Über die FIFA

Frauen im Blickpunkt

Female ExCo candidates
© FIFA.com

Lydia Nsekera, Präsidentin des Fuss­ballverbands von Burundi, hat beim FIFA-Kongress im letzten Jahr in Budapest Geschichte geschrieben, als sie als erste Frau ins FIFA-Exekutivkomitee berufen wurde.

Das Mandat war für zwölf Monate befristet, denn ab diesem Jahr wird das weibliche Mitglied vom Kongress gewählt – dies für vier Jahre, womit die Amtsdauer gleich ist wie bei den übrigen Mitgliedern des Exekutivkomitees.

Nsekera erhält allerdings starke Kon­kurrenz, nachdem drei Konföderationen ebenfalls sehr erfahrene Kandidatinnen zur Wahl vorgeschlagen haben. Sie ist sich der Bedeutung ihres Beitrags im FIFA-Exekutivkomitee vollauf bewusst. Der Vorschlag zur Schaffung dieses Amtes kam vor zwei Jahren. Sie meint dazu: "Ich habe mich sehr gefreut. Ich habe mir gesagt, dass diese Entscheidung gut für die Entwicklung des Frauenfussballs ist und die Frauen anspornen wird, sich mehr zu engagieren und Führungspositionen in den Mitgliedsverbänden zu besetzen."

Nsekera, die ebenfalls Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees ist, will sich bei einer etwaigen Wahl im Mai vor allem für die weitere Förderung des Frauen- und insbesondere des Mädchenfussballs einsetzen. Zu diesem Zweck will sie andere Verbandspräsidenten davon überzeugen, den Frauenfussball auf ihrem Gebiet ebenfalls zu unterstützen und Führungsfunktionen vermehrt mit Frauen zu besetzen. Sie glaubt zudem, dass der Frauenfussball den Männerfussball als Modell für das Wachstum verwenden soll.

"Der Fussball muss sich bei den Frauen genauso entwickeln wie bei den Männern. Dies gilt für alle Bereiche wie Schiedsrichterwesen, Training, Verwaltung, Führung, Spielerstatus und Vermarktung."

Mentalitätswandel
Die Mitgliedsverbände zum Umdenken zu bewegen, ist auch ein Kernanliegen der CONCACAF-Kandidatin Sonia Bien-Aime. Die Generalsekretärin des Fussball­verbands der Turks- und Caicos-Inseln (TCIFA) ist überzeugt, dass der Entscheid der FIFA, eine Frau ins Exekutivkomitee aufzunehmen, ein klares Signal an die Mitgliedsverbände ist.

"Die FIFA bekennt sich damit nicht nur zur Förderung des Frauenfussballs, sondern auch zu einer Organisation, in der die Rolle der Frauen bei der weiteren Entwicklung und Verbesserung des Sports anerkannt wird", erklärt Bien-Aime. "Es ist zu hoffen, dass die Mitgliedsverbände nun ebenfalls über die Zusammensetzung ihres Exekutivkomitees und entsprechende Maßnahmen nachdenken."

Die ehemalige Sprinterin, Hoch- und Weitspringerin, Softball-Spielerin und Spielführerin des Frauenfussballteams der Turks- und Caicos-Inseln hat die Männerbastion Fussball in ihrer Region bereits erobert. Sie ist Mitglied des Exekutivkomitees der karibischen Fuss­ballunion und möchte nicht nur eine weibliche Perspektive in die FIFA-Exekutive einbringen, sondern auch den gesamten Erfahrungs- und Wissensschatz der in der Fussballverwaltung tätigen Frauen und so den Anliegen, die auch der FIFA am Herzen liegen, eine Stimme geben.

Mit Gold dekoriert
Eine weitere Kandidatin, die über den Fussball hinaus große Erfahrung im Sport hat, ist die Neuseeländerin Paula Kearns. Seit drei Jahren ist sie Geschäftsführerin des nationalen Kanuverbands, der bei den Olympischen Spielen im letzten Jahr eine Goldmedaille gewonnen hat.

Seit zehn Jahren ist Kearns auch im Fussball aktiv und kennt den Sport so ziemlich aus jeder Perspektive: als Spielerin, Trainerin, Gelegenheits-Schiedsrichterin und Funktionärin. Als solche war sie Klubpräsidentin und Geschäftsführerin des neuseeländischen Fussballverbands (NZF). Seit 2008 ist sie Frauenvertreterin im NZF-Vorstand.

Für Kearns ist die Nomination durch die ozeanische Fussballkonföderation nicht nur eine Ehre, sondern auch die Chance, den Frauenfussball international wirklich weiterzubringen.

Sie sieht ihre Rolle im Exekutivkomitee als weltweite Fürsprecherin für den Frauenfussball und als Stimme der Frauen. Sie fügt an, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Weltfussballverband und den Konföderationen und nationalen Verbänden unabdingbar ist, um den Frauenfussball vorwärtszubringen. Sie würde eng mit dem FIFA-Stab zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass es für die Förderung des Frauenfussballs eine klare Strategie gibt.

Positives Image
Die vierte und letzte Kandidatin will schließlich mit neuen Ansätzen und frischen Perspektiven punkten. Die Australierin Moya Dodd spielte neun Jahre für das Fussballnationalteam – kurzzeitig gar als Ersatz-Spielführerin –, ehe sie als erste Frau ins Exekutivkomitee des australischen Fussballverbands berufen wurde und bei der asiatischen Fussballkonföderation bis zur Vize­präsidentin aufstieg.

"Ich schaue mir sehr gerne Frauenfussball an, weil er so unverfälscht, erfrischend und spontan ist", schwärmt Dodd. "Es gibt kaum Schwalben oder Reklamationen beim Schiedsrichter, dafür viel Respekt und Sportsgeist. Der Frauenfussball kann dem Fussball weltweit ein frisches, positives Image verleihen."

Dodd will den Frauen- und Mäd­chen­fussball weltweit noch stärker fördern, den Spitzenspielerinnen Wege zu einer Profikarriere ebnen und auf allen Stufen mehr Frauen in die Führungsgremien des Fussballs integrieren.

Doch egal, welche Kandidatin beim FIFA-Kongress letztlich das Rennen machen wird, der Frauenfussball wird so oder so gewinnen, ist Dodd überzeugt.

"Die meisten meiner Kollegen hegen große Sympathien für den Frauenfussball, aber wenn viel auf der Tagesordnung steht, geht er leicht unter oder wird nach hinten geschoben“, bedauert Dodd. "Wenn eine Frau am Tisch sitzt, wird das FIFA-Exekutivkomitee garantiert informiert, an den Frauenfussball erinnert und möglicherweise auch von den Möglichkeiten überzeugt."

Ausführliche Interviews mit den vier Kandidatinnen können Sie über die Links auf der rechten Seite lesen.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel