FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

29 Juli - 20 August

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Uvini: "Ich will Geschichte schreiben"

Brazil's player Bruno Uvini (3) vies with Austria's Andreas Weimann
© AFP

Für jede andere Nation des Weltfussballs wären zwei Jahre ohne Titel nichts Außergewöhnliches. Den Brasilianern hingegen scheint diese Zeit wie eine Ewigkeit vorzukommen. Ob man es glaubt oder nicht – so viel Zeit ist nun vergangen, seitdem Lúcio beim Gewinn des FIFA Konföderationen-Pokals Südafrika 2009 zuletzt eine Trophäe in Händen halten konnte. Seither ist die Seleção bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft, der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft und der FIFA U-17-Weltmeisterschaft jeweils frühzeitig gescheitert. Weder Lúcio ein Jahr später noch Aline oder Marquinhos ist es in weiterer Folge gelungen, einen Pokal entgegenzunehmen.

Dem Brasilianer Bruno Uvini bietet sich somit eine einmalige Gelegenheit: Er könnte die Negativserie der Südamerikaner beenden, Brasilien im Endspiel der FIFA U‑20‑Weltmeisterschaft auf das Feld führen und erstmals als Kapitän eine Trophäe entgegennehmen. "Es erfüllt mich mit Stolz, Kapitän dieser Mannschaft sein zu dürfen. Natürlich hoffe ich auf den Titelgewinn. Ich möchte das Privileg genießen, den Pokal in die Höhe zu stemmen und den fünften Titel unserer Mannschaft zu feiern", erzählte der Innenverteidiger im Gespräch mit FIFA.com.

Es wäre wunderbar, den Titel zu holen, als Weltmeister nach Brasilien zurückzukehren und dann bei der Klub-Weltmeisterschaft mit dabei zu sein. 

Noch eine große Herausforderung
Seine Geschichte erinnert an jene der meisten Brasilianer, die vor dem Fernseher die Titelgewinne von Carlos Alberto, Dunga, Cafú, Lúcio und vielen, vielen anderen verfolgten. "Ich träumte immer davon, so wie sie zu sein. Ich bewunderte sie sehr. Aber nicht nur die brasilianischen, sondern auch die Kapitäne anderer Nationen, die bedeutsame Titel geholt haben. Vielleicht gelingt mir nun etwas Ähnliches, womit ich in die Annalen des brasilianischen Fussballs eingehen kann", sagte er.

Mit seinen 1,85 Metern ist der 20‑jährige Bruno kaum zu übersehen. Die beeindruckende Statur des zweikampf- und kopfballstarken Innenverteidigers des FC São Paulo lässt jeden gegnerischen Stürmer vor Ehrfurcht erstarren. Als er jedoch auf das Spiel gegen Portugal angesprochen wurde, änderte sich sein Gesichtsausdruck schlagartig: "Das ist ein Traum für mich! Das Endspiel war unser Ziel, doch ich kann es immer noch nicht glauben, dass wir es nun erreicht haben. Ich habe es noch nicht wirklich begriffen. Wir müssen jedoch noch eine große Hürde nehmen, um uns den Titel zu sichern."

Persönliche Genugtuung?Den vergangenen April, als sich Brasilien unter der Regie von Neymar den Titel in Südamerika sicherte, erlebte Bruno Uvini mit gemischten Gefühlen: Einerseits freute er sich mit seinen Mitspielern über den Titelgewinn, doch andererseits konnte er dies nur vor dem Fernseher tun, nachdem ihn eine Verletzung an der Teilnahme an diesem Turnier und somit auch an der Entgegennahme der begehrten Trophäe hinderte.

"Das war natürlich bitter", räumte er mit einem enttäuschten Gesichtsausdruck ein. "Ich hätte den Pokal natürlich gerne in die Höhe gestemmt, fühle mich aber dennoch als Teil dieses Triumphs. Ich hoffe, dieses Thema nun abhaken zu können", sagte der Spieler, der trotz seiner Verantwortung über den enormen Druck nur lachen kann. "Einem Brasilianer wird das in die Wiege gelegt. Jeder, der für Brasilien spielt, ist sich der hohen Erwartungshaltung bewusst. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es sich bei Brasilien um ein Land handelt, das an Siege gewöhnt ist. Man muss lernen, damit umzugehen."

Der Kapitän, der zwar keinen Druck verspürt, aber verständlicherweise dennoch vom Titelgewinn träumt, zeigte sich bei der Analyse der Gründe für den Finaleinzug seiner Mannschaft pragmatisch: "Abgesehen von unserem charakteristischen jogo bonito heben wir uns auch dadurch von anderen Mannschaften ab, dass wir mit dem Herzen spielen. Wir haben in jedem Spiel an einem Strang gezogen und uns gegenseitig wie eine richtige Familie unterstützt. Ich denke, das war der Schlüssel zum Erfolg."

Verantwortung, Träume und Versprechen
Abgesehen von der großartigen Stimmung im Team von Ney Franco, die jeder bezeugen kann, der das Glück hat, einige Minuten dabei sein zu können, hält der Kapitän jedoch auch die harte Arbeit für ausschlaggebend: "Es fällt in meinen Verantwortungsbereich, die Einheit innerhalb der Mannschaft aufrechtzuerhalten – sowohl auf dem Platz als auch außerhalb davon. Das ist keine einfache Aufgabe, ganz im Gegenteil. Doch im Grunde ist es eine schöne Aufgabe", erklärte der Verteidiger, der nach der FIFA U‑20‑WM in São Paulo ein neues Kapitel seiner Karriere aufschlagen möchte.

Beim selben Verein spielen auch Miranda und Alex Silva, die mit ihm um einen Stammplatz im Verein kämpfen werden, weshalb er sich mit dem Gewinn des Weltmeistertitels am kommenden Samstag in eine gute Ausgangslage bringen könnte. "Im Moment denke ich nur an die Nationalmannschaft, obgleich es mein Ziel ist, mir im Verein einen Stammplatz zu erkämpfen. Es wäre wunderbar, den Titel zu holen, als Weltmeister nach Brasilien zurückzukehren und dann irgendwann einmal bei der Klub-Weltmeisterschaft mit dabei zu sein. Es gibt nicht viele, die in diesem Alter schon so viel erreichen können."

Im Erfolgsfall würde er seinen Vater – den Eigentümer der Fussballakademie, in der er seine ersten Gehversuche als Fussballspieler machte – natürlich sehr glücklich machen. Dieser ist ein ehemaliger Innenverteidiger und jetzt Trainer, der seine Ansichten zum Thema Fussball tagtäglich mit dem Kapitän der Juniorenmannschaft teilt. "Er ist mein wichtigster Berater, mein großer Freund. Ihm verdanke ich einen Großteil meines Erfolgs", erklärte Bruno. Wird er also den eventuellen Gewinn des Weltmeistertitels in El Campín seinem Vater widmen? "Ihm und meiner Mutter, die mir alles bedeuten. Ihre Namen sind in meinen Fussballschuhen eingraviert, das sagt wohl alles. Ich möchte in die brasilianische Fussballgeschichte eingehen und ihnen den fünften Weltmeistertitel widmen."

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