FIFA-Präsident

FIFA-Präsident Infantino sprach beim Swiss Economic Forum

FIFA President Gianni Infantino at the Swiss Economic Forum in Montreux
© Others

Gianni Infantino trat als Überraschungsgast auf der Bühne beim Swiss Economic Forum in Montreux auf. In einem Interview zu einem breiten Themenfeld blickte der FIFA-Präsident zurück auf den institutionellen und kulturellen Wandel, den er seit der Übernahme einer von Krisen geschüttelten Organisation 2016 in die Wege geleitet hat.

"Die FIFA war zu einem 'Selbstbedienungsladen' verkommen, in dem Hunderte Millionen verschwanden", sagte der FIFA-Präsident. "Das mussten wir ändern. Wir mussten die Mentalität der Leute ändern."

Er stellte die Situation vor viereinhalb Jahren der heutigen Organisation nach der Reform gegenüber: "Heute können wir bei der FIFA jeden einzelnen Franken verfolgen: woher er kommt und wohin er geht. Man muss sich nur genügend Zeit nehmen, den dicken Stapel der Finanzberichte durchzulesen."

Präsident Infantino hob auch die Transparenz hervor, die bei den wichtigsten Verfahren der FIFA hergestellt wurde: "In den vergangenen 100 Jahren gab es immer wieder Skandale in Bezug auf die Bewerbung für die Weltmeisterschaft. In den vergangenen zwei Jahren haben wir zwei Weltmeisterschaften ohne Skandale vergeben. Und warum? Weil alles professionell abläuft und alles transparent ist."

Fokus auf die Schweiz

Vor einem Publikum aus angesehenen schweizerischen Unternehmern sprach der aus dem Kanton Wallis stammende Präsident auch offen über Anschuldigungen bezüglich seiner Treffen mit dem ehemaligen Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber und deren Auswirkungen auf ihn.

"Natürlich hat mich diese Angelegenheit sehr berührt. Vor allem, weil sie die FIFA betrifft. Wir haben sehr viel investiert, um die FIFA zu verändern. Gerade wegen all der Investitionen, die wir in die neu gewonnene Glaubwürdigkeit der FIFA vorgenommen haben, hat mich das wirklich hart getroffen."

"Ich habe mich mit dem Bundesanwalt getroffen, weil ich die Schatten unserer Vergangenheit endlich vertreiben wollte, denn man kann eine Organisation nicht in die Zukunft führen, wenn man sich nicht mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt hat.Es war mir völlig klar, dass ich alles tun musste, um die FIFA wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Dazu gehörten auch die Treffen mit dem Bundesanwalt, um zu prüfen, wie wir die laufenden Verfahren beschleunigen können, von denen einige selbst jetzt noch anhängig sind."

Mit Blick auf die Beziehungen zur Schweiz, wo die FIFA ihren Hauptsitz hat, bedauerte Präsident Infantino, dass er der Stärkung der lokalen Beziehungen keine größere Bedeutung beigemessen hat.

"Ich muss zugeben, dass wir in den letzten vier Jahren der Welt mehr Aufmerksamkeit geschenkt haben und der Schweiz weniger. Wir haben es versäumt, den Menschen in der Schweiz zu erklären, was wir tun, und dies hat zu Missverständnissen über die FIFA und über mich als Person geführt. Das wollen wir jetzt richtigstellen."

Positiv in die Zukunft

Zur Zukunft des Fussballs in der Ära von COVID-19 äußerte sich der FIFA-Präsident vorsichtig optimistisch. "Nein, ich habe keine Angst. Wir müssen einen Plan B, einen Plan C und einen Plan D in der Schublade haben. Wir haben Abläufe, die wir mit den Behörden und der Weltgesundheitsorganisation diskutieren. Das alles ist nicht leicht, aber wir müssen es durchstehen, und wir können es nur gemeinsam durchstehen. Wir alle sind von diesem Virus überrascht worden. Doch wir müssen dabei auch positiv in die Zukunft blicken."

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