Entwicklung

Die Bedeutung des Fussballs in der Elfenbeinküste

Cote d'Ivoire team played Senegal
© Others

Es gibt wenige Länder, in denen der Einfluss des Fussballs als Mittel für Einheit, Frieden und soziale Entwicklung so ausgeprägt ist wie in der Elfenbeinküste. FIFA.com besuchte Abidjan, die Fussball-Hauptstadt des Landes, und sprach mit einigen der wichtigsten Akteure des ivorischen Fussballs. Es ging darum, den erstaunlichen Einfluss des Fussballs und seine einigende Kraft für die Bevölkerung zu verstehen sowie die Rolle der FIFA bei der Förderung einer einmaligen Geschichte. Und es lohnt sich, sie aus dem Blickwinkel einiger ihrer Protagonisten kennenzulernen.

Die inspirierende Kraft, die der Fussball auf die ivorische Bevölkerung ausübt, ist fest verwurzelt und geht weit über die Ausstrahlung einer Gruppe von Ausnahmesportlern hinaus, zu denen etwa Didier Drogba, die Brüder Yaya und Kolo Touré, Gervinho oder Salomon Kalou gehören, um nur einige wenige Stützen der Elefanten zu nennen. Dass Drogbas Vorfahren aus dem Süden stammen und die Tourés aus dem Norden, gab noch nie Anlass zu Konflikten. Und dies sind das Geheimnis und die stärkste Botschaft des Fussballs in einem Land, welches nach wie vor mit den Nachwehen eines furchtbaren Bürgerkriegs zu kämpfen hat, der den Norden vom Süden trennte.

"Die Elefanten sind für die Elfenbeinküste von großer Bedeutung, denn sie repräsentieren jeden Winkel unseres Landes. Dadurch, dass wir in der Nationalmannschaft zusammenspielen, vertreten wir alle Gemeinden und geben unserem Land ein Gefühl der Einheit", erklärte Kolo Touré, Verteidiger bei Manchester City.

*Das Land atmet Fussball *Beim Spaziergang durch die Straßen von Abidjan stellt man fest, dass der Fussball an allen Ecken das beherrschende Thema der Gespräche ist. Und Tourés Äußerungen werden schon bald aus der Sicht der Fans bestätigt.

"Wir werden niemals vergessen, wie Drogba unseren Ex-Präsidenten 2007 darum bat, ein Qualifikationsspiel für den Afrikanischen Nationen-Pokal in Bouaké (Rebellen-Zentrum im Norden des Landes) auszutragen. Jene Partie einte das ganze Land. Ganz zu schweigen von der erstmaligen Qualifikation des Teams für eine Weltmeisterschaft im Jahr 2005. Damals hatte ich das Gefühl, dass die ganze Elfenbeinküste eine Familie ist. Wir standen alle hinter den Elefanten, egal, ob wir aus dem Norden oder aus dem Süden waren", erinnerte sich ein Fan mittleren Alters, Diabaté, immer noch ganz aufgewühlt.

Die historische Qualifikation der Elfenbeinküste für Deutschland 2006 ging nicht nur aufgrund ihres unbestreitbaren sportlichen Wertes in die Geschichte ein. Unvergessen bleibt das legendäre Bild der ivorischen Nationalmannschaft, wie sie kurz nach der entscheidenden Partie gegen Sudan vor den Kameras des öffentlichen Fernsehens niederkniete, um das Land zu Frieden aufzurufen.

"Für uns war es schwer, in unser Land zu kommen und zu sehen, dass sich die Menschen gegenseitig umbrachten. Ich denke, dass bei unserer alten Generation ein Mentalitätswandel stattfinden muss, zumal sie an das Gefühl der Einheit glauben, die der Fussball stiftet. Sie glauben an uns, und deshalb kommen wir weiter in unser Land, einfach nur, weil wir etwas Großes für sie erreichen wollen", sagte Yaya Touré, der an der Seite von Kolo bei Manchester City spielt.

Die Elefanten waren zwar bisher noch nicht in der Lage, das überragende Niveau ihrer aktuellen Spielergeneration in einen internationalen Titel umzumünzen, doch die Ergebnisse auf dem Feld erscheinen oft nur zweitrangig. Durch die Ernennung Drogbas vor knapp einem Jahr zu einem von elf Mitgliedern der Kommission für Wahrheit, Versöhnung und Dialog, die nach dem Vorbild Südafrikas die Wunden des Bürgerkriegs zu heilen versucht, spielt die friedenstiftende Wirkung des Fussballs weiterhin eine grundlegende Rolle in der Elfenbeinküste.

