Entwicklung

Die Sanneh-Stiftung sorgt in Haiti für Silberstreif am Horizont

Tony Sanneh, founder and CEO of The Sanneh Foundation, plays with the children of Cite Soleil in Haiti
© Others

Das Leben geht weiter. Wir können es beeinflussen… und dafür müssen wir etwas tun.

Meist steckt nichts Ungewöhnliches dahinter, wenn am Flughafen Minneapolis-St. Paul eine Gruppe von Menschen in Trainingsanzügen mit vielen Gepäckkarren und großen Sporttaschen zu sehen ist. Doch dieses Mal steckte eine ganz und gar ungewöhnliche Geschichte dahinter. Denn die Gruppe, die hier auf Reisen ging, wollte nicht an einem Turnier teilnehmen oder einen Titel verteidigen, sondern Kindern etwas Hoffnung schenken – Hoffnung durch die Kraft des Fussballs, in diesem Fall mit mehr als 340 Kilo Fussballausrüstung.

Die Hilfsorganisation Dark Clouds Silver Lining (etwa 'Silberstreif am Horizont'), die zur ältesten Fan-Gruppierung von Minnesota United gehört, hatte sich mit der Sanneh-Stiftung - eine von FIFA Football for Hope *unterstützte Organisation - zusammengetan, um bedürftigen Kindern in Haiti neue Fussballausrüstung zu überbringen. Die Ausrüstung wurde vom Programm *Football for Hope der FIFA und der Sanneh-Stiftung zur Verfügung gestellt. Der Name 'Sanneh' dürfte den Lesern von FIFA.com bekannt vorkommen.

Tony Sanneh war bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Japan/Korea 2002™ unter Trainer Bruce Arena Stammverteidiger und stieß mit dem U.S.-Team bis ins Viertelfinale vor. Ein Jahr nach jener Weltmeisterschaft gründete Sanneh dann seine Stiftung, während er noch als Profi aktiv war. Seit dem Ende seiner Karriere im Jahr 2010 widmet er sich voll und ganz dieser Organisation, deren Präsident und Geschäftsführer er ist. Ebenfalls 2010 wurde die Initiative für Haiti (Haitian Initiative) ins Leben gerufen, nachdem Sanneh vor Ort die Verwüstungen gesehen hatte, die das Erdbeben der Stärke 7,0 damals in dem Land angerichtet hatte.

"Es geht um Chancen und es geht um Hoffnung", sagte Sanneh im Gespräch mit FIFA.com über die Arbeit seiner Stiftung in dem karibischen Inselstaat. "Wir wollten etwas Nachhaltiges erreichen: Daher haben wir uns gesagt: 'Wenn wir hier, unter den schwierigsten Umständen, etwas erreichen können, dann können wir überall etwas erreichen.' "

Die Sanneh-Stiftung richtete ein ganzjähriges Programm im Elendsviertel Cité Soleil ein, der als ärmster Slum des Landes und sogar als einer der ärmsten der gesamten westlichen Welt gilt. Hier sollte den Kindern Hoffnung durch Fussball geschenkt werden. Das Programm in Cité Soleil konnte in den vergangenen Jahren stetig erweitert werden. Die Kinder erhalten dort Ausbildung und Förderung auf und abseits des Spielfelds, sechs Tage Training in der Woche, jeden Tag Verpflegung und ein Mal die Woche Englisch-Unterricht. Die Fortschritte der Sanneh-Stiftung sind besonders ermutigend, weil das Programm kurz nach dem verheerenden Erdbeben unter widrigsten Bedingungen ins Leben gerufen wurde.

"Hier war ein halbes Jahr lang alles völlig zum Erliegen gekommen", berichtet Sanneh. "Es gab keine Schule. Überall lagen Tote herum. Und buchstäblich lag alles in Trümmern, die sich meterhoch türmten." Sanneh war damals mit dem Team von Los Angeles Galaxy zu einem Kurzbesuch nach Haiti gereist. Er wollte tun, was er konnte, um eine nachhaltige Entwicklung in Gang zu setzen. Die Stiftung hat seitdem enorme Fortschritte gemacht, doch Sanneh will den Menschen in Cité Soleil noch mehr helfen und ein Gemeindezentrum und ein Spielfeld für sie anlegen.

