Entwicklung

Deutschland: Mit Leidenschaft zum Erfolg

The German national team is seen prior the match against Belarus at the Soccer League Superfinal on August 17, 2014 in Torredembarra, Spain. (Photo by BSWW/Manuel Queimadelos)
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Es ist sicher nichts Neues, dass Deutschland zu den größten Fussballmächten zählt. Bei der Elf-gegen-Elf-Variante ist die Vormachtstellung der deutschen Teams unbestritten. Schließlich sicherten sich die DFB-Teams allein in den letzten Monaten den vierten Titelgewinn bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ und den dritten bei der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft.

Auf Sand sieht das allerdings ganz anders aus. Dieser Untergrund war für die Deutschen noch nie von Erfolg gekrönt...bis jetzt. Mitte August zeigte eine Mannschaft nämlich, dass Deutschland auch beim Beach Soccer durchaus mithalten kann. Das Team trat kürzlich im Superfinale der Euro Beach Soccer League (EBSL) an und maß sich dort mit der Elite dieser Sportart.

Zwar belegte die Auswahl dort unter den acht Teams, die um den Titel kämpften, nur den achten Platz, es ist jedoch beachtlich, dass sich Deutschland nach nur einer Saison in der Division A, der höchsten Spielklasse auf europäischer Ebene, bereits für die Finalrunde qualifizieren konnte. Für ein reines Amateurteam, an sich schon eine Seltenheit in Deutschland, war die Teilnahme allein bereits ein großer Erfolg. Dennoch träumen die Spieler von der Qualifikation für die FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Portugal 2015.

Erfolgsfaktoren
Worin liegen nun die Gründe dafür, dass ein Team, das jahrelang ein Schattendasein führte, einen solchen Sprung nach vorn machen konnte? "Leidenschaft, Ehrgeiz und klare Ziele", bringt es der deutsche Trainer Nils Böringschulte für FIFA.com auf den Punkt. "Seit ich im Jahr 2003 als Spieler mit dem Beach Soccer begonnen habe, war es mein Ziel, mich mit den Besten Europas zu messen. Wenn du nicht die richtige Einstellung hast, erreichst du kein einziges Ziel", fügt der 33-jährige Trainer hinzu, der in der Jugend für Schalke 04 spielte, sich dann jedoch während seines Universitätsstudiums für den Strandfussball begeisterte.

"Was die Leidenschaft und den Ehrgeiz angeht, so versuche ich, beides aufrechtzuerhalten und jedem Spieler in Erinnerung zu rufen, warum er Beach Soccer spielt", fährt er fort. "Hier gehen alle einer 'normalen Arbeit' nach oder sind Studenten, daher ist es nicht immer einfach, an Trainingseinheiten, Spielen und Turnieren teilzunehmen. Wir trainieren auf Kleinfeldern, schlafen in Turnhallen, steuern Geld aus der eigenen Tasche bei. Einige nehmen eine Anreise von 600 Kilometern in Kauf, um dabei zu sein... Wir opfern sogar unseren Urlaub, um im deutschen Trikot aufzulaufen!", so Böringschulte, der täglich acht bis zehn Stunden im Bereich Vertrieb/Marketing/Events eines Herstellers von Energy-Getränken in Köln arbeitet.

Es gab allerdings noch weitere konkrete Aspekte, die die Maschinerie ans Laufen brachten. "2012 erwies sich als das Jahr des Wandels. Einerseits ist das Ganze seitdem keine Einzelleistung mehr, sondern die Verantwortung wurde aufgeteilt. Andererseits haben wir die Suche nach Spielern über Trainingslager von einer Region auf das gesamte Land ausgeweitet. In diesem Augenblick begann die Zusammenarbeit mit dem deutschen Verband", erklärt der ehemalige Spieler und heutige Trainer der Nationalmannschaft.

"2013 folgte dann die Schaffung einer Liga", so Böringschulte weiter. "Jeder Nationalspieler sollte eine Mannschaft bilden, und in der ersten Saison hatten wir acht Teams. Dieses Jahr, in der zweiten Saison, waren es zwölf. Mit Unterstützung des Verbands streben wir ein Teilnehmerfeld von 16 Teams und eine Professionalisierung der Strukturen an. Mehr Wettbewerb ist entscheidend für die weitere Entwicklung."

*WM-Traum *In der Hauptrunde der europäischen Liga gelangen Deutschland beispielsweise Siege gegen das starke Italien (im Neunmeterschießen) oder Polen, ein aufstrebendes Team, gegen das man sich mit 4:0 durchsetzte. Im Superfinale blieb man zwar punktlos, Böringschulte bleibt jedoch mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen. "Niemand hätte gedacht, dass wir es in so kurzer Zeit unter die acht besten Teams Europas schaffen würden. Aber wir wissen sehr wohl, dass noch eine Lücke zu den Topteams klafft. Wenn wir gegen sie gewinnen wollen, müssen sie im Augenblick noch einen schlechten Tag erwischen und wir einen ganz hervorragenden", räumt er ein.

Dennoch träumt er davon, 2015 bei der WM in Portugal dabei zu sein. Mit diesem Ziel im Hinterkopf geht es am 6. September in Italien ins europäische Qualifikationsturnier, bei dem vier Startplätze zu vergeben sind. Die Deutschen, die bislang noch nie bei einer WM dabei waren, sind bei den letzten drei Qualifikationsturnieren noch nicht einmal über die erste Runde hinausgekommen.

Dieses Mal tritt Deutschland in Gruppe E gegen die starke Ukraine an, gegen die man im Superfinale noch mit 6:8 verloren hat. Die beiden anderen Gruppengegner sind mit Lettland und Norwegen allerdings etwas machbarere Teams. Selbst mit dem dritten Platz könnte sich das deutsche Team eventuell noch für die zweite Runde qualifizieren, wo die verbleibenden 16 Mannschaften erneut in Vierergruppen eingeteilt werden. Die Gruppensieger qualifizieren sich für das Halbfinale und sind in Portugal dabei. "Wir wissen, dass es schwer wird, aber wenn ich glaube, dass ich ohnehin keine Chance habe, dann kann ich gleich zu Hause bleiben", so der Trainer überzeugt.

Ein mögliches Scheitern schreckt Böringschulte nicht, der sich optimistisch verabschiedet. "Ich vertraue darauf, dass wir alles geben, weil wir stolz darauf sind, das Trikot unseres Landes zu tragen. Ich weiß nicht, ob es reichen wird, aber ich weiß, dass all dies Teil eines Lernprozesses ist. Ich habe ein sehr positives Gefühl, was die Zukunft des Beach Soccer in Deutschland angeht."

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