Frauenfussball

Harder: Die Beste zu werden, motiviert mich noch immer

Danish forward Pernille Harder (10) pictured celebrating her goal with Danish defender Sofie Svava (23) at the 2020 Algarve Cup.
  • Pernille Harder gehört zu den besten Spielerinnen der Welt
  • Bei einer WM hat die 27-jährige Spielführerin des dänischen Nationalteams allerdings noch nie gespielt
  • Harder sprach mit FIFA.com über ihre Karriere und ihre Zukunftsplanung

Als zehnjährige Schülerin sollte Pernille Harder einen Aufsatz darüber schreiben, was sie im Leben erreichen wollte. Und schon damals schrieb das kleine dänische Mädchen, dass sie sich nicht damit zufrieden geben wollte, Profifussballerin zu werden. Nein, sie wollte die Beste der Welt werden.

"Das war schon immer mein Ziel", bekräftigte Harder kürzlich in einem Gespräch mit FIFA.com. "Allerdings scheint es schon fast unglaublich, dass ich bereits als kleines Kind in einem Aufsatz geschrieben habe, dass ich die Beste der Welt sein will."

"Damals war das nur ein Traum, allerdings ein ziemlich großer Traum. Als ich dann älter wurde, wurde ich auch besser und besser. Irgendwann fängt man dann an zu denken: 'Warum eigentlich nicht?' Die Beste der Welt zu werden, ist ein enorm hoch gestecktes Ziel, das weiß ich natürlich. Aber genau das motiviert mich und dafür trainiere ich Tag für Tag."

Nicht wenige finden, dass Harder dieses Ziel bereits erreicht hat. So wurde die dänische Stürmerin 2018 zu Europas Fussballerin des Jahres gewählt und belegte im gleichen Jahr Platz 1 in der Liste der Top-100-Fussballspielerinnen der englischen Zeitung The Guardian.

Allerdings kann man nicht bestreiten, dass die 27-Jährige weltweit nicht so bekannt oder umjubelt ist wie beispielsweise Megan Rapinoe und Marta. Die geringere Bekanntheit ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass Harder noch nicht auf der größten Fussballbühne der Welt zu bewundern war.

Das Fehlen der dänischen Spitzenspielerin ist für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ ein echtes Manko. Und angesichts des Stellenwerts internationaler Turniere im Frauenfussball leidet darunter niemand so sehr wie Harder selbst. "Das ist schon sehr frustrierend. Es schmerzt, dass ich nicht dabei war", gibt sie unumwunden zu.

Letztlich leistete Harder allerdings dann doch einen Beitrag bei der FIFA Frauen-WM Frankreich 2019™, allerdings nicht auf dem Spielfeld sondern auf der Tribüne. Und sie trug auch nicht das rote Trikot ihres geliebten Heimatlandes Dänemark sondern das leuchtende Gelb Schwedens, um ihre Partnerin Magda Eriksson anzufeuern.

"Als ich mich damit abgefunden hatte, dass ich nicht dabei sein würde, lenkte ich meine ganze Energie in diesem Sommer in die Unterstützung für Magda. Letztlich war das alles dann eine doch sehr schöne Erfahrung", so Harder. "Sie hat ein wirklich gutes Turnier gespielt und es hat mir großen Spaß gemacht, dabei zu sein. Manchmal war das alles schon ziemlich seltsam. Sehr viele sehr gemischte Emotionen, das kann ich wohl sagen. Die Spiele, bei denen ich war und in denen Magda nicht spielte, waren besonders schwierig. Ich dachte dann nicht selten: 'Ich sollte auf dem Feld sein und spielen und nicht hier sitzen und zuschauen.' "

"Aber wenn ich Magda zuschauen konnte, war es anders. Diese Spiele haben mir auch als Fan viel Spaß gemacht. Ich bin voll eingetaucht und manchmal habe ich mich sogar gefühlt, als wäre ich auf dem Spielfeld dabei. Außerdem war es eine interessante Erfahrung, mal ein großes Turnier aus der Perspektive der Fans zu erleben."

Harder & Eriksson: Pride and power

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Doch so angenehm das Erlebnis auch war – eine baldige Wiederholung wünscht sich Harder keineswegs. Vielmehr will sie sich unbedingt mit Dänemark für die verlegte UEFA EURO der Frauen qualifizieren, ein Turnier, bei dem sie und ihr Team in der Vergangenheit bereits brillierten.

