FIFA U-20-Weltmeisterschaft Neuseeland 2015

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Neuseeland 2015

30 Mai - 20 Juni

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2015

Weltmeister-Keeper Rajkovic: "Ein Team und ein Herz!"

Predrag Rajkovic the captain of Serbia lifts the FIFA U-20 World Cup
© Getty Images

Glückliche Gesichter, voller Stolz funkelnde Augen und sich umarmende Menschen, wo immer man auch hinblickte: Wer am Samstagabend in den Katakomben des North Harbour Stadiums von Auckland der Umkleidekabine der Serben nahe kam, sah nichts als Freude in purer Vollendung. Soeben hatten sie den Titel bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2015 gewonnen. Mittelfeldjuwel Nemanja Maksimovic schoss sein Heimatland mit seinem Treffer in der 118. Minute zum 2:1-Finalsieg nach Verlängerung gegen Brasilien – und damit auf Wolke sieben.

Für die Südosteuropäer bedeutete der Titelgewinn weit mehr als nur das Hochstemmen der begehrten Trophäe. Zum ersten Mal nahm das noch junge Serbien als eigenständiges Land an einer Auflage dieser Turnierserie teil. Und gleich bei ihrem Debüt setzten sie sich die Krone auf. So wie damals in Chile 1987, als das von Zvonimir Boban, Robert Prosinecki, Predrag Mijatovic und Davor Suker angeführte Team des ehemaligen Jugoslawien den Thron besteigen konnte.

Die Schützlinge von Coach Veljko Paunovic sind in die Fußstapfen einiger ihrer eigenen Vorbilder getreten. Nicht nur deshalb wurde dieser Abend in Neuseeland zu einem ganz besonders emotionalen für die Serben. Sie haben nun Fussball-Geschichte geschrieben und blicken in eine goldene Zukunft.

Mitunter haben sie das auch einem jungen Mann zu verdanken, der sich während des gesamten Turniers, vor allem aber auch im dramatischen Finale zu einem absoluten Erfolgsgaranten entwickelte. Torhüter und Kapitän Predrag Rajkovic ließ die brasilianischen Top-Talente ein ums andere Mal mit seinen Glanzparaden verzweifeln, musste seit der Ankunft im Land der "Kiwis" nur vier Gegentreffer in sieben Turnierspielen hinnehmen und avancierte zum besten Torhüter dieser Endrunde. Deshalb wurde der 19-Jährige von FK Crvena Zvezda auch verdientermaßen mit dem Goldenen Handschuh von adidas ausgezeichnet.

Für FIFA.com nahm sich Serbiens Ausnahmekeeper trotz all der weltmeisterlichen Feierlichkeiten wenige Minuten nach der Siegerehrung im weiten Rund von Auckland Zeit für ein exklusives Interview.

Predrag, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der U-20-Weltmeisterschaft. Wann haben Sie eigentlich das erste Mal daran geglaubt, dass Sie hier den Titel gewinnen können?

Ganz ehrlich? Ich habe von Anfang an ganz fest daran gegalubt. Ich wusste, dass wir es hier in Neuseeland erreichen können. Es war nicht so, dass ich plötzlich im Laufe der vier Wochen realisiert habe: 'Wow, wir können ja Weltmeister werden.' Nein, ich war vom ersten Tag an davon überzeugt - und ich hatte nie Zweifel.

Können Sie beschreiben, was gerade bei Ihnen in der Kabine los ist?

[lacht] Da ist natürlich gerade richtige Partystimmung. Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Wir feiern ein bisschen, aber so richtig wird es erst losgehen, wenn wir wieder in Belgrad sind. Dieser Titel bedeutet so viel für unser Heimatland. Ich muss Ihnen sagen, dass ich noch gar nicht wirklich realisiert habe, dass wir jetzt Weltmeister sind. Und wir haben auch keine Ahnung, was uns zuhause erwarten wird. Aber mit Sicherheit wird es etwas Großes sein!

Was ist das Erfolgsgeheimnis dieser Mannschaft?

Es ist ganz einfach: Wir sind ein Team und ein Herz! Von Anfang an galt für uns dieses Motto. Wir haben es hier in Neuseeland nicht nur so daher gesagt. Wir haben es wirklich gelebt. Und das merkte man dann auch auf dem Feld.

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Man erzählt sich, Ihr Team hatte sich vor Turnierbeginn die besten Szenen der jugoslawischen U-20-Weltmeister von 1987 auf Video angeschaut. Dabei hatten Davor Suker, Predrag Mijatovic und Zvonimir Boban auch gesagt, sie seien enge Freunde und wenn man in einem solchen Verhältnis mit seinen Teamkollegen steht, ist alles möglich. Stimmt das? Und wurde dieser Spruch auch zum Motto Ihres Teams?**

Ganz sicher war es genau so! Dieses Motto wurde für uns hier in Neuseeland ganz wichtig. Das damalige Team war außergewöhnlich, und ich denke, wir haben nun bewiesen, dass wir ebenfalls außergewöhnlich sind. Ich möchte jedem meiner Mitspieler einfach nur ein riesengroßes Dankeschön sagen für all das, was wir gemeinsam hier geleistet haben. Jedem einzelnen möchte ich von ganzem Herzen laut Danke sagen. Alle zusammen waren wir gleichstark!

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Was hat in Ihren Augen heute in diesem an Spannung kaum zu überbietenden Finale den Unterschied zu Ihren Gunsten ausgemacht?**

Ich glaube ehrlich gesagt, dass uns wirklich zugute kam, dass wir die ganze Zeit schon immer - bei jedem einzelnen Spiel in der K.o.-Phase - mindestens durch die Verlängerung mussten und gelernt haben, mit dem damit entstehenden Druck zurecht zu kommen. Und dann war es natürlich unser großartiger Mannschaftsgeist, der uns heute in diesem Endspiel gegen eine wahnsinnig starke brasilianische Mannschaft zum Titel geführt hat.

Sie sind heute nicht nur Weltmeister geworden, sondern haben bei dieser Endrunde auch die Auszeichnung des Goldenen Handschuhs von adidas für den besten Torhüter des Turniers erhalten. Was bedeutet dieser individuelle Titel für Sie?

Für mich bedeutet er natürlich super viel, das gebe ich gerne zu. Aber mir ist wahnsinnig wichtig, zu betonen, dass diese Auszeichnung eigentlich der ganzen Mannschaft gehört. Dafür gibt es einen einfachen Grund, denn ohne sie hätte ich diesen Titel definitiv niemals bekommen.

Haben Sie ein Vorbild?

Nun ja, anfangs, als ich noch klein war, war Iker Casillas mein großes Idol. Aber mittlerweile sagen viele Leute, dass ich mit Manuel Neuer vergleichbar sei* [lacht].


**Wir hat es Ihnen generell hier in Neuseeland während dieser vier Wochen gefallen?

Es war wundervoll! Dieses Abenteuer und diese Erfahrungen hier in Neuseeland haben uns sehr gut gefallen. Was uns besonders gefreut hat, war die Tatsache, dass uns die Leute hier so super aufgenommen haben. Viele Neuseeländer haben für uns gehalten, auch heute bei dieser unglaublichen Kulisse beim Finale, und haben für Stimmung gesorgt. Dafür möchte ich mich im Namen der gesamten Mannschaft von ganzen Herzen bedanken. Diese Zeit wird für uns für immer unvergessen bleiben.

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