffen es nicht bis zum Profi. Weder in Malawi noch irgendwo sonst auf der Welt. Der Unterschied in einem Land wie unserem ist jedoch, dass man unbedingt auch eine Schulbildung braucht, um am Ende über die Runden zu kommen", erklärt der 45-Jährige Generalsekretär des Fussballtrainerverbandes in Malawi, der gleichzeitig auch als Coach der Mannschaft des Bezirks Ntchisi in der neu eingeführten Nachwuchsliga fungiert.

Er ist einer von 36 Trainern, die Anfang Oktober und damit einen Monat vor dem Anpfiff der neuen Liga an einem Lehrgang unter der Leitung von FIFA-Instruktor Dominique Niyonzima teilgenommen haben. Dabei wurde die Idee aufgegriffen, jedem der 18 Teams ein Trainer-Doppelgespann zuzuweisen, das den Fokus in erster Linie auf die Ausbildung legen sollte. Die Anforderung lautete: entweder der Cheftrainer oder der Assistenztrainer mussten gleichzeitig Lehrer der Primär- oder Sekundarstufe sein.

*Ein Schritt zurück, ein großer Sprung nach vorn *"Ich habe zum Telefon gegriffen und mehrere vom afrikanischen Kontinentalverband CAF lizenzierte Trainer in unserem Land angerufen, darunter auch Leute, die lange Zeit bei Mannschaften im Männerbereich tätig gewesen sind", erinnert sich der Technische Leiter des malawischen Fussballverbandes (FAM), John Kaputa, der gleichzeitig für die neue Nachwuchsliga verantwortlich ist. "Dann habe ich ihnen gesagt: 'Es mag auf den ersten Blick vielleicht wie ein Schritt zurück erscheinen. Aber es wird auf lange Sicht einen großen Sprung nach vorn für den Fussball in Malawi bedeuten. Wir brauchen eure Kompetenz.' Alle waren begeistert. Also haben wir entschieden, ihnen Lehrer zur Seite zu stellen, die mittlerweile selbst von unserem Verband lizenzierte Fussballtrainer sind."

Die Kombination des Lehrer-Trainer-Gespanns trägt bereits Früchte. Als Ernest Mtawali, der wohl beste Spieler in der Geschichte des Landes und aktueller Nationaltrainer Malawis, im Technischen Zentrum von Chiwembe den Auftakt der neuen Nachwuchsliga verfolgte (und dabei auch nach einem neuen Spielmacher für sein Team Ausschau hielt), begriff er dies bereits nach wenigen Augenblicken.

"Schau dir das an!", entfuhr es dem 51-Jährigen Mtawali. Er zeigte aufgeregt auf die Kindertraube des Teams aus Dedza, die im Kreis sitzend aufmerksam der Spielvorbereitung ihrer Trainer lauschten. Bei jeder neuen Anweisung nickten die 20 Nachwuchskicker einvernehmlich und respektvoll in synchroner Harmonie.

"In dem Alter hätte ich nie daran gedacht, das Spiel verstehen zu wollen. Hätte ich es getan, wäre meine Karriere vielleicht erfolgreicher verlaufen. Ich bin überzeugt, dass es damit zu tun hat, dass Lehrer in den Trainerstab integriert sind. Sie wissen genau, wie man mit Heranwachsenden umgehen muss, und sie verlangen Respekt. Zusammen mit der Verpflichtung der Kinder, die Schule zu besuchen, zieht man auf diese Weise bessere Menschen heran. Das ist unter dem Strich das Wichtigste", sagt Mtawali mit leuchtenden Augen. Während er sich weiter mit Bewunderung der Spielvorbereitung der Teams widmet, greift er noch einmal die Worte von Albert Camus auf: "Und all das verdanken wir dem Fussball."

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