"Wir haben bei der EURO eine ziemlich gute Bilanz vorzuweisen. 2013 sind wir bis ins Halbfinale gekommen und 2017 sogar bis ins Finale. Wir wissen daher sehr gut, dass es ein schönes, cooles Turnier ist", so Harder. "Daher wollen wir unbedingt wieder dabei sein, insbesondere nachdem wir die Weltmeisterschaft ja verpasst haben."

Die Däninnen legten einen perfekten Start in die Qualifikation hin: Nach fünf Spielen stehen fünf Siege und ein Torverhältnis von 29:0 zu Buche. Allerdings steht die wohl schwerste Herausforderung dem Team noch bevor: Italien, das bei der FIFA Frauen-WM Frankreich 2019™ zu den größten Erfolgsgeschichten zählte.

"Diese Spiele werden ganz bestimmt sehr interessant", ist Harder überzeugt. "Ich denke, dass die Chancen zwischen uns und Italien 50:50 stehen. Und diese Spiele werden auch viel Spaß machen. Ich finde, dass sich Dänemark von Spiel zu Spiel steigert. Wir haben eine ganze Menge junger Spielerinnen im Team, die sehr viel Talent und Potenzial mitbringen. Daher blicke ich sehr optimistisch in die Zukunft."

Harder ist auch mit ihrer eigenen Form derzeit sehr zufrieden, und das aus gutem Grund. Seit Saisonbeginn bis zur Unterbrechung durch COVID-19 hatte sie in 31 Einsätzen für Verein und Land 35 Tore erzielt. Sie ist fest entschlossen, genau so weiter zu machen, wenn wieder gespielt wird.

"Für mich persönlich war das schon ein ziemlich frustrierender Aspekt des Lockdowns", gibt sie zu. "Am Anfang habe ich immer noch gedacht: 'Können wir nicht einfach weiterspielen, ich bin doch gerade in wirklich guter Form!' Aber seitdem ich mich damit abgefunden habe, konzentriere ich mich voll und ganz darauf, in noch bessere Form zurückzukommen."

"Ich habe versucht, so weit wie möglich die positiven Aspekte zu sehen. Und es war durchaus positiv, sich in den Trainingseinheiten mal ganz genau auf kleine Details konzentrieren zu können. Ich fühle mich jedenfalls jetzt sehr gut und hoffe, dass die nächste Zeit für mich erfolgreich verläuft."

Pernille Harder of Wolfsburg before the Allianz Frauen Bundesliga match between VfL Wolfsburg and 1. FFC Frankfurt.
© Getty Images

Es könnte allerdings durchaus sein, dass wir Harder in den kommenden Monaten zum letzten Mal im grünen Trikot von Wolfsburg sehen. Seitdem sie 2017 bei dem Klub unterschrieb, hat Harder jedes Jahr die Meisterschaft in der Frauen-Bundesliga gewonnen. Jetzt scheint es an der Zeit, sich ein neues Umfeld und neue Herausforderungen zu suchen.

"Ich fühle mich bei Wolfsburg sehr wohl. Allerdings bin ich auch schon eine recht lange Zeit hier", sagt sie. "Mein Vertrag läuft noch ein Jahr. Danach werde ich wohl sehen, was als nächstes kommt. Nicht, weil ich hier nicht zufrieden wäre. Aber ich wünsche mir eben auch mal wieder eine neue Herausforderung."

"Es gibt derzeit viele Ligen, die riesige Fortschritte machen. Das zu sehen, ist großartig. Ich kenne die schwedische Liga und die deutsche. Beide haben mir sehr viel Spaß gemacht. Bis zum Ende meiner Karriere möchte ich gern noch zwei weitere Ligen kennen lernen, wenn das möglich ist. Warten wir's ab…"

"Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass ich mich ständig weiter entwickle und dass ich mich insbesondere in den vergangenen zwei, drei Jahren enorm verbessert habe. Die Saison war wirklich gut, für das Team und auch für mich persönlich. Ich befinde mich im Moment in einer ziemlich guten Phase und bin in guter Verfassung. Trotzdem versuche ich stets, mich weiter zu entwickeln und zu verbessern. Ich denke, dass noch etwas mehr von mir zu erwarten ist."

Der Wille, zu den Besten zu gehören, ist also noch ebenso groß wie vor 17 Jahren in dem Klassenzimmer in Dänemark. Ihr Wille und ihr natürliches Talent machen Harder zu einer überaus gefragten Spielerin, die bei ihrem Abschied aus Wolfsburg ganz sicher von zahlreichen Klubs umworben wird.

Pernille Harder in training with VfL Wolfsburg 

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