"Wenn wir von der Elfenbeinküste sprechen, kommen uns natürlich Ereignisse aus der Vergangenheit in den Sinn. Auf irgendeine Weise wurde aber offenbar, dass der Fussball über das Potenzial verfügt, eine ganze Nation zu einen. Das ist etwas, was der Verband und die Politiker sehr genau wissen, aber vor allem die Spieler. Sie haben enorm unter all den Geschehnissen gelitten. Selbst wenn sie im Ausland sind, verfolgen sie, was zu Hause vor sich geht. Aus demselben Grund freuen sie sich, in ihr Land zu kommen und das Trikot ihrer Nationalmannschaft überzustreifen", sinnierte der neue Trainer der Elefanten, der Franzose Sabri Lamouchi.

*Sport und Zukunft *In einem Land, in dem die Lebenserwartung nach neuesten Studien 55 Jahre für Männer und 58 Jahre für Frauen beträgt, avancierte der Fussball zur Plattform für die Verbreitung von sozialen Entwicklungen. Über konkrete Initiativen werden die Auswirkungen immer sichtbarer.

Zum Beispiel über die fünf Goal-Projekte der FIFA, in deren Rahmen in den letzten zehn Jahren über zwei Millionen U.S.-Dollar investiert wurden. Die Initiativen ermöglichten unter anderem quantitative und qualitative Verbesserungen im Bereich Infrastruktur, wie etwa die Errichtung eines technischen Zentrums, Kunstrasenplätze und neue Büros für den ivorischen Fussballverband und die einheimische Liga.

"Durch die Durchführung dieser Goal-Projekte haben die afrikanischen Fussballverbände mehr Unabhängigkeit erlangt. Dank dieser Initiativen ist es dem afrikanischen Fussball gelungen, die Grundlagen für eine zielgerichtete Arbeit zu schaffen, die an die internationale Realität und den modernen Fussball angepasst ist", erklärte der FIFA-Entwicklungsleiter in der Elfenbeinküste, Sampon Kablan.

"Vergangenen September haben wir einen Trainerlehrgang in Abidjan durchgeführt, der nicht nur professionellen Trainern offenstand, sondern auch Übungsleitern aus dem Basisfussball. Dadurch können wir einen konkreten Beitrag für die Entwicklung des afrikanischen Fussballs auf struktureller Ebene leisten", ergänzte Kablan.

"Die Elfenbeinküste ist momentan das in der FIFA-Weltrangliste am höchsten platzierte afrikanische Land (16). Diese Statistik sollte uns zum Nachdenken über die Zukunft bringen, denn es ist an uns – der neuen Generation an Trainern –, dass dieses großartige Niveau beibehalten wird", sagte François Bowe, einer der Teilnehmer des Trainerkurses.

Ein weiterer Bereich, der von den Entwicklungsprogrammen der FIFA profitiert hat, ist der Frauenfussball. Das offiziell seit 1975 in der Elfenbeinküste durchgeführte Programm Finanzielle Unterstützung (FAP) der FIFA verlangt seit 2005, dass die Empfängerverbände mindestens zehn Prozent dieser Mittel in Frauenfussball-Projekte investieren müssen. Dies hat sich als wirksames Werkzeug erwiesen. "In den letzten Jahren konnten wir einen spürbaren Anstieg der Anzahl an Akademien, die Mädchen die Möglichkeit zum Fussballspielen geben, feststellen. Immer mehr Familien ermuntern ihre Töchter, unseren Sport zu praktizieren, was mit Sicherheit ein sehr positives Zeichen ist. Die FIFA-Kurse waren ein äußerst wirksames Mittel zur Förderung des Frauenfussballs und zur Vergrößerung der Basis an Sportlerinnen", analysierte die Trainerin der ivorischen Frauen-Nationalmannschaft, Clémentine Touré.

In der Elfenbeinküste eröffnen sich Männern wie Frauen ganz neue Horizonte. Immer weiter weg von den Waffen und nahe am Fussball.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel