INTERNATIONALER FRAUENTAG

Daten und Vielfalt sind Brentfords Erfolgsrezept

Brentford fans
  • Brentford feiert dank eines wissenschaftlichen Ansatzes bei der Verpflichtung von Spielern auf dem Platz Erfolge
  • Dank dieser Prinzipien ist Brentford nun auch auf dem Weg zum "inklusivsten Klub Großbritanniens"
  • Director Monique Choudhuri erklärt den bahnbrechenden Ansatz

Wenn Sie diesen Artikel außerhalb Großbritanniens lesen und feststellen, dass sie nur wenig oder gar nichts vom FC Brentford wissen, sind sie nicht allein. Der Klub aus West-London gehört traditionell zu den weniger bekannten Vereinen der englischen Hauptstadt und hat den Großteil seiner Vereinsgeschichte in den unteren Ligen verbracht.

Diejenigen von Ihnen, die schon etwas über The Bees, wie sie aufgrund der Biene in ihrem Vereinswappen auch genannt werden, und ihre spannende Erfolgsgeschichte im britischen Fussball gelesen haben, sind in diesem Zusammenhang sicherlich auch auf den Begriff "Moneyball" gestoßen. Eigentümer Matthew Benham stöhnt zwar bei dem Vergleich mit dem Film Die Kunst zu gewinnen – Moneyball, der Hauptfigur Billy Beane und Baseball, doch der datengestützte Ansatz bei der Rekrutierung von Spielern führt automatisch dazu – und er hat sich ausgezahlt.

Mit dem Kauf und Verkauf von Spielern wie Neal Maupay, Ollie Watkins and Said Benrahma wurden zig Millionen eingenommen, und die aktuelle Saison geht langsam in die Schlussphase, in der Brentford erneut um den Aufstieg in die Premier League mitspielt. Vom Aufstieg in die höchste Spielklasse träumt man beim Klub seit Benham den Verein seiner Kindheit im Jahr 2014 übernahm. Auf internationaler Ebene hat er sich einen Namen damit gemacht, dass er den dänischen Klub FC Midtjylland mit den gleichen innovativen Prinzipien zum ersten Titelgewinn führen konnte.

Doch dies ist nicht das einzige Ziel, das der FC Brentford verfolgt. Der Klub möchte nämlich außerdem zum "inklusivsten Klub Großbritanniens" werden – ein Ziel, das ebenso ambitioniert ist wie die erstmalige Rückkehr in die höchste Spielklasse nach 74 Jahren.

Eine derjenigen, die sich mit ganzer Kraft für das Erreichen dieses Ziels einsetzt, ist Monique Choudhuri, Expertin für Leadership, Rekrutierung und Inklusion, die der Vereinsführung seit 2017 angehört. Im Gespräch mit FIFA.com erklärt sie, dass die wissenschaftlichen Grundsätze, die Brentford zu Erfolgen auf dem Spielfeld verholfen haben, nun auch abseits davon für eine ähnlich spektakuläre Erfolgsgeschichte sorgen sollen.

Choudhuri: "Es ist hinreichend bekannt, dass der Fussballbetrieb bei Brentford auf Datenwissenschaft basiert. Vor kurzem haben wir uns dann überlegt, diese Denkweise auch abseits des Spielfelds auf unsere Strategie anzuwenden. Dabei ziehen wir Daten unter anderem zur Entscheidungsfindung heran, aber auch, um anzuerkennen, dass jeder Mensch Vorurteile hat, bewusst oder unbewusst. Wir arbeiten mit aller Kraft darauf hin, solche Vorurteile abzubauen und nicht in Entscheidungen einfließen zu lassen.

"Dieser Ansatz ist einer der Gründe dafür, dass ich mich bei diesem Klub so wohl fühle. Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, und jeder hier versucht, sein Bestes zu geben und die Standards zu verbessern, aber auf eine bescheidene, menschliche Weise. Unter anderem deshalb ist dieser Klub so großartig: Brentford will Verbesserungen erreichen, aber nicht zulasten der Menschen.

"Ich behaupte nicht, dass es einfach ist. Wenn man sich das Ziel setzt, der inklusivste Klub des Landes zu werden, wirft das sofort Fragen dahingehend auf, wie das überhaupt aussieht und wie man es erreichen will.

Doch wir haben das Motto "Bee Together" und zielen darauf ab, Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion in den Mittelpunkt unserer gesamten Strategie zu stellen."

"Derzeit gibt es bei uns eine Prüfung hinsichtlich der Berücksichtigung dieser Werte, bei der von oben bis unten alles unter die Lupe genommen wird – von der Entscheidungsfindung bis hin zu unseren Mitarbeitern und deren Zugehörigkeitsgefühl. Außerdem geht es um die Verbindung zu unseren Fans, denn wir sind in einem der ethnisch vielfältigsten Bezirke Londons ansässig (Hounslow), was sich jedoch in der Zusammensetzung unserer Zuschauer nicht vollständig widerspiegelt.

"Wir möchten auf jeden Fall sicherstellen, dass bei diesem Klub jeder willkommen ist, und zwar bei den Fans, Mitarbeitern und Funktionären, und dass sich hier jeder zuhause fühlt. Wenn wir das erreichen können, hoffe ich, dass wir zum Vorbild für andere Klubs werden, die mit ähnlichen Ansätzen nachziehen."

Brentford fans celebrate during the Sky Bet Championship match between Brentford and Wigan Athletic at Griffin Park on May 2, 2015 in Brentford, England. 
© Getty Images

Choudhuri ist fest davon überzeugt, dass Brentfords datengestützter Ansatz für Inklusion ebenso wie bei der Rekrutierung von Spielern für Bewunderung sorgen wird, da er klare und unwiderlegbare Ergebnisse liefert. "Ich finde, dass schon jetzt eine positive Auswirkung auf den Klub zu spüren ist", meint sie. "Natürlich bleibt noch viel zu tun. Aber es steht außer Frage, dass es von Vorteil ist, neue Gesichtspunkte einzubringen und nicht nur weiße Männer mittleren Alters am Tisch sitzen zu haben, die diskutieren, debattieren und alle Entscheidungen treffen."

Brentfords Initiative für Vielfalt beschränkt sich nicht auf die Besetzung weiterer Führungspositionen mit Frauen oder die Steigerung der Attraktivität für weibliche Fans. Dennoch ist dies ein Schlüsselelement, und Choudhuri, eine von mehreren weiblichen Führungskräften im Klub, weiß nur zu gut, welche Vorurteile überwunden werden müssen, damit andere Klubs dem Beispiel folgen können.

"Bei Frauen geht es vor allem darum, die Grundeinstellung zu ändern, dass wir nicht genug vom Fussball verstehen – oder zumindest nicht so viel wie die Männer", so Brentford, die auch dem Vorstand von Women in Football angehört. "Als ich mich als Direktor eines Fussballklubs vorgestellt habe, wurde ich vor allem anfangs oftmals gefragt, wie ich an diesen Job gekommen bin. Das ist eine Frage, die ich einem Mann niemals stellen würde."

"Derzeit sind unter den Mitarbeitern und Fans des Klubs wesentlich mehr Frauen als früher, und wir wollen diese Entwicklung nach und nach weiter vorantreiben. Was unser finales Ziel angeht, glaube ich nicht, dass wir es jemals erreichen werden. Denn selbst wenn es uns gelingt, zum "inklusivsten Klub Großbritanniens" zu werden, werden wir sicherlich noch mehr erreichen wollen."

Genau diese Einstellung ist es, die Brentford zu einem Klub macht, den jeder auf dem Zettel haben sollte.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, die dem Frauenfussball und Frauen im Fussball gewidmet ist, und wurde anlässlich des Weltfrauentages 2021 verfasst. Weitere Informationen zur Frauenfussballstrategie der FIFA und Förderprogrammen sowie weitere Artikel wie diesen finden Siehier.

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