Dark Clouds Silver Lining* kommt an Bord*
Das Zitat am Anfang des Artikels stammt aus einem Videobericht der Organisation Dark Clouds Silver Lining zu deren letzter Reise nach Haiti, wo sie sich an der Hilfe für die Menschen in Cité Soleil beteiligen und den dortigen Kindern brandneue Fussballausrüstung übergaben. Die Gruppierung zeigt eindrucksvoll, dass eine Fangruppe viel mehr sein kann als nur eine Zusammenkunft von Anhängern eines bestimmten Teams, die samstags im Stadion singen und Sprechchöre rufen.

"Sie sind einfach authentisch. Genau darum sollte es im Leben gehen", so Sanneh. "Jeder sollte sich dafür einsetzen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wenn man ein Team unterstützt, unterstützt man damit auch die Gemeinde, oder? Es geht nicht nur um Siege und Niederlagen und darum, wie viele Fans kommen. Es geht darum, was man als Organisation erreichen kann. Es geht um eine bestimmte Lebensweise.

Die Sanneh-Stiftung nutzt in Haiti den Fussball als Mittel zum Zweck, um den Menschen in Cité Soleil Hoffnung und Zuversicht zu geben.

"Es war wirklich cool, was die Jungs (Mitglieder von Dark Clouds Silver Lining) hier außerhalb ihrer sicheren vier Wände geleistet haben", so Sanneh nicht ohne Stolz. "Die Kids hier haben erkannt, dass die Jungs ihnen wirklich helfen wollten. Das war eine wirklich außergewöhnliche Sache. Wir haben erlebt, wie emotional sich erwachsene Menschen über die Möglichkeit gefreut haben, anderen zu helfen. Es war eine regelrechte Erleuchtung, ein Moment, für den sich all die Mühen gelohnt haben. Es war ein gutes Gefühl, dass wir zu diesem Erfolg beitragen konnten.

Wir haben miterlebt, wie enorm sich die Helfer engagiert haben und dass sie viel mehr geleistet haben, als sie sich je zugetraut hätten. Es war einfach großartig. Fahrdienste leisten, Englisch lehren, Fussball spielen, Freundschaften schließen – einfach großartig. Sie alle waren in ihrem Eifer kaum zu bremsen. Egal, wie müde und erschöpft sie waren. Wenn etwas gemacht werden musste, waren sie sofort zur Stelle und sagten: 'Wir schaffen das! Was genau braucht ihr?' Das war etwas ganz Besonderes.

Es geht um echte Menschen, die echte Hilfe leisten. Und egal wie viel Geld man zur Verfügung hat, man braucht immer noch Leute, die vor Ort anpacken und die Maßnahmen umsetzen. Die Macht der Menschen ist immens."

Die Sanneh-Stiftung und Gruppen wie Dark Clouds Silver Lining leisten sehr viel mehr, als nur Fussballausrüstung an Kinder zu verschenken.

"Ohne Respekt für sich selbst ist man nichts", so Sanneh. "Fussball hat die Kraft, Menschen zusammenzubringen und lässt uns unsere Vielfalt erfahren. Damit schenkt er den Menschen Selbstvertrauen, das naturgemäß mit Respekt einhergeht. Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Stolz sind wichtige Eigenschaften, die Menschen antreiben."

Oberflächlich scheint es, dass die Sanneh-Stiftung Chancen eröffnet und Lernangebote macht, doch andersherum hat auch Sanneh eine Menge von den Menschen in Cité Soleil gelernt.

"Ich habe viel über Hoffnung erfahren und über das, was wirklich wichtig ist", so seine Überzeugung. "Ich habe viel über Beharrlichkeit gelernt und weiß jetzt die Dinge, die ich habe, noch sehr viel mehr zu schätzen. Ich habe Dankbarkeit gelernt. Und mir ist klar geworden, dass alle Kinder eine Chance verdient haben."

Dieser Artikel gehört zu einer Reihe, in der FIFA.com fortlaufend über Nichtregierungsorganisationen berichtet, die im Rahmen von Football for Hope aktiv sind, der globalen FIFA-Initiative zur Verbesserung der Lebensumstände junger Menschen durch Fussball